Die oft vernachlässigte Stimme

Die Stimme nimmt man als selbstverständlich hin. Erst, wenn man heiser ist oder Probleme mit den Stimmbändern hat, widmet man sich diesem wichtigen Organ. Am „Tag der Stimme“ gibt es Tipps, wie man seine Stimme pflegen kann - das brauchen nicht nur Sänger oder Moderatoren.

Die Stimmbändern sind Muskeln. Wenn man einen Sprechberuf hat oder Sänger ist, kann man sie stimmlich durchaus mit einem Spitzensportler vergleichen. Eine Beeinträchtigung der Stimme kann schlimme Folgen haben, bis hin zur Berufsaufgabe. HNO-Ärztin und Stimmfachfrau Silvia Hirtenfelder sagte dazu, sie schaue sich zuerst den Kehlkopf und die Stimmbänder an.

Fachbereich Phoniatrie

Die Stimme werde einerseits durch Schwingung der Stimmbänder hervorgerufen, andererseits brauche man Ansatzdruck durch das Ausatmen. Dadurch gehen die Stimmbänder zusammen und produzieren einen klaren Ton. Wenn nicht, suche man nach den Ursachen. „Im HNO-Bereich gibt es das Zusatzfach Phoniatrie, die sich mit Stimmerkrankungen beschäftigt. In Deutschland ist das ein eigener Beruf.“

Man überprüfe einerseits, ob es Polypen oder Stimmbandknötchen gebe, so Hirtenfelder. Man beurteile auch die Funktion in einer Spezialuntersuchung, der Stroboskopie. Die Schwingungsfähigkeit werde hierbei getestet. „Die Stimmbänder werden mit Lichtreflexen bestrahlt. Dadurch entsteht eine Zeitlupenaufnahme, denn die normalen Schwingungen sieht das freie Auge nicht.“

Stimme braucht Auswärmung

Eine weitere Expertin ist Nives Noggler, die seit mehr als zehn Jahren als Logopädin arbeitet. Wer nicht gerade professionell mit seiner Stimme arbeitet, beginnt den Tag meistens mit einem „Kaltstart“, ohne Aufwärmen. Das tue der Stimme nicht gut. Dabei könnte es ganz einfach sein, den Stimmapparat in Schwung zu bringen: In der Früh kann man sich strecken, vor sich hin gähnen und dabei einen Laut geben. „Schon beginnt die Stimmmuskulatur zu schwingen. Unter der Dusche lässt es sich fein summen, das ist eine gute Übung für die Feinabstimmung an den Stimmlippen.“

Tipps der Logopädin I

Auch mit geschlossenen Lippen seufzen oder genussvoll „hmmmm“ machen, wenn man an das gute Frühstück denkt, sind schon Stimmübungen. Ja variabler eine Stimme ist, desto gesünder sei sie. Wenn man sich ständig räuspern muss oder die Stimme manchmal „bricht“, sollte man diese Übungen probieren, denn dann stimmt etwas nicht.

Silbentöne bringen Stimme in Schwung

Viel frische Luft, ausreichend trinken, bewegen, vor allem den Nacken- und Rückenbereich lockern, seien wichtige Dinge, mit denen man der Stimme etwas Gutes tut, so Noggler. Der Ton „mjoom“ eigene sich gut, um die Stimme in Schwung zu bringen. Die Töne werden im Mundraum gebildet, um ihn geschmeidig zu halten, helfen solche Silben.

Logopäden behandeln alle Bereiche der Sprache, der Stimme, des Schluckens, des Hörens. Die Patienten kommen in jedem Alter, so Noggler. Das beginne bei Saugschwierigkeiten von Babys oder älteren Menschen nach Schlaganfällen oder Schluckproblemen. Auch Kinder, die Probleme mit der Sprachentwicklung haben, seien eine große Gruppe, die betreut werde, so Noggler.

Tipps der Logopädin II

Stimme bringt Körperspannung zum Ausdruck

„Die Stimme ist der Ausdruck unserer Persönlichkeit, spiegelt die Befindlichkeit wider.“ Stimmprobleme wie Heiserkeit oder Kratzen im Hals, Frosch im Hals, Engegefühl, seien Anzeichen, die oft mehr verbergen. Denn es gebe eine psychische Komponente. Zunächst sollten die Patienten zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt überwiesen werden. Der Logopäde gehe dann weiter und schaue, wann die Probleme auftreten, wie die Belastungen des Patienten ausschauen.

Stimme sei Zeichen einer Gesamtkörperspannung, die Stimme gehe Hand in Hand mit der Beweglichkeit im Nacken-Schulter-Gürtel, so die Logopädin. Diese Bereiche müssen noch vor der Stimmtherapie überprüft werden, Spannung müsse gelöst werden. Atmung sei sehr wichtig, denn ohne ausreichend Luft gebe es keine gute Stimme, daher gebe es auch Atemübungen.