Görz im Zeichen des Winterradicchios

Görz ist seit 52 Jahren Partnerstadt von Klagenfurt. Bekannt ist hier nicht die „Rose vom Wörthersee“, sondern die „Rosa die Gorizia“, allerdings keine Blume, sondern eine spezielle Radicciosorte. Jetzt im Winter hat sie Hochsaison, ihr ist sogar ein Festival gewidmet.

Auch bei den Nachbarn in Friaul Julisch Venetien stellte sich der richtige Winter erst vor Kurzem ein, samt niedriger Temperaturen, Frost und Bora. Genau diese Kälte ist es, die die „Rosa di Gorizia“ braucht, bevor sie aus dem teilweise gefrorenen Boden geerntet werden kann. Bauer Massimo Santinelli: „Die alten Bauern sagen: Die Rose von Görz muss leiden - sie muss Trockenheit, Kälte und Eis ausgesetzt sein. Je härter die Bedingungen - desto schöner wird sie und sie schmeckt auch besser.“

Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Ernte bei eiskaltem Wind auf den Feldern

Er beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Anbau dieser Radiccioart. Für ihn ist es jedes Mal etwas Besonderes, wenn er sieht, wie die zarten Pflänzchen langsam gedeihen.

Im Luftschutzbunker wird nachgereift

Nachdem sie abgeerntet wurden, müssen die Radiccio-Bündel zwei bis drei Wochen bei etwas milderen Temperaturen - zwischen drei und acht Grad - „nachruhen“. Santinelli wählte dafür einen ganz besonderen Ort: Einen aufgelassenen Luftschutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg.

Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Hier treiben die Pflänzchen, das Herz wird dann gegessen

„Hier ist es von Natur aus dunkel und die Temperatur ist konstant - den ganzen Winter lang. Mir gefiel die Idee, diesem Ort eine neue, positive Verwendung zu geben. Hier wird sozusagen die Rosa di Gorizia ‚geboren‘ - das ist für mich jedes Mal ein besonderes Gefühl.“ Es dauert ein paar Wochen, bis die Pflänzchen zu blühen beginnen. Eigentlich fast schade, sie zu ernten, aber dafür seien sie ja da, so Massimo Santinelli.

Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Gastronomie feiert den Winterradicchio

Zahlreiche Restaurants in und um Görz verschrieben sich - jetzt zur Winterzeit - der Zubereitung dieser regionalen Spezialität. Auch Michela Fabbro legt großen Wert darauf, ihre Gäste mit traditionellen Gerichten, denen sie in der Küche eine besondere, mitunter auch moderne Note verleiht, zu verwöhnen.

Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Calamari gefüllt mit Rosa di Gorizia
Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Bei der Zubereitung der „Rosa di Gorizia“ gilt das Motto: „Weniger ist mehr“: „Die wohl beste Art, die Rosa di Gorizia zu genießen, ist sie ohne großes Schnickschnack zuzubereiten. Ihr Markenzeichen ist, dass sie schön knackig ist: Dadurch liefert sie ein besonderes Erlebnis beim Essen - abgesehen vom Geschmack.“

Sendungshinweis:

Servus Srecno Ciao; 28. Jänner 2017

Neben den typisch intensiv-granatrot-violetten Köpfen gibt es auch eine gelblich-grün-gesprenkelte Variante. Der „Canarino“ ist die Urform und schmeckt milder, so Michela Fabbro: „Wir kombinieren beide mit Fleisch, Fisch oder als Füllung von würzigen Omelettes und Gnocchi. Oder wir machen daraus Süßspeisen, wie zum Beispiel Strudel und Krapfen.“ Michela erfindet immer wieder neue Kombinationen. Diesmal dient der Winterradicchio als Füllung für Kartoffelteig-Strudel, Tortelli oder gegrillte Calamari. Zu den Gerichten serviert sie Weinklassiker von regionalen Produzenten, mit denen sie eng zusammenarbeitet, wie zum Beispiel einen „Friulano“ aus dem Vipacco-Tal. In dritter Generation wird dort Wein angebaut.

Weitere Kreationen von Michela und 13 anderen Köchen kann man am 19. Februar im Schloss von Görz verkosten - wo der „Rosa di Gorizia“ erstmals ein eigenes „Festival“ gewidmet ist.

Nach dem Essen ins Museum

In Görz findet man neben kulinarischen Genüssen auch das Museum von Santa Chiara. Dort ist gerade eine Ausstellung unter dem Titel „Im Zeichen von Klimt. Görz - mitteleuropäischer Treffpunkt zwischen Tradition und Moderne“ zu sehen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Werke von Künstlern der Wiener Sezession, aber auch aus der Region Friaul Julisch Venetien an der Schwelle zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie sollen zeigen, wie das künstlerische Leben der beiden Städte verbunden war - denn zu dieser Zeit erfolgte in Europa eine bedeutende kulturelle Öffnung.

Görz Radicchio Museum Rosa di Gorizia
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Kurator Marino De Grassi: „Zu sehen sind unter anderem die Werke von acht jungen Künstlern aus der Grafschaft von Görz, die in Wien studiert haben. Besonders hervor sticht Alfonso Canciani - er hat viele Auszeichnungen gewonnen und wurde in Wien sogar mit einem Preis der Künstler der Wiener Secession bedacht.“

Italiener Mitglied der Wiener Secession

Über den Entwurf seiner Dante-Skulptur - der jetzt in Görz zu sehen ist - berichtete sogar die Zeitschrift „Ver Sacrum“. Klimt und seine Künstlerkollegen nahmen Alfonso Canciani - nachdem er auch bei der dritten Biennale von Venedig mitgemacht hatte - als ersten Künstler aus Görz in den Kreis der Wiener Secession auf.

„Es waren aber auch bedeutende Wiener Künstler immer wieder in der Grafschaft Görz zu Besuch - man denke dabei nur an Josef Maria Auchenthaler, Ernst Stöhr und Rudolf Jettmar. Hier fanden sie Inspiration für neue Werke.“ Die Werksschau im Museo di Santa Chiara reicht bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Nach Voranmeldung gibt es auch Führungen auf Deutsch. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis 26. März.

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