Gute Stimmung bei Unternehmern

Die Stimmung bei den Kärntner Unternehmern ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Das ergibt eine von der Wirtschaftskammer durchgeführte Umfrage. Die Kärntner Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr stärker als die der anderen Bundesländer.

Kärntens Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent, so stark wie in keinem anderen Bundesland in Österreich. Das ergibt die Berechnung des Wirtschaftsforschungsinstituts. Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl sagte dazu, es sei selten, dass man so ein tolles Jahr gehabt habe. Dennoch müsse man die Rahmenbedingungen noch weiter verbessern, von Internet bis Verkehrsanbindung.

Umfrage: Unternehmern erwarten gute Umsätze

Knapp die Hälfte der Unternehmer erwarten steigende Umsätze, nur fünf Prozent befürchten Rückgänge im Jahr 2018. Auch bei Auftragslage und Beschäftigung wird eine konstante oder positive Entwicklung erwartet. 37 Prozent der Unternehmen kündigten an, mehr Menschen zu beschäftigen. „Der Aufschwung gewinnt an Breite, das Vertrauen kehrt zurück“, sagte Studienautor Christoph Schneider am Montag vor Journalisten. An der Umfrage beteiligten sich im September und Oktober mehr als 800 Kärntner Unternehmen, die Rücklaufquote für die Fragebögen lag bei fünf Prozent. Die Antworten wurden nach Mitarbeiterstärke gewichtet.

Bürokratieabbau

Die Fragen lauteten, welche Rechtsvorschriften die größten Probleme im betrieblichen Ablauf verursachten und welche Rechtsvorschriften als bürokratische Hemmnisse angesehen werden:

  • 80 Prozent nannten Arbeitsrecht und Arbeitszeit
  • 52 Prozent Arbeitsschutz und Gesundheit
  • 42 Prozent Steuergesetzgebung
  • 41 Prozent Genehmigungsverfahren
  • 25 Prozent Informations- und Meldepflichten
  • 22 Prozent Umweltrecht

30 Prozent wollen mehr investieren

Ein Drittel der Befragten wird 2018 das Investitionsvolumen erhöhen, nur zwölf Prozent wollen weniger investieren. Noch im Vorjahr dachten über 30 Prozent nicht ans Investieren. Damit das Wachstum stark bleibt, wünschen sich die Unternehmer eine Senkung von Lohnnebenkosten, Steuern und Abgaben, die Versorgung mit Fachkräften, flexiblere Arbeitszeiten und weniger bürokratische Vorgaben. 97 Prozent der Unternehmer wünschen sich eine Senkung der Lohnnebenkosten.

Mehr Fachkräfte benötigt

Auch bei den Nachbarländern ziehe das Wachstum an und für 2018 erwarte man ein ähnlich gutes Wachstum wie heuer, sagte Präsident Mandl. Trotzdem müsse die Politik die Rahmenbedingungen weiter verbessern, meinte er und verwies auf Infrastruktur und Ausbildung. Man wolle gut ausgebildete Fachkräfte im Land halten bzw. motivieren wieder zurückzukommen.

Wirtschaftsbundobmann und Landtagsabgeordneter Markus Malle (ÖVP) sagte auch, dass genügend Fachkräfte wichtig seien, ebenso wie Abbau der Bürokratie. Für einen Tourismusbetrieb bedeutet das Aufstellen eines Tischtennistisches ein neues Betriebsanlagenverfahren, hier müsse man von der Seite der öffentlichen Hand etwas tun.

Kaiser: Beruf und Familie vereinbaren

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte, die Wirtschaftszahlen seien das schönste und nachhaltigste Geschenk zu seinem Geburtstag. Man wolle die Lehre mit Matura ausbauen und wolle sich bei den berufsbildenden höheren Schulen stärker am regionalen Bedarf orientieren. Er will sich für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen: „Wir brauchen dieses Klima, das mit Internationalisierung einhergehen solle, Stichwort Englisch im frühesten Bildungsbereich. Auch digitale Kompetenzen sollen forciert werden.“ Bei Steuern und Abgaben könne die Politik der Wirtschaft dann entgegenkommen, wenn Steuerschlupflöcher geschlossen seien. Kaiser versprach auch einen Ausbau der B100 im Drautal, hier gebe es einen Investitionsstau.

Öffentlicher Verkehr und Breitbandausbau

Verkehrslandesrat Rolf Holub (Grüne) sieht auch die Schiene mitverantwortlich für den Wirtschaftsaufschwung und sagte, mit dem ÖBB-Paket werden rund 100 Mio. Euro investiert. Nach der Heta-Lösung habe man nun finanzielle Spielräume, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln, sagte Finanzlandesrätin Gaby Schaunig (SPÖ), der Schwerpunkt liege beim Breitbandinternet. Sie kündigte dazu eine Gesellschaftsgründung an, die die Planungsarbeiten umsetzen solle.

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