Tausende Fische in Möll verendet

Bei der Spülung des Verbund-Kraftwerks Rottau im Mölltal ist eine Schlammlawine losgelöst worden. Tausende Fische und Kleinlebewesen verendeten in der Möll. Nun wird die Ursache für die Umweltkatastrophe gesucht.

Beim Absenken der Ausgleichsbeckens Rottau beim Kraftwerk Malta Hauptstufe wurden am Donnerstag Massen an Schlamm und Freisediment in die Möll gespült. Nach ersten Schätzungen verendeten Tausende Fische und Kleinlebewesen in der Folge im Unterlauf der Möll zwischen Mühldorf und Möllbrücke.

Möll Umweltkatastrophe Fische Spülung Kraftwerk Rottau
Landesfischereiverband Kärnten
Mit der Spülung kamen dichte Schlammmassen in den Unterlauf der Möll

„Bestand zu 95 Prozent vernichtet“

Die Umweltkatastrophe habe ein bisher ungekanntes Ausmaß, sagte Gert Gradnitzer, der Obmann des Landesfischereiverbandes: „Das Ausmaß der Katastrophe ist verheerend und in dieser Art einzigartig. Da unten ist jetzt Wüste, alles ist ausgerottet.“ Gradnitzer rechnete damit, dass letztlich hunderttausende Fische und Kleinlebewesen verendet seien, der Bestand sei wohl zu 95 Prozent vernichtet. Der Schlamm setze sich auf dem Boden ab und unterbinde die Sauerstoffversorgung im Fluss komplett.

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KK
Dicke Schlammmassen nach der Kraftwerksspülung

Kritik an Spülung

Die Schuld an der Umweltkatastrophe sieht Gradnitzer beim Kraftwerksbetreiber Verbund. Bei der Spülung sei viel zu wenig Wasser mitgekommen. Der Verbund hätte die Schlammmenge zuvor mit Messungen feststellen können: „Offenbar gab es keine Messungen, denn der Verbund war von der Schlammmenge selbst überrascht.“ Eine andere Möglichkeit wäre zum Beispiel gewesen, den Schlamm zuvor abzubaggern oder abzusaugen, das sei allerdings teurer. Gradnitzer informierte nun die Behörden und zeigte den Vorfall bei der Wasserrechtsbehörde des Umweltministeriums an.

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KK
Fische und Kleinlebewesen wurden unter den Schlammmassen begraben

Jährliche Spülung vorgeschrieben

Laut Verbund ist die Spülung des Stausees einmal jährlich vorgeschrieben, um abgelagerten Schlamm wegzuschwemmen. Das sei behördlich vorgeschrieben und diene der Hochwassersicherheit, sagte Verbund-Pressesprecher Robert Zechner. Voraussetzung für eine Spülung sei eine gewisse Wassermenge, diese sei gegeben gewesen. Eine so hohe Schlammkonzentration sei aber noch nie vorgekommen.

Bereits 2009 kam es im Mölltal nach einer Spülung zu einem Fischsterben, wenn auch nicht in dem heurigen Ausmaß. Danach sei die Absenkung des Speichers in Zusammenarbeit mit Experten der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien optimiert worden, so Zechner. Warum sich in diesem Jahr so viel Schlamm und Feinsediment angesammelte, soll nun mit Experten der BOKU untersucht werden.

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Landesfischereiverband Kärnten

Köfer: Äschen-Projekt zunichte gemacht

Auch beim Land beginnt nun die Ursachensuche. Der Gewässerökologe des Landes war bereits für eine erste Untersuchung vor Ort, teilte Fischereireferent Gerhard Köfer (TS) am Freitag mit. Köfer: „Der Schaden für die Fischerei ist enorm." Zunichte gemacht sei auch das Aufzuchtprogramm für die vom Aussterben bedrohte Äsche: „Das Äschen-Projekt ist zunichte gemacht. Wir sind gezwungen, wieder bei Null anzufangen.“ Da es immer wieder ähnliche Vorfälle gebe, fordert Köfer die Einrichtung einer Kommission, um eine Lösung zu erarbeiten.

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Das volle Ausmaß des Schadens werde erst in den nächsten Tagen feststellbar sein, sagte Umweltreferent Rolf Holub (Grüne). „Die Ursachen müssen rasch und umfassend geklärt werden. Ein solcher Vorfall darf sich keinesfalls wiederholen“, betont er. Das Stauregelungskonzept müsse dringend entsprechend überprüft und bearbeitet werden.

10.000 Euro Soforthilfe für Fischer

Die Fischerei in Kärnten habe durch die Umweltkatastrophe einen massiven Schaden erlitten, die Mölltaler Fischerei brauche deswegen nun rasche finanzielle Unterstützung, forderte am Freitag Jagdreferent Christian Ragger (FPÖ). Er stellt den Mölltaler Fischern aus einem Entschädigungstopf für Wildschäden 10.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung. Außerdem brauche es Hilfe, damit der Fischbestand in seiner Vielfalt so schnell als möglich wiederhergestellt werden kann. Für die Zukunft müsse nun auch sichergestellt werden, dass so etwas nie wieder passiere, so Ragger.

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