Sabrina Krobath bei Beratungstermin Kinderwunschklinik
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Soziales

Ohne Partner zum Wunschbaby

Der Wunsch, Eltern zu werden, lässt sich im herkömmlichen Sinne nicht immer erfüllen. Für alleinstehende Frauen gibt es in Österreich rechtliche Hürden bei künstlichen Befruchtungen. Eine Klagenfurterin erfüllt sich ihren Kinderwunsch mit einem nahestehenden Bekannten – ohne klassische Paarbeziehung.

Sabrina Krobath ist Unternehmerin, 41 Jahre alt und wird im kommenden Sommer erstmals Mutter. Sie wollte sich diesen Wunsch der Familiengründung schon länger erfüllen, doch für alleinstehende Frauen wie sie ist es in Österreich nicht einfach möglich, eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen.

Sabrina Krobath
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Sabrina Krobath

„Gehen Weg als Eltern gemeinsam“

Daher entschied sie sich nun für einen anderen Weg: Sie stellte im Gespräch mit einem guten Bekannten fest, dass er vor einem ähnlichen Problem stehe. Auch er hegte den Wunsch nach einem eigenen Kind, hatte aber zu lange gewartet: „Wir haben viele Gespräche geführt und dann gemeinsam beschlossen, dass wir als Freunde diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Wir sind nicht in einer Beziehung, aber wir gehen den Weg als Eltern gemeinsam.“

Sabrina Krobath ist eine von vielen Frauen und auch Männern, die bei ihrem Kinderwunsch auf Unterstützung aus dem Labor angewiesen sind. Mit ein Grund: Die Entscheidung für ein Kind wird immer später getroffen. So stieg das Durchschnittsalter der werdenden Eltern in den vergangenen Jahren deutlich.

Sabrina Krobath bei Beratungstermin Kinderwunschklinik
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Beratungsgespräch in der Kinderwunschklinik

Experte: Unfruchtbarkeit oft auch Männersache

Zudem leidet bereits jeder sechste Erwachsene unter Unfruchtbarkeit. Michael Rettl, der ärztliche Leiter der TFP Kinderwunsch-Klinik in Klagenfurt sagt, die Gründe dafür, dass es nicht zu einer Schwangerschaft komme, würden nicht alleine bei der Frau liegen: „Die Hälfte an Ursachen ist auch beim Mann zu finden. Es ist wichtig, dass man darauf nicht vergisst. Beim Mann ist es relativ rasch abzuklären, indem man einen Samenbefund erhebt.“

Rund 5.000 Euro müssen Paare für eine In-vitro-Fertilisation bei einem Institut in Österreich einkalkulieren. Die Erfolgsaussichten liegen bei etwa 30 Prozent.

KH Co-Parenting

Sabrina Krobath: Selbstzweifel prägten Kinderwunschphase

Sabrina Krobath sagt, sie sei vor der künstlichen Befruchtung schon verzweifelt gewesen, weil sich die erhoffte Schwangerschaft auf natürlichem Wege lange nicht eingestellt habe. Sie habe an sich selbst als Frau gezweifelt, weil sie nicht dazu imstande war, „das Natürlichste der Welt zusammenzubringen“. Das Schamgefühl, als Frau nicht vollkommen zu sein, habe sie massiv geplagt und sie habe befürchtet, kinderlos bleiben zu müssen.

Ihr Weg nimmt nun aber eine glückliche Wendung: Im fünften Versuch funktionierte die künstliche Befruchtung und im kommenden August wird Christoph Alexander voraussichtlich das Licht der Welt erblicken. Die werdende Mutter freut sich immer, wenn sie bei den Untersuchungen die Gesichtszüge ihres Kindes auf dem Monitor des Ultraschallgeräts sehen kann: „Es wird alles immer realistischer. Der Geburtstermin rückt immer näher und ich muss mir Gedanken über die ersten Babysachen machen. Es ist das schönste Geschenk des Lebens für mich.“

Ultraschalluntersuchung Schwangerschaft Kinderwunschklinik
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Ultraschalluntersuchung

Geteilte Verantwortung und Pflichten nach der Geburt

Im Rahmen einer Bürgerinitiative will sie sich Krobath nun dafür einsetzen, dass alleinstehende Frauen bessere rechtliche Möglichkeiten bekommen, um sich ebenfalls den Kinderwunsch zu erfüllen.

Nach der Geburt wird der biologische Vater ihres Kindes auch das Sorgerecht eingeräumt bekommen und für die Unterhaltszahlungen aufkommen. „Er wird das Kind so oft sehen, wie er es sehen möchte. Wir werden hoffentlich auch Weihnachten und Geburtstag zusammen feiern. Aber wir sind eben kein Paar und das werde ich dem Kind auch vermitteln, wenn es das entsprechende Alter hat“, sagt Sabrina Krobath über die praktische Seite der geteilten Elternschaft mit ihrem Bekannten.