Studie: Affenchefs haben starke Gene

Die Makaken vom Affenberg bei Landskron sind beliebt bei Tierforschern. Forscher der Uni Wien fanden jetzt heraus, dass auch die Gene dafür zuständig sind, wer Affenchef wird. Rückschlüsse auf den Menschen gibt es bislang nicht.

152 Japanmakaken leben derzeit in dem Affenzoo, sei Jahrzehnten werden die Tiere wissenschaftlich begleitet. Vor allem für Verhaltensforscher bietet der Zoo ideale Bedingungen, zumal es im Winter auch keine Besucher gibt. „Japanmakaken leben in strenger Hierarchie und sind deshalb vermehrt Konflikten und Aggressionen untereinander ausgesetzt. Für uns ist die Art somit ideal geeignet, um das Stressverhalten zu untersuchen“, sagt die wissenschaftliche Leiterin des Affenbergs, Lena Pflüger, vom Department für Anthropologie der Universität Wien. An der aktuellen Studie wirkte auch Ralf Steinborn von der Abteilung Genomik mit.

Makaken Flucht
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Stressresistenter durch Gene?

Durch die Messung von Hormonen und genetischem Material aus Kotproben kann der Stress-Level der Tiere und deren Verwandtschaftsverhältnisse untersucht werden. Die Paarungssaison bedeutet für in Gruppen lebende Tiere Stress, aber jedes Individuum geht damit anders um. Die Wiener Forscher haben nun bei geschlechtsreifen männlichen Japanmakaken vom Affenberg unterschiedliche Mengen an Abbauprodukten des Stresshormons Cortisol im Kot gefunden und führen das auf genetische Ursachen zurück.

Nachdem sich an den unterschiedlichen Cortisolmengen zeigte, dass manche Affen unerschrockener sind als andere, wollten die Forscher die genetischen Ursachen dafür untersuchen und studieren, wie die Genetik die Stressreaktion und die Rangordnung beeinflussen.

Starke Gene, starker Chef

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf das sogenannte COMT-Gen. Beim Menschen ist dies eines von mindestens 18 Genen, die das Dopamin-System im Gehirn steuern. Dopamin ist ein Botenstoff der Nervensystems, es fördert Fähigkeiten wie Planen, Entscheiden und Problemlösen, also die kognitiven Leistungen. Hohe Dopamin-Mengen sind aber auch mit einer gesteigerten Stressreaktion verbunden. Je nach Genvariante wird unterschiedlich viel Dopamin abbauendes Enzym produziert.

Makaken
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Rätselaufgaben für die Makaken

Die Forscher fanden unterschiedliche Varianten des COMT-Gens bei den Japanmakaken. Affen mit hohem Stresshormonspiegel verfügten über eine bestimmte COMT-Variante, die vermutlich Dopamin im Gehirn langsamer abbaut. „Unsere Ergebnisse deuten zusätzlich darauf hin, dass Tiere mit stressresistenteren COMT-Varianten höhere Ränge in der Gruppe einnehmen“, sagte Steinborn.

Es wird weitergeforscht

Die Wissenschafter wollen die Funktionalität dieser Genvariante und den Zusammenhang mit der Ranghöhe aber noch genauer untersuchen. Zudem wollen sie sich Pflüger und Steinborn weitere Gene anschauen, die im Dopamin-System von nicht-menschlichen Primaten eine Rolle spielen, auch bei verschiedenen Affenarten, die sich in ihrem Sozialsystem unterscheiden.

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