Auerhuhn
Tiere

Harte Zeiten für Bergvögel

Die Lebensbedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten für Kärntens Bergvögel verändert, nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren. Zunehmende Erschließung der Rückzugsgebiete und die Klimaveränderung mit Erwärmung sowie deren Einfluss auf die Insekten als Nahrung tragen dazu bei, dass ihre Anzahl zurückgeht.

Vor Kurzem erschien das Buch „Berg- und Alpenvögel – Wissen und Schutz“ im Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins. Die Autoren Josef Feldner und Andreas Kleewein dokumentieren darin, wie sich die Klima- und Lebensraumveränderungen auf die Bergvögel auswirken. Viele Berg- und Alpenvögel könnten aus Kärntens Bergregionen verschwinden, sagte Kleewein, Biologe und Geschäftsführer von BirdLife Kärnten: „Es wird wärmer, auch in den Bergen, es kommt zur Veränderung des Lebensraums. Das heißt, der Wald wächst in die Höhe. Viele Vogelarten wandern auch mit. Aber auf dem Gipfel geht es nicht mehr weiter.“

Auerhuhn
Auerhuhn

Balzplätze immer höher zu finden

Die charakteristischsten Bergvögel sind Raufußhühner. Zu ihnen gehören: „Auerwild, Birkwild, Alpenschneehuhn und Haselhuhn“, so Kleewein. Die Gruppe der Raufußhühner ist von den Veränderungen des Lebensraums und Klimas am stärksten betroffen. Sie sind schon in die Höhe gewandert: „Wir haben Balzplätze vom Auerhuhn und Birkhuhn, die schon deutlich höher sind. Beim Auerhuhn sind sie in den letzten zehn Jahren um 300 Meter in die Höhe gegangen. Das bedeutet, der Vogel findet sich in seinem ursprünglichen Lebensraum und Balzplatz nicht mehr so zurecht.“ Die Bestände des Alpenschneehuhns gingen bereits stark zurück. Es ist zwar noch nicht verschwunden, langfristig werde es diese Vogelart aber sehr schwer haben, so Kleewein.

Auch Singvögel leben in den Bergen, dazu zählen beispielsweise die Ringdrossel und der Schneesperling. Sie seien speziell an den Lebensraum angepasst und können mit Kälte umgehen. Aber auch sie haben Probleme mit den neuen Lebens- und Klimabedingungen: „Eine Ringdrossel oder ein Schneesperling werden es zunehmend noch schwerer haben. Denn auch die Schneeschmelze, die sich beschleunigt, spielt eine gravierende Rolle.“

Auch Menschen stören im Lebensraum

Das Eindringen des Menschen in den Lebensraum macht den Bergvögeln ebenfalls zu schaffen, zum Beispiel durch Tourengeher oder Schneeschuhwanderinnen abseits der bekannten Wege, so Kleewein. Die Tiere erschrecken sich und fühlen sich bedroht.

Das Alpenschneehuhn reduziert seinen Herzschlag und atmet weniger, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Kleewein: „Grund dafür ist, dass sich ja auch ein Fressfeind nähern könnte. Durch die Ausscheidung des Mundgeruchs beim Vogel wird der Fressfeind aufmerksam.“

Schneehuhn gut getarnt
Schneehuhn im Winter

Auch das Gefieder des Alpenschneehuhns ist an die Bedingungen in den Bergen angepasst, im Winter ist es weiß, nach der Schneeschmelze braun und weiß gescheckt.

Andere Arten verdrängen Bergvögel

„Das Ökosystem verändert sich gravierend. Arten dringen aus niederen Regionen in höhere vor und verdrängen andere Arten. Die, die weiter in die Höhe wandern, haben es schwer, denn sie sind an bestimmte Temperaturen angepasst und müssen noch höher.“ Das hat zur Folge, dass diese verdrängten Vogelarten irgendwann verschwinden könnten.

Zusätzlich bedeutet das: „Es wird langfristig zum Verschwinden von speziellen Pflanzen in diesem Lebensraum kommen. Wenn man es herunterbricht, werden es auch die Insekten schwer haben, dort zu überleben.“

Ringdrossedl
Ringdrossel

Jungvögel brauchen Larven als Futter

Die Jungen des Schneesperlings werden von den Eltern mit Insekten gefüttert: „Das sind Tipolidenlarven, Schnaken, die entscheidende Nahrung sind.“ In ganz Europa werden Bergvögel wissenschaftlich beobachtet. Bei diesen Monitorings fand man heraus: „Dass die Schneeschmelze, die schneller vonstattengeht, eine Herausforderung für die Altvögel ist, wenn sie die Jungen füttern müssen. Denn je schneller der Schnee schmilzt, desto schneller entwickeln sich die Larven. Sie fliegen dann als Insekten herum.“

Die Jungvögel benötigen, um überhaupt überleben zu können, aber nur die Larven, die sehr viele Proteine enthalten. Man habe herausgefunden, dass sich die Nahrungszusammensetzung bereits verändert habe. Es gebe weniger Larven und mehr erwachsene Insekten, so Kleewein.

Schneesperling
Schneesperling

Waldarbeiten vogelschonend durchführen

Um Kärntens Bergvögel zu schützen, wurden bereits vor Jahren Maßnahmen ergriffen: „BirdLife hat eine Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten, wodurch man Totholz sichert. Es ist entscheidend in einem Wald. Bei Schlägerungen wird auch darauf geachtet, dass es keine geraden Randzonen gibt, sondern auch Ausbuchtungen.“ Sie werden mit freien Waldbereichen kombiniert, um das Zuwachsen des Waldes und das in die Höhe Wachsen des Waldes einzudämmen.

„Wichtig sind auch Biotopbäume. Das sind Bäume, die eine spezielle Wuchsform oder schon ein hohes Alter haben: Sie bergen viele Insekten, die Nahrung für verschiedene Vogelarten sind.“