Atomstrom: Kelag unter Beschuss

Greenpeace und Global 2000 kritisieren die Kelag: Deren Anteil an Atomstrom im Energie-Mix sei „auch nach Fukushima“ viel zu hoch. Das Unternehmen wehrt sich und verweist auf eine „fragwürdig geführte Atomstromdebatte“.

Laut Greenpeace liegt der Anteil an Atomstrom im Kelag-Energie-Mix bei 23 Prozent - dem höchsten Wert neben Verbund AG (16 Prozent), TIWAG (15 Prozent), VKW (11,2 Prozent) und Energie AG (10,5 Prozent).

Die fortgesetzt hohen Atomstrom-Importe würden dazu führen, dass das Geschäft mit dem Atomstrom rund um Österreich weiter blühe, so der Vorwürf der Umweltschützer. Greenpeace: „Der Atomstrom, der an die österreichischen Endkunden fließt, entspricht etwa der Jahresstromproduktion des AKW Mochovce“.

Kelag: Atomstromanteil bei 14,7 Prozent

Für die Kelag sind die Vorwürfe unverständlich, der von Greenpeace behauptete Atomstromanteil „nicht nachvollziehbar“. Tatsächlich weise das „offizielle Labeling“ der Kelag einen „Händlermix von 14,7 Prozent Atomstromanteil aus“, so Kelag-Sprecher Hermann Egger in einer schrifltichen Stellungnahme. Den Strombedarf für Haushaltskunden, Gewerbe und landwirtschaftliche Betriebe decke die Kelag „vollständig aus eigener Wasserkraft“.

„Im Gegensatz zu anderen Unternehmen“ betreibe die Kelag eben „kein Greenwashing“, wobei die Atomstromdebatte insgesamt „fragwürdig geführt“ werde, so Egger.

„Strom hat kein Mascherl“

„Physikalisch betrachtet gibt es im europäischen Stromnetz Atomstrom, solange in Europa Atomkraftwerke am Netz sind. Wann, wo und wieviel Strom aus Atomkraft verbraucht wird, kann niemand nachvollziehen, weil der Strom im Netz kein Mascherl hat. Europa kann erst dann Atomstrom-frei sein, wenn nur noch Strom aus erneuerbarer und fossiler Energie ins Netz eingespeist wird“, so Egger.

Politk muss Rahmenbedingungen schaffen

Insgesamt investiere das Unternehmen jährlich 100 Millionen Euro in die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energieträger wie Wasser- und Windkraft. Von der Politik erwarte man sich „geeignete Rahmenbedingungen“ um in Zukunft des gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken zu können, so der Kärntner Energieversorger.

Lob für Unternehmen ohne Atomstrom

Greenpeace wiederum verweist auf Stromversorger, die gänzlich ohne Atomstrom auskommen würden: Neben Ökostrom AG und AAE Naturstrom hätten die BEWAG, die Wien Energie, die Energie Steiermark, die EVN und die Salzburg AG nachweisen können, an ihre Kunden keinen Atomstrom mehr abzugeben. Es sei „ein wichtiges Signal, dass diese Energieunternehmen ernst machen und dem Atomstrom den Rücken kehren“, so Greenpeace.

Import-Stop für Österreich gefordert

Die Umweltschützer fordern den Gesetzgeber zum Handeln auf: Um sicherzustellen, dass in keinem österreichischen Haushalt mehr Atomstrom aus der Steckdose komme, müsse der Import von Atomstrom gesetzlich verboten werden.

Greenpeace Atomstrom Check