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Chronik

Lehrling klagt Elektronik-Konzern Sony

Es ist ein Match David gegen Goliath: Ein 17 Jahre alter Lehrling aus Weißbriach im Bezirk Hermagor klagt den großen Elektronik-Konzern Sony. Es geht um ein virtuelles „Champions League“-Fußballspiel und einen möglichen Verstoß gegen das Glückspielmonopol in Österreich.

Mit selbst zusammengestellten Mannschaften kann mit diesem Spiel die „Champions League“ bestritten werden. Das Spiel wird virtuell am Fernseher gespielt. Wer gewinnt, bekommt Münzen und kann damit bessere Spieler kaufen, aber das dauert. Rechtsanwalt Ulrich Salburg, der den Lehrling vertritt, kritisiert, dass man auch echtes Geld einsetzen kann. 400 Euro habe sein junger Mandant investiert.

Überraschungspakete verstoßen gegen Glücksspielmonopol

Salburg erklärte, wie Sony mit dem Spiel das Geld verdient. „Man kauft im Spiel eine Lootbox – ein Überraschungspaket; übersetzt Beuteschachteln – und in dem Paket kann ein guter Spieler, wie Ronaldo oder Messi enthalten sein, aber es kann auch ein mittelmäßiger bis schlechter Spieler enthalten sein.“

Geklagt werde nun wegen eines Verstoßes gegen das Glücksspielmonopol, sagte Salburg: „Das Argument lautet, dass hier ein Glücksspiel stattfindet, weil man nicht weiß, ob man einen guten oder schlechten Spieler erhält. Das Wichtigste dabei ist, dass es einen Sekundärmarkt gibt, weil man die Spieler dann auch verkaufen kann.“

Auch Suchtfaktor spielt eine Rolle

Der zweite Kritikpunkt ist der Suchtfaktor, sagte Salburg. „Wenn man eine solche Box kauft, gibt es audiovisuelle-Effekte, es spielen Fanfaren, es gibt Lichteffekte. Da gibt es eine Untersuchung der belgischen Glücksspielkommission für das belgische Parlament, die davon ausgeht, dass solche Effekte durchaus suchterzeugend sind.“

Salburg sagte, er mache vor Gericht Wucher geltend, „weil etwas Sinnloses verkauft wird, das keinen Wert hat, unter Ausnutzung einer eingeschränkten Entscheidungsfreiheit“.

Fall kommt vor Bezirksgericht Hermagor

Zwei Sony-Anwälte waren bereits da. Sie wollen den Fall aber nicht in Hermagor verhandeln, sondern nach Wien oder London bringen. Die Bezirksrichterin in Hermagor fühlt sich aber zuständig, für diesen Fall der weite Kreise ziehen kann. Sony verdient hunderte Millionen Euro mit der Lootboxen-Strategie.

Salburg schätzt, dass die Verhandlung etwa in einem halben Jahr stattfinden wird. Die kritisierten Lootboxen gibt es in vielen Computerspielen. Deswegen blicken auch andere Hersteller auf das Gerichts-Verfahren in Hermagor.