Wasser und Wein auf Wirtshaustisch in Italien
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Verkehr

CoV-Regeln für Auslandsreisen

Reisen sind im Lockdown erlaubt, es gibt aber einige Tücken. So darf man zum Beispiel über den Tag nach Italien fahren, um Spazierenzugehen und sich zu erholen, man darf aber nicht shoppen oder Essen gehen, denn damit würde man den Lockdown in Österreich umgehen. Bei längeren Auslandsreisen ist das anders.

Ein Ausflug in die Nachbarregionen ist auch jetzt möglich. Anders als bei den bisherigen Lockdowns bleibt die Reisefreiheit prinzipiell aufrecht. Auch wenn hierzulande Ausgangsbeschränkungen gelten – triftige Gründe machen auch in Pandemiezeiten Grenzübertritte möglich, sagt Gerd Kurath, Coronavirus-Sprecher des Landes Kärnten: „Wenn Personen aus Kärnten nach Italien fahren wollen, um sich dort körperlich oder geistig zu erholen oder entspannen, dann ist das erlaubt.“

Sport und Erholung erlaubt

Egal ob das Schneeschuhwandern hinauf zum Monte Lussari, ein Spaziergang bei den Weissenfelser Seen, in Bled oder am Strand in Grado oder das Skifahren – Aktivitäten in der freien Natur sind auch in den Nachbarregionen zulässig, ohne gegen die aktuellen Lockdownregeln in Österreich zu verstoßen. Das Apres Ski in einer Hütte ist hingegen nicht erlaubt. Das wäre eine Umgehung der nationalen Bestimmungen, heißt es vom Land Kärnten.

Landessprecher Gerd Kurath
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Gerd Kurath

Auf eine kleine Stärkung nach dem Sport muss dennoch nicht verzichtet werden: wer nicht seine eigene Jause dabei hat kann – aus österreichischer Sicht – Speisen und Getränke in den Nachbarregionen nur zum Mitnehmen kaufen, sagte Kurath: „Wenn Sie aber dann in die Geschäfte gehen zum Einkaufen oder Essen gehen wollen, dann ist das nicht erlaubt. Das wäre eine Umgehung des Lockdowns.“

Treffen mit Freunden nicht erlaubt

Ein Lokalbesuch mit Pasta, Pizza und Vino muss also warten. Das gleiche gilt für Zusammenkünfte mit Freunden oder Weihnachtsfeiern, die nicht einfach über die Landesgrenze verlegt werden dürfen., so Kurath: „Grundsätzlich können Weihnachtsfeiern auch im Ausland nicht besucht werden, weil es auch eine Umgebung des Lockdowns in Österreich wäre. Grundsätzlich ist es aber erlaubt, kirchliche Feiern – Taufen, Hochzeiten – zu besuchen, allerdings nicht die Feier dann im Restaurant. Die Feierlichkeiten können laut den Maßnahmen des Bundes nicht besucht werden. Das wäre eine Umgehung des Lockdowns.“

Bei längerem Aufenthalt andere Regeln

Genauso, wie ein Besuch auf einem Weihnachtsmarkt in Italien oder Slowenien: „Was bei uns nicht möglich ist momentan, das ist natürlich auch in Italien oder Slowenien nicht möglich.“ Anders sehen die Regeln aus, wenn man sich länger in den Nachbarregionen aufhält, sagte Kurath: „Wenn jemand einen Urlaub gebucht hat und dort längere Zeit verweilt ist es natürlich möglich, dort essen zu gehen bzw. auch im Hotel zu wohnen.“

Kontrolliert wird die Einhaltung der nachgeschärften Lockdownverordnung bei der Rückkehr nach Österreich: „Stichprobenartig wird kontrolliert von der Polizei an den Grenzübergängen bzw. das Bundesheer ist im Einsatz für die Polizei und die Gesundheitsämter der Bezirkshauptmannschaften“, so Kurath.

An Grenze Gründe glaubhaft machen

Grundsätzlich könne natürlich in den Kofferraum geschaut werden. Grenzkontrollen gebe es ja aktuell, auch polizeiliche Grenzkontrollen. Es sei wichtig, glaubhaft zu machen, dass man sich die Füße vertreten habe, weil man es unbedingt für sich, für den geistigen Zustand gebraucht habe. Dann sollte das Ganze kein Problem sein. Wer gegen die Ausgangsregelungen verstößt muss mit einer Geldstrafe von bis zu 1.450 Euro rechnen. Ob es bei der Feststellung zu einer „Verwarnung“ statt einer Anzeigeerstattung kommt, entscheidet das jeweilige Kontrollorgans im Einzelfall.

Gasthaus Edelweiß an den Weißenfelser Seen
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Beim Lokal an den Weißenfelser Seen wartet man vergebens auf Kärntner Gäste

2,5-G-Regeln bei Rückreise nach Kärnten

Die derzeit geltenden Einreisebestimmungen sehen bei der Einreise aus Slowenien, Italien und Kroatien die 2,5-G-Regel vor. Das heißt, die (Wieder-) Einreise nach Österreich ist für geimpfte, genesene oder PCR-getestete Personen ohne Einschränkungen möglich.

Lokalaugenschein bei Weißenfelser Seen

Die Laghi di Fusine, die Weißenfelser Seen, unweit von Tarvis sind im Sommer und im Winter ein beliebtes Ausflugsziel zum Wandern oder einfach nur für einen Spaziergang. Erholungssuchende aus den Nachbarregionen sind hier eigentlich viele anzutreffen. Aber beim ORF Lokalaugenschein war der große Parkplatz fast menschenleer. Nur ein paar Autos mit italienischem Kennzeichen waren geparkt. Von Österreichern weit und breit keine Spur. Das bestätigt auch Cristina Ceron, die Wirtin der Edelweißhütte. Das gehe schon seit Beginn der Pandemie so, dass nur mehr wenige hierher kommen – auch während der Sommermonate, wo es eigentlich weniger Einschränkungen gegeben habe, sagte Ceron.

Sendungshinweis:

Servus, Srecno, Ciao; 4.12.2021

Immer weniger Österreicher zu Gast

Im Vergleich zu anderen Wochen kommen aber auch gerade jetzt immer weniger Besucher aus Österreich, wahrscheinlich wegen des Lockdowns. Einige Autos habe sie wohl gesehen, aber kein Gast aus Österreich sei herein gekommen, so die Wirtin. Wahrscheinlich halten sie sich an die Vorgaben, auch wenn ihr selbst nichts davon bekannt sei, dass Österreicher während des Lockdowns nicht mehr in italienischen Lokalen essen dürfen. Sie hätte auch gar nicht die Befugnis dazu, in diese Richtung gehende Kontrollen durchzuführen.

Grenzkontrolle auf Kärntner Seite
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Bei der Rückreise nach Österreich kann auch in den Kofferraum geschaut werden

Österreicher müssten selbst wissen, was sie von ihrem Land aus dürfen und was nicht und was in Italien gelte, so die Wirtin. Für sie ist Gast gleich Gast – sie halte sich an die italienischen Vorgaben. Egal, ob ihre Gäste also aus Österreich, Slowenien oder Italien kommen – überprüft wird vor dem Eintritt ins Lokal der Grüne Pass, so wie es seit Montag in der Region vorgeschrieben ist. Friaul Julisch Venetien wurde als „gelbe Zone“, mit mäßigem Coronavirus-Risiko, eingestuft. Zutritt zu Restaurants haben nur Genesene und Geimpfte.

Regeln ändern sich in Italien ständig

Auch wenn sie in ihrem Lokal dieses Service aus Platzgründen derzeit nicht anbietet – grundsätzlich gilt: Wer nur einen schnellen Kaffee im Stehen an der Bar konsumieren möchte, darf dies auch ohne Grünen Pass – zumindest bis zum 5. Dezember. Wie es dann weitergeht werde man sehen – die Regeln würden sich ständig ändern, sagte Ceron.

Auch wenig los in Camporosso

Seit Beginn des vierten Lockdowns in Österreich ist auch der große Parkplatz entlang der Strada Statale vor einigen Lokalen in Camporosso-Saifnitz nie mehr ganz voll, erzählte der Koch Daniele Terlicher: „Die Gästezahl ist zurückgegangen, aber es kommt schon hin und wieder jemand zum Pizza essen vorbei.“

Pizzaofen
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Pizza Take Away wäre erlaubt

Der Großteil der Gäste komme aus Österreich. Bleiben sie aus, sehe es sehr schlecht aus, sagte Wirtin Antonella Veluscek. Wenn spätestens mit 8. Dezember auch noch die letzten Skipisten in der Gegend aufsperren soll es wieder bergauf gehen, hofft sie: „Nach zwei Jahren Pause warten wir schon schwer auf die Wintersaison. Wir hoffen, dass mehr Touristen aus Österreich und Italien kommen werden. Sonst ist es traurig. Wenn die Saison wieder ins Wasser fällt, wäre das verheerend“, sagte Veluscek.

Jedes Land hat eigene Regeln

Seit Beginn der Pandemie beriet Rechtsanwältin Maria Skof viele Klienten, die beruflich oder privat Beziehungen in die Nachbarländer pflegen. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre bemerkte sie eine Entwicklung von geschlossenen Grenzen über strenge Quarantänebestimmungen bis hin zu Einschränkungen, die aber grundsätzlich ein grenzübergreifendes Miteinander nicht blockieren. „Regeln sind generelle Normen. Regeln sollen allgemein sein, die dann auf den konkreten Fall appliziert werden. Da sieht man einfach, dass das Leben ganz viele Aspekte spielt und Blüten hat und da muss man diese Regeln anpassen oder anwenden. Das ist dann schwierig, ganz besonders in einer Region, die ja auch davon lebt, dass der Austausch über die Grenze funktioniert.“

Maria Skof
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Anwältin Maria Skof

Ob die EU eine stärkere Rolle spielen hätte können sei fraglich, da im Falle der Pandemie gesamteuropäische Entscheidungen wohl nur schwer umsetzbar seien: „Letztendlich sind es die Mitgliedsstaaten, die Einigungen erzielen müssen. Ich glaube, man hat sich sehr bemüht, aber letztlich hat sich dann jeder Staat selbst entschieden.“