HCB: Beratung der Bevölkerung startet

Ab Dienstag kann sich die Görtschitztaler Bevölkerung bei Beratungsstellen informieren. Auch Bluttests und Muttermilchtests soll es geben, um die HCB-Belastung festzustellen. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest.

Landessanitätsdirektorin Elisabeth Oberleitner sagte am Montag gegenüber dem ORF, man möchte in den Beratungen vorab hoch exponierte Personen filtern. Das seien Landwirte und ihre Familien, die mit belastetem Boden und Kalk in Berührung gekommen seien. Die Angestellten von Wietersdorfer seien nicht die Zielgruppe, das sei Sache der Arbeitsmedizin, so Oberleitner.

Hotline

Für umweltmedizinische Fragen zu Hexachlorbenzol steht die Info-Hotline des Landes unter der Nummer 05 0536 15121 von Mo - Do von 7.30 - 16.00 Uhr, Fr von 7.30 - 13.30 Uhr zur Verfügung. Aktuelle Infos gibt es auch auf der Homepage des Landes.

Dass es HCB-positive Blutproben geben könnte, sei möglich, sagte Oberleitner. In enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten aus der Region sollen Beratungsgespräche stattfinden. Blutproben würden nur auf freiwilliger Basis abgenommen und dann anonymisiert an die Medizinische Universität Wien geschickt. Grund zur Panik bestehe nicht sagte Oberleitner, obwohl sie wisse, dass die Verunsicherung im Görtschitztal groß sei: „Es ist lange nachweisbar, wenn es im Blut ist. Wir können uns gut Zeit nehmen, die Menschen ausführlich zu informieren, bevor sie ihr Einverständnis geben. Sollte es zu positiven Befunden kommen, wird es mit Experten zu Gesprächen kommen.“

Auch Muttermilch wird getestet

Das Umweltbundesamt werde laut Oberleitner die Blutabnahmesets zur Verfügung stellen, doch ein genauer Fahrplan wann die ersten Blutproben untersucht werden sollen, liegt noch nicht vor. Priorität hätte auch die Untersuchung von Muttermilch, da sich die krebserregende Substanz HCB vorwiegend in fetthaltigen Stoffen wie Milch einlagern könne. Laut Oberleitner gehe man von keinen gesundheitlich bedenklichen Mengen aus. Man warte aber noch auf ein Risikobwertungsschema, damit sämtliche Beratungen in die gleiche Richtung gehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt werde davon ausgegangen, dass die HCB-Belastung für den menschlichen Organismus nicht gefährlich sei. Zu Kommentaren in Internet-Foren, wonach Hautausschläge bei Kindern auf HCB-belastete Nahrung zurückzuführen sein könnten, wollte sich Oberleitner nicht äußern.

Greenpeace: Sinnvolle Maßnahme

Die Umweltorganisation Greenpeace, die kontaminierte Milch im Handel entdeckte, begrüßt die Bluttests. Sie seien die einzige Möglichkeit, Anhaltspunkte zum Umfang der HCB-Emissionen zu bekommen, so Chemiker Herwig Schuster. Die Bevölkerung könne so Klarheit über das Ausmaß des Umweltskandals bekommen. Man empfehle der Bevölkerung, die Tests zu machen, so Schuster.

HCB stammt aus Chemiedeponie

Das Umweltgift HCB wurde Ende November in Futtermitteln und Milch im Görtschitztal entdeckt. Als Verursacher der Kontamination stellten sich die Wietersdorfer und Peggauer Zementwerke heraus, die mit HCB versetzten Blaukalk der Deponie der Donau Chemie AG verbrannten. Doch offenbar bei zu geringer Temperatur, denn bei Tests verbrannte das HCB rückstandslos. Hexachlorbenzol wurde bis in die 90er-Jahre als Beizmittel von Getreide verwendet (Fungizid).

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