Süße Würste statt Faschingskrapfen

Während in unseren Breiten zur Faschingszeit die mit Marillenmarmelade gefüllten Krapfen nicht wegzudenken sind werden in Caneva (Provinz Pordenone) „süße Würste“ mit Schweinsleber, Pinienkernen, Zitrusfrüchten und Rosinen gefüllt. Davor gibt es eine „Wöchnerinnensuppe“.

Es sind hauptsächlich Rezepte aus der örtlichen Tradition, nach denen die Hausfrauen und Köchinnen in Caneva jene Gerichte zubereiten, die den erschöpften Kugelstoßern beim „Pagalosto“ am Faschingssonntag wieder neue Kraft für die nächsten Runden geben sollen.

Eine Familie bereitet Süßspeisen zu, eine andere wiederum reicht „Formaggio di Malga“, also Almkäse und ein Gläschen Wein, erklärt Luciano Borin. Vorschriften gibt es keine - jeder trägt nach seinem Ermessen einen Teil dazu bei, dass die Spieler nicht mit leerem Magen ihre Kräfte messen müssen - mehr dazu in Kugelstoßen zum Faschingsausklang.

SSC Pagalosto Kochen Köchinnen
ORF/Iris Hofmeister
Rund um den „Pagalosto“ gibt es viel zu tun für Marisa, Elide e Resi - sie bereiten zahlreiche traditionelle Gerichte zu.

Sieben Fleischsorten in Suppenform geben Kraft

Eine besondere Spezialität ist die sogenannte „Wöchnerinnensuppe“, „il brodo della paiolana“ genannt, erklärt Luciano Borin: „Früher wurde diese Suppe Frauen gegeben, die vor kurzem ein Kind zur Welt gebracht hatten. Es ist eine reichhaltige Suppe, die aus sieben verschiedenen Fleischsorten mit unterschiedlichen Zubereitungszeiten besteht.“

Sendungshinweis:

„Servus, Srečno, Ciao“, 2.3.19

Rindfleisch hat ja eine andere Konsistenz im Unterschied zu den anderen Fleischsorten, sagt Borin: "Zuerst wird also das Rindfleisch gekocht und dann nach und nach die anderen Fleischsorten hinzugefügt - als letztes das Hühnerfleisch, das rasch gar ist.“ Nach dem Kochen wird alles abgeseiht und mit Rotwein und viel Käse abgeschmeckt. „Lang gereifter Montasio wird in Caneva verwendet“, sagt Luciano Borin.

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„radic e fasoi con le frizze“

„Figadei“ mit Radicchio als Hauptgericht

Ein weiteres Gericht sind die „süßen Würste“ - die Figadei, die mit „radic e fasoi con le frizze“ serviert werden. Anna Resi Raganin über die Zubereitung: „Der weiße Speck wird in kleine Stücke geschnitten. Er wird in etwas Öl angebraten - das gibt dem Ganzen dann eine besondere Note. Man mischt es mit etwas Bohnensuppe und schmeckt damit den Feld-Radicchio ab.“

Um die Faschingszeit hat dieser „Hochsaison“. Im Sommer wäre dieses Gericht wohl zu üppig, sagt Resi Raganin. Deshalb ist dies eine typische Speise für die kalten Wintermonate.

SSC Faching süße Wurst Wöchnerinnensuppe
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„Süße Würste“, die garkeine Würste sind

Aber jetzt zu den „süßen Würsten“ - was für manchen komisch klingen mag gehört für die Bewohner von Caneva zur Tradition. Sie sind gefüllt mit Schweinsleber, Pinienkernen, Organgen- und Zitronenstücken und Rosinen. 20 Minuten werden sie in Wein gekocht bis sie weich sind. „Der süßliche Geschmack dieser Würste, die eigentlich garkeine Würste sind, ist nicht jedermanns Sache. Deshalb gibt es auch eine geschmacksneutralere Form.“

Früher hatte fast jede Familie Schweine zu Hause und die Zubereitung war recht einfach - heute wird auf Schweinefleisch vom Metzger zurückgegriffen.

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Zubereitung der „figadei“

Auch echte Süßspeisen dürfen nicht fehlen

Natürlich werden auch in Caneva Süßspeisen serviert - so wie vielerorts in Friaul Julisch Venetien die „frittelle“ und die „crostoli“. Sie bilden den „krönenden Abschluss“ eines reichhaltigen Faschingsmenüs in der Gegend rund um Caneva in der Provinz Pordenone.​

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Gemeinsames Essen am Ende der Veranstaltung „Pagalosto“