Carl Hannes Planto bei Kärntnerisch gredt
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Mundartduell: Hätten Sie’s gewusst

Am Freitag, dem 23. April, fand ein Kärntner Mundartwettstreit im ORF Theater statt. Das Team des ORF Kärnten traf auf eine Auswahl der Kleinen Zeitung. Die Mundartwörter zum selber testen finden Sie hier.

Vor zehn Jahren begann der ORF Kärnten mit der Mundartreihe „Kärntnerisch g´redt“ in „Kärnten heute“. Die TV-Sendereihe erfreut sich seither großer Beliebtheit. Über 500 KärntnerInnen aus dem ganzen Land präsentierten ihr Wort bei Carl-Hannes Planton.

Wissenschaftlich betreut von Professor Pohl

Die Idee, daraus zu den Jubiläen ein Radio-Spiel zu machen, lag also nahe. Und so trafen einender am Freitag Teams der Kleinen Zeitung und des ORF Kärnten zu einem Mundartduell im ORF Theater im Landesstudio Kärnten.

Beide Teams wurden von Moderator Marco Ventre und Sprachwissenschaftler Univ. Professor Dr. Heinz-Dieter Pohl in mehreren Spielen und Fragerunden über die Kärntner Mundart getestet.

Eine Auswahl der abgefragten Mundartworte

  1. abspenen: Grundbedeutung „entwöhnen, abstillen“, von mittelhochdeutsch spünne „Muttermilch, Mutterbrust“, spünnen „säugen“, einerseits für das Kalb, aber auch für Kinder (abstillen); in übertragener Bedeutung, dass Kinder von ihrer „Gotl“ (Taufpatin) bzw. „Goten“ ab einem bestimmten Alter keine Patengeschenke mehr bekommen, also „abgespent“ werden.
  2. Auswart: (Langes oder Lassing): das Wort Frühling ist eher hochsprachlich, umgangssprachlich sagt man meist Frühjahr, daneben kommt mundartlich Auswart vor, das mit auswärts zusammenhängt, im Sinne des Ausganges (= Ende) des Winters (man vergleiche slowen. mundartlich vigred, das ebenfalls auf „Ausgang“ beruht). Der Langes usw. beruht auf einem germanischen *langa-tīn- „langer Tag“ im Sinne, dass die Tage wieder länger werden. Auf dieser Ausgangsform beruhen althochdeutsch lenzo und langes, mittelhochdeutsch lenze (> Lenz) und langes, worauf eben dann unser Langes beruht. Las(s)ing ist eine regionale Umformung davon.
  3. Beinvegl: (Bienen) ʻBeienvögelʼ, zusammengesetzt aus dem alten Wort Beie/Peie ʻBieneʼ + Vogel.
  4. fertn: (vergangenes Jahr) altes, nur mundartlich erhaltenes bairisches Wort, mittelhochdeutsch vërn(e), vërt, vërn(en)t „im vorigen Jahr“. Schriftsprachlich dazu Firn „vorjähriger Schnee, Altschnee“ und Ferner „Gletscher“ (Gletscher ist alemannischer Herkunft, sonst in Tirol Ferner, in Kärnten, Salzburg, Steiermark Kees).
  5. Gneat håbn (eilig haben) zu Grunde liegt genötig ʻeilig, notwendigʼ (mittel-hochdeutsch genœtec mit langem ö, daher südbairisch Diphthong -ea-), davon rückgebildet (der) Genöt ʻEileʼ, auch ʻdringende, eilige Arbeitʼ > Gneat. Verwandt mit Not, mittelhochdeutsch nōt, das u.a. ʻDrang(sal), Mühe, Not(wendigkeit)ʼ bedeutet hat. Not hat auch die alte Bedeutung ʻMangelʼ wie in benötigen, eigentlich ʻden Mangel überwinden wollenʼ).
  6. Grefl/Gröfl (Steinhaufen am Ackerrand) entlehnt aus slowen. groblja ʻSteinhaufenʼ, auch ʻSchuttʼ.
  7. hal: (hāl ist ein altes Wort für ʽglatt, schlüpfrig’), althochdeutsch hâli, mittelhochdeutsch hæle (daher Aussprache [a], nicht [å]), das nicht in die Schriftsprache Eingang gefunden hat, m.W. nur noch in Kärnten und Tirol geläufig (sowie in den Sprachinseln).
  8. Jauk: warmer Wind, eigentlich ʽFöhn’, ursprünglich der warme Südwind. Früh aus dem Slowenischen entlehnt, beruht auf dem Wort jug ʽSüden’.
  9. Murn: Brombeeren: im Lesachtal auch Murpern < Mohrbeeren, mundartliche Aussprache von Mohr ʻSchwarzerʼ (davon abfällig/scherzhaft auch Murl ʻschwarzer, dunkelhäutiger Menschʼ, weiters Name Murli für [schwarze oder dunkle] Katzen).
  10. Nåchblig und nåchbligen: Nachtmahl, Abendessen bzw. nachtmahlen, zu Abend essen: gekürzt aus nåchtmahligen über *nåchmligen, Zeitwort zu Nachtmahl, davon dann rückgebildet Nåchblig.
  11. Plentn: Sterz; Plenten mundartlich/eingedeutschtes romanisches Polenta (der und die). Sterz meist aus Buchweizen oder Mais.
  12. Rearlsålåt: Salat aus Löwenzahnblättern, zum Diminutiv (Verkleinerung) Röhrlein, mundartlich Röhrl ʻkleines Rohrʼ (die unteren Teile der Blätter erinnern entfernt an eines kleines Rohr).
  13. Tråtn:ʻkleine Wiese beim Hausʼ, eigentlich ʻWeideplatz, Viehweide, Tratteʼ (eine Trat(t)e ist ein Weideland, verwandt mit treten, nach dem Herumtreten des Viehs).
  14. tschare: pleite: wird auf das slaw. Wort čar ʻZauber(ei)ʼ, Plural čary, čari, zurückgeführt, Grundbedeutung ʻverloren, verschwunden, weg, hinʼ < ʻverhextʼ. Wenn man tschare ist, hat man alles verloren, ist ebenʻpleiteʼ.
  15. Wazan:Milchgebäck: eigentlich ʻ(die/das) Weizeneʼ, meist für ʻWeizengebäckʼ; bezeichnet in manchen Regionen den Reindling (auch Woazan).
  16. Wegnår: Feuersalamander: zusammengesetzt aus Weg + Narr, auch Wegwackel (Benennungsmotiv unklar).
  17. Wultschgar: Maulwurf: < altem wuolen bzw. mittelhochdeutsch wüelen ʻwühlenʼ + altem Scher ʻMaulwurfʼ (diese Zusammensetzung schon mittelhochdeutsch wüelschër).
  18. zeggazn:ärgern: zu bairisch zecken, zicken ʻanstoßen, einen leichten Stoß geben; (auch:) neckenʼ, dazu dann die Intensivbildung zecketzen (uspr.) ʻscherzenʼ > ʻnecken, sekkieren usw.ʼ

Wörter ohne Kommentar:

  1. Fixling: Füchsling: ʻEierschwammerlʼ.
  2. Fukspasn: warten auf die Geburt des Kindes.
  3. Granten: Preiselbeeren (aus ladin. graneta, zu latein. granum ʻKornʼ).
  4. Kåchl: (Nacht-) Topf; Schimpfwort für Dummkopf (wie Koffer). Zu Kachel, urspr. ʻirdener Topfʼ.
  5. mangāre: meinetwegen, so Gott will (aus italien. magari ʻsogar, vielleichtʼ).
  6. Multer, Molter: (Back-, Holz-) Trog, große Schüssel (auch aus Holz). Verkleinerung Molterle ʻGefäß für Butterʼ (wohl zu Mulde).
  7. Prain:Brein, (Getreide-) Korn in Gerschprain, Hirschprain. Verwandt mit Brei.
  8. Scheder, Scheader: Mundwinkel (in Scheader weit ōfn ʻdem Mund weit offenʼ).
  9. tenk: links, tenkat = linkisch.
  10. Unterdåch: Dachboden.
Carl Hannes Planto bei Kärntnerisch gredt
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Auch in Radio Kärnten gibt es seit fünf Jahren täglich (außer sonn- und feiertags) um 11.50 Uhr ein „Kärntner Wort“. Über 1.500 KärntnerInnen haben in dieser Zeit ihren besonderen Sprachschatz in Radio Kärnten präsentiert.