Die gefährliche Reise der Zugvögel

Die letzten Schwalben haben Kärnten bereits verlassen, um in wärmeren Ländern zu überwintern. Viele Vögel legen tausende Kilometer auf dem Weg in ihre Winterdomizile zurück. Eine gefahrvolle Reise, auf der sie mit Sternen und Magnetfeldern navigieren.

Schon lange, bevor sich die Schwalben auf den Weg gemacht haben, flogen schon andere Vogelarten los. Andreas Kleewein, der Geschäftsführer von BirdLife: „Die ersten Zugvögel verlassen uns schon im Juli. Das sind zum Beispiel die Mauersegler, die sind sehr, sehr früh dran mit dem Weg ins Winterquartier. Die nächsten, die dann folgen, sind dann schon die Schwalben, die Rauch- und die Mehlschwalbe.“

Ruf der Mehlschwalbe

Ruf des Kibitzes

Ruf des Mauerseglers

Grundsätzlich teilt man die Vögel in Stand- und Zugvögel. Die Standvögel bleiben in Kärnten, wie die Spatzen, die Kohl- und die Blaumeisen. Bei den Zugvögeln gibt es die Kurz- und Langstreckenzieher: „Kurzstreckenzieher bleiben in Europa und ziehen maximal an die Nordafrikanische Küste. Langstreckenzieher ziehen von Europa nach Afrika, südlich der Sahara beziehungsweise Mittel- und Zentralafrika.“

Schwalben Zugvögel Telefonleitung
Pixabay/JerzyGorecki
Schwalben sammeln sich vor dem gemeinsamen Abflug

Zu den Kurzstreckenzieher zählen der Kiebitz, er überwintern in Westeuropa, die Singdrossel, sie fliegt nach West- und Südeuropa bis nach Nordafrika und der Hausrotschwanz, er bleibt im Winter im Mittelmeerraum.

Viele fliegen nach Südafrika

Der Mauersegler ist ein Langstreckenzieher, er legt den weitesten Weg zurück, weiß Kleewein: „Er zieht von den Brutgebieten in Kärnten etwa 8.000 Kilometer nach Südost- und Südafrika. Bei den Greifvögeln zieht der der Wespenbussard südwestlich der Sahara in die Überwinterungsgebiete.“ Aber auch der Weißstorch, die Rauch- und die Mehlschwalbe, der Wiedehopf und der Kuckuck überwintern südlich der Sahara. „Der ausschlaggebende Punkt für den Wegzug ist den Vögeln angeboren. Das bedeutet, sie haben es über Generationen hinweg in ihrem genetischen Material enthalten und wissen ganz genau, wann sie weg fliegen müssen.“

Wiedehopf Vogel zugvogel
Pixabay/Schanna
Der Wiedehopf überwintert südlich der Sahara

Faktor Wetter wird berücksichtigt

Zugvögel entscheiden nicht nur von Tag zu Tag, ob sie weg fliegen oder nicht, sondern auch von Stunde zu Stunde. Ein Faktor zum Beispiel ist das Wetter, Regen oder Sturm warten die Tiere ab. „Gibt es Gegenwind, werden die Zugvögel noch abwarten, das heißt es kommt noch zu keiner Zugunruhe. Aber tritt Rückenwind auf, werden die Vögel unruhig, es kommt zur Zugunruhe und sie fliegen ab.“

Auch die körperliche Konstitution muss stimmen, damit die Vögel den weiten Flug überleben können. Deshalb muss schon Wochen vorher entsprechend viel Nahrung aufgenommen werden. „Da sind deutlich mehr Fettreserven im Körper zu erkennen, auch der Muskel ist dann schon weiter aufgebaut und im Winter, beim Heimflug vom Überwinterungsgebiet ins Brutgebiet, kommt es zum zweiten Höhepunkt. das heißt, dort wird auch wieder das Fett aufgebaut, das Muskelgewebe deutlich erhöht und er kann den Zug starten.“

Storch Flug Zugvogel Störche
Pixabay/Alexas_Fotos
Storch im Flug

Orientierung an Sternen und Magnetfeld

„Die drei Kompasssysteme sind das Sonnensystem, das Erdmagnetfeld, aber auch die Sterne. Man unterscheidet zischen am Tag ziehenden Vogelarten und solchen, die in der Nacht ziehen. In der Nacht werden sich die Vögel natürlich an den Sternen orientieren, bei Tag nach dem Sonnensystem. Beide orientieren sich aber auch nach dem Erdmagnetfeld.“

Jene Vögel, die untertags unterwegs sind, können sich auch an markanten Landschaftspunkten orientieren. Das können Bäume oder Gebirgseinschnitte sein. Gebirge werden in der Regel umflogen, nur in Ausnahmefällen gehen die Vögel so hoch, dass sie wirklich zum Beispiel die Alpen überziehen. „Aber das bedeutet für sie eine große Gefahr, denn das Wetter kann da schnell umschlagen und das bedeutet für einen Zugvogel den sicheren Tod.“

Sendungshinweis:

Erlebnis Natur, 17.10.2017

Schlechtes Wetter zwingt zur Landung

Bei Schlechtwettereinbrüchen sind die Vögel gezwungen, auf den Boden nieder zu gehen. Es kommt zu einem Zugstau. Dann können hunderte Individuen von einer Vogelart auf einem Fleck beobachtet werden. Wird das Wetter wieder besser - und die Vögel wissen das selbst sehr gut abzuschätzen - ziehen sie wieder weiter. Rastplätze sind für den Zug entscheidend, denn die Vögel müssen Energiereserven auftanken, sie können nicht alle in einem Zug durchfliegen, das können nur Ausnahmeerscheinungen."

So eine Ausnahmeerscheinung ist zum Beispiel der Mauersegler. Er kann bis zu zehn Monate im Jahr in der Luft bleiben. Er rastet während des Zuges nicht und nimmt Nahrung in der Luft auf und schläft auch teilweise in der Luft. Er lässt sich dahintreiben und fliegt erst dann wieder, wenn er ausgerastet ist. Auf den Boden geht er nur in Ausnahmefällen. Auch bei extremen Schlechtwetter hält er sich an einem sicheren Ort in der Luft auf. Er geht wirklich nur in äußersten Ausnahmefällen am Boden nieder.

Feinde warten auf Pausen

Auch Fressfeinde können eine Gefahr darstellen. Der Rastplatz am Zug wird deshalb sorgfältig ausgewählt. „Gibt es an einem Standort zu viele Fressfeinde, werden die Vögel ihn bald wieder verlassen.“ Auch Menschen können für die ziehenden Vögel eine Lebensbedrohung sein, wie aufgestellte Windräder und nach wie vor der illegale Vogelfang, erklärt Andreas Kleewein: "Malta ist bekannt dafür, aber auch an der nordafrikanischen Küste sind kilometerlange Vogelfangnetze aufgespannt. Wenn die Vögel das Mittelmeer überquert haben und schon erschöpft sind und am Festland niedergehen wollen, werden sie von diesen Netzen abgefangen.

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