Heiße Diskussionen um Umweltskandal

Eine Flut an Anrufen und E-Mail-Anfragen ist am Montagabend in der „Radio Kärnten Streitkultur“ eingegangen. Die Wogen um den Umweltskandal im Görtschitztal gingen hoch. Am Dienstag wird er in einer aktuellen Stunde im Landtag thematisiert. Ein U-Ausschuss soll einberufen werden.

Es gehe für die Bauern im Görtschitztal um ihre Existenz, sagte August Ratheiser am Montagabend in der „Radio Kärnten Streitkultur“. Er erfuhr über die Medien von der vermutlichen HCB-Belastung der Milch seiner Kühe: „Man kann sich nicht vorstellen, was es heißt, wenn man die Kühe melkt und weiß, dass die Milch, die herausrinnt, entsorgt wird. Seit der Bekanntgabe folgen wir dem Rat der Experten. Wir trinken die eigene Milch nicht und kaufen sie zu. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Milch kaufen musste. Das tut schon weh.“

Hannes Zechner betreibt die lokale Molkerei Sonnenalm im Görtschitztal. Er brachte die Untersuchungen bereits im Frühjahr ins Laufen. Ein Großkunde der Molkerei habe einen erhöhten HCB-Wert in Milchprodukten gemessen. Zechner: „Wir Bauern waren die, die im April bei den Behörden um Hilfe gerufen und mehrfach nachgefragt haben, ob es keine Messdaten gibt und warum nichts weitergeht.“

Blaukalk offenbar bei zu geringer Temperatur gebrannt

Der Verursacher für die Vergiftung dürfte das Zementwerk Wietersdorfer und Peggauer sein, wo seit zwei Jahren mit HCB verunreinigter Blaukalk gebrannt wird. Warum das gefährliche Umweltgift in die Luft gelangte, wisse auch er nicht, so Wolfgang Mayr-Knoch, Geschäftsführer von w&p: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit muss man davon ausgehen, dass dieses HCP zu wenig Temperatur erfahren hat.“ Mayr-Koch räumte ein, dass das Werk „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ der Auslöser sei. Seit Anfang November wird dort kein Blaukalk mehr gebrannt. Die interne Ursachenforschung im Zementwerk läuft.

Das Verbrennen von HCB ist grundsätzlich die einzige Möglichkeit, den Giftstoff sicher zu entsorgen, so Helmut Burtscher von Global 2000: „Damit das funktioniert, muss ich Temperaturen über 800 und am besten über 1.000 Grad erreichen. Wenn man das sachgemäß macht, sollte es möglich sein, diese Altlast im Laufe der Zeit abzubauen.“

Die Radiodiskussion zum „Nachhören“ - Radio Kärnten Streitkultur

Benger: Noch keine Entwarnung

Im Bescheid des Landes, der unter der damaligen Umweltreferentin und heutigen Gesundheitsreferentin Beate Prettner von der SPÖ an das Zementwerk erteilt wurde, sind keine HCB-Messungen vorgeschrieben. Es müssen lediglich Dioxine beprobt werden.

Prettner: „Für mich gab es einen Genehmigungsvorbehalt - nämlich dass das Leben und die Gesundheit der Menschen nicht gefährdet werden und dass bei der Emission die Schadstoffe nach dem Stand der Technik begrenzt werden.“

Seit wann wer in der Landesregierung von der Gift-Belastung im Görtschitztal weiß konnte auch am Montag in der Streitkultur nicht restlos geklärt werden.

Agrar-Referent Christian Benger von der ÖVP ging mit der Information im Alleingang in die Öffentlichkeit. Von Entwarnung will er nach 35 Milchproben weiterhin nicht sprechen: „Drei Betriebe weisen massive Überschreitungen auf. Bei sieben Betrieben liegen wir im Schwellbereich.“ Die restlichen Ergebnisse würden am Dienstag im Laufe des Tages vorliegen, so Benger. Das Verbot für die Görtschitztaler Milchbauern bleibt vorerst aufrecht, ihre Milch zu verkaufen, so Benger.

Holub: Mängel in Verwaltung und System

Wenig erfreut über die chaotischen Vorgänge rund um den Giftskandal zeigte sich Umweltreferent Rolf Holub von den Grünen: „Das Politische wird im Untersuchungsausschuss aufgearbeitet, damit wir sehen, wo die Mängel sind - bei uns zum Teil in der Verwaltung, aber auch im System. Warum kommen Informationen nicht dorthin, wo sie hinkommen müssen. Warum misst man nicht das, was man eigentlich messen sollte. Es ist ja nicht gesagt, dass alles ohne Grund passiert ist.“

Bürgerbeirat: Fakten liegen am Tisch

Am Montag wurde - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - der Bürgerbeirat im Wietersdorfer Werk informiert. Im Bürgerbeirat befinden sich 20 Vertreter des Görtschitztales, unter anderem auch Hannes Erlacher, der sich mehr erwartet hatte: „Ich war eigentlich enttäuscht vom heutigen Bürgerbeirat, weil man sich immer an der Wahrheit vorbeigeschlängelt hat. Man wartet immer noch auf Untersuchungsergebnisse, um definitiv zu sagen, welche Schweinerein passiert sind. Aber ich denke, die Fakten liegen auf dem Tisch. Seitens der Behörde sind über Jahre grobe Fehler und Fahrlässigkeiten passiert. Der Schaden geht natürlich in die Zig-Millionen und er ist wahrscheinlich über Jahre nicht gut zu machen. Ich hoffe, den Verantwortlichen fällt etwas Gescheites ein.“

U-Ausschuss zu Giftskandal geplant

Zunächst soll aber der Skandal aufgeklärt werden. In einer aktuellen Stunde am Dienstag im Landtag ist das Görtschitztal Thema. Danach will der Landtag einen Untersuchungsausschuss beschließen und ihn auch gleich einrichten.

Für besorgte Görtschitztaler gibt es am kommenden Donnerstag in Klein-St. Paul eine Informationsveranstaltung.

Ragger fordert Aufklärung

In Reaktion auf die Radio Kärnten Streitkultur sagte Konsumentenschutzreferent Christian Ragger (FPÖ), dass eine umfassende Information der Görtschitztaler zu erfolgen habe, weil große Verunsicherung herrsche und dass die Verantwortlichen zur vollen Verantwortung gezogen werden müssen.

Am Donnerstag findet für besorgte Görtschitztaler in Klein-St. Paul eine Informationsveranstaltung statt.

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