Eingang Gasthaus
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Chronik

Wurzerhof rettet Dorfwirt vor dem Aus

In Meiselding ist das letzte Gasthaus im Ort vor dem Zusperren gerettet worden. Er wurde vom sozialtherapeutischen Betrieb „Wurzerhof“ übernommen. So bleibt es als Dorf-Treffpunkt erhalten und ist gleichzeitig ein Arbeits- und Ausbildungsplatz für behinderte Menschen.

Das Gasthaussterben auf dem Land hält weiter an. Umso mehr fällt es auf, wenn es gelingt, ein Dorfwirtshaus vor dem Zusperren zu retten. Gelungen ist das in Meiselding in der Gemeinde Mölbling im Bezirk St. Veit. Das letzte Dorfgasthaus hat wieder geöffnet. Wie viele andere Landgasthäuser stand es bereits vor der „endgültigen Sperrstunde“, jetzt kommen die Stammgäste wieder, manche davon fast täglich.

Gaststube Wurzerhof Meiselding
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Die Stammgäste sind wieder da

Albert Buchner ist einer dieser Stammgäste: „Es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass es im Dorf ein Gasthaus gibt. Das hält auch die Vereine im Ort zusammen. Deshalb ist es nicht schlecht, dass der Wurzerhof das Gasthaus gekauft hat.“ Regelmäßig sind auch die Kinder aus der Ganztageschule in Meiselding zu Gast.

Wurzerhof-Bewohnerinnen arbeiten in der Gasthausküche

Vom Wurzerhof, dem sozial-therapeutischen Betrieb in der Nähe des Gasthauses, kommen auch Niki und Magdalena. In der Gasthausküche helfen sie, das heutige Menü vorzubereiten, ebenso die Essenslieferung für benachbarte Firmen.

Was steht heute auf dem Tisch? „Topfenreingalan mit Schnittlauch-Sauce, Wienerschnitzel, Käsnudeln und Cordon Bleu“ erzählt Magdalena Günderer. Unterstützt werden die jungen Frauen von Hannes, er ist Koch und Behindertenbetreuer. Salat, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte, die hier im Dorfgasthaus auf den Tisch kommen, stammen vom Mutterbetrieb.

Gasthausküche bezieht Lebensmittel direkt vom Wurzerhof

Am Wurzerhof wird alles biologisch angebaut und von den Bewohnern geerntet. Es sind geistig und körperlich beeinträchtigte Menschen, die hier ein Zuhause und eine Beschäftigung finden. Im Gasthaus machen einige der Wurzerhof-Bewohner eine Anlehre, also eine Berufsausbildung für beeinträchtigte Menschen.

Salaternte am Wurzerhof in Meiselding
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Bewohner werden für ersten Arbeitsmarkt ausgebildet

Die Klienten werden für ihre Tätigkeiten auch entlohnt. Ziel sei es, noch mehr Plätze anzubieten. Anna Remer ist die pädagogische Leiterin: „Wir versuchen, die Bewohner des Wurzerhofs so gut wie möglich in ihren Fähig- und Fertigkeiten auszubilden, damit sie es dann – nach drei oder vier Jahren – schaffen, am ersten Arbeitsmarkt eine Arbeitsstelle zu bekommen und selbständig zu leben.“

 Wurzerhof in Meiselding
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Neues Leben im alten Gasthaus

Am Wochenende geht es dann für alle Wurzerhof-Bewohner zum Essen in das eigene Gasthaus, was auch Wurzerhof-Bewohnerin Claudia Stampfer freut, weil: „Am Sonntag ist Backhendlschmaus“. Neues Leben also, im alten Gasthaus – das heute ein Treffpunkt für die Dorfbewohner und ein Ausbildungsplatz für behinderte Menschen ist.