Wieder Zweifel an Wirtschaftlichkeit von GDK

Es mehren sich die Stimmen, dass das geplante Gas-Dampf-Kraftwerk in Ebenthal wirtschaftlich unrentabel sei. Das bekräftigten am Freitag auch die Grünen, zwei Bürgerinitiativen und ein Unternehmensberater bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Die Projektwerber - die Klagenfurter Stadtwerke und der Verbund - hoffen naturgemäß auf die Genehmigung - ganz im Gegenteil zu den zahlreichen Gegnern. Diese befürchten massive Umweltbelastungen und eine Verdreifachung der Nebeltage im Klagenfurter Becken.

Kraftwerk Mellach: 25 Mio. Euro Verlust pro Jahr

Nach Protesten der Anrainer bezweifeln nun auch Gegner die Wirtschaftlichkeit des geplanten Projektes und befürchten ein „energie- und wirtschaftspolitisches Desaster“ - nicht zuletzt mit dem Verweis auf das doppelt so große Gaskraftwerk des Verbund im steirischen Mellach.

Beim Probebetrieb in den vergangenen Wochen hatte Mellach wegen defekter Generatoren mit massiven Problemen zu kämpfen. Wegen des hohen Gaspreises sollen anfangs angeblich Verluste von bis zu 25 Millionen Euro pro Jahr drohen. Der Verbund will das so nicht bestätigen.

Computergrafik Geplantes Gasdampfkraftwerk Ebenthal

ORF

So soll das geplante Gas-Dampf-Kraftwerk in Ebenthal einmal aussehen

Umweltsenat: Entscheidung noch heuer
Der Umweltsenat in Wien wird voraussichtlich noch heuer entscheiden, ob das geplante Gas-Dampf-Kraftwerk im Osten von Klagenfurt gebaut werden darf oder nicht. Für 24. Oktober hat er eine mündliche öffentliche Verhandlung angesetzt.

Gegner: Hohe wirtschaftliche Risiken auch in Kärnten zu erwarten

Nicht nur der Fall Mellach müsse zu denken geben, hieß es sinngemäß in der Pressekonferenz am Freitag. Das Klagenfurter Gaskraftwerk sei ursprünglich vor allem für den Stromexport konzipiert worden, und zwar in erster Linie nach Italien, sagt Unternehmensberater Peter Unterluggauer. Dort nehme der Gasabsatz derzeit ab, da es in Italien erhebliche Überkapazitäten gebe.

Mit Gaskraftwerken lasse sich derzeit kein Geld verdienen, also auch nicht mit dem geplanten in Klagenfurt, so Unterluggauer: „Aus meiner Sicht macht es - unter den heutigen Rahmenbedingungen – wirtschaftlich absolut keinen Sinn, das Gas-Dampf-Kraftwerk Klagefurt zu errichten. Die wirtschaftlichen Risiken sind sowohl für den Verbund, als auch die Energie Klagenfurt viel zu hoch.“

Bürgerinitiativen für weitere Prüfungen

In die selbe Kerbe schlägt Michael Wulz, Sprecher einer Bürgerinitiative: „Nicht nur Klagenfurt, sondern auch Kärnten geht einen Weg, der in ein wirtschaftliches Desaster führt.“

Die Wirtschaftlichkeit des Großprojekts müsse daher noch einmal seriös geprüft werden, fordert Wulz. Er plädiert für eine Sanierung und eventuelle Erweiterung des bestehenden Fernheizwerks. Dies käme wesentlich günstiger und würde für Klagenfurt ausreichen, sagt er.

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Gas-Dampfkraftwerk - Chronologie
(kaernten.ORF.at)

Richard Wedam, Sprecher einer weiteren Bürgerinitiative, fordert, die Verträge zwischen den Klagenfurter Stadtwerken und dem Verbund müssten offengelegt werden.

Grundstück wo GDK gebaut werden soll

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Auf diesem Grundstück sollte bald das neue Gas-Dampf-Kraftwerk stehen

Grüne appellieren an Landeshauptmann

Grünen-Landesparteisekretär Frank Frey nimmt Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) in die Pflicht. Dieser habe noch die Möglichkeit, das Gaskraftwerk zu verhindern.

Rund 8.000 Unterschriften wurden bisher gegen das Gaskraftwerk gesammelt. Sollte es dennoch gebaut werden und sich dagegen Widerstand von Bürgern formieren - so wie einst in Haimburg - würden die Grünen dies unterstützen, sagte Frey.

STW rechnen mit positivem Bescheid
Die Stadtwerke rechnen naturgemäß mit einer positiven Entscheidung. Die Argumente der Gegner weisen sie in allen Punkten zurück.

Auf die Frage von ORF Kärnten-Redakteur Horst Sattlegger, ob auch eine andere Variante in Frage kommen würde - etwa ein Biomassekraftwerk in Kombination mit Solarenergie - meinte Romed Karre, Vorstand Stadtwerke Klagenfurt: „Wir haben einen Stilllegungsbescheid für Ende Oktober 2015 für das alte Fernheizkraftwerk. Wir müssen dann also Fernwärme erzeugen können – aus welchen Rohstoffen und mit welchem Verfahren auch immer. Wir gehen aber davon aus, dass wir nicht die Möglichkeit haben werden, uns von einem Projekt zu verabschieden, weil immerhin 13 Variantenstudien im Vorfeld gemacht wurden. All jene, die mir immer empfehlen, endlich aus Biomasse Fernwärme zu erzeugen, konnte mir noch keiner ein Konzept bringen, das funktionieren könnte.“

Wenige Alternativen kommen für STW in Frage

Nach Alternativen werde man im letzten Moment immer suchen müssen,räumte Karè ein: „Es werden aber keine sein, dass man fünf oder zehn unwirtschaftliche Biomassekraftwerke aufstellt und dafür dann in Klagenfurt den Fernwärmepreis verdoppelt.“

Ein kleineres Gas-Dampf-Kraftwerk sei keine Alternative, so Karre: „Es hat einen schlechteren Wirkungsgrad. Dasbedeutet, dass der Fernwärmepreis teurer sei, als jener für Abwärme aus einem Stromkraftwerk.“