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ORF/Iris Hofmeister
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Politik

Energiemangellage: Widerstand gegen Pläne

Sollte es einen längeren Engpass bei der Energieversorgung geben, stehen das Funktionieren des täglichen Lebens und die Versorgung der Bevölkerung an oberster Stelle. Im schlimmsten Fall müssten Biogasanlagen, Abfallwirtschaftsbetriebe und Industriebetriebe heruntergefahren werden. Dagegen regt sich erneut Widerstand.

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur zu einer seit langem nicht mehr gekannten Teuerung geführt, er stellt auch die Energieversorgung in Frage. Die Gasspeicher sind zwar in der Zwischenzeit wieder weitestgehend gefüllt, aber es gibt Befürchtungen, es könnte im Winter zu einem Engpass, zu einer sogenannten Mangellage kommen.

Stromabschaltung bei Firmen

Durch den Krieg in der Ukraine könnte es zu einem Engpass bei Strom kommen. Sollte es einen längeren Engpass geben, dann müssten Biogasankagen, Abfallwirtschaftsbetriebe und Industriebetriebe heruntergefahren werden.

Tägliche Versorgung steht an erster Stelle

Außer Streit steht, dass dann das tägliche Leben und die Versorgung der Bevölkerung an erster Stelle stehen muss. Die Bundesregierung wird in einem solchen Fall den Ländern Strom-Kontingente zuweisen. Es könnte aber sein, dass Industriebetriebe, Biogasanlagen und Abfallwirtschaftsbetriebe abgeschaltet werden müssten.

Flächendeckende Stromabschaltungen wären aber die letzte Notmaßnahme nach einem mehrstufigen Plan. Sie würden auch nicht über Nacht verordnet. Was die Unternehmen und ihre Vertretung alarmiert, ist ein Schreiben der Umweltabteilung des Landes, in dem es heißt, dass es „keine Ausnahmen oder Einzelversorgungen“ geben werde, auch nicht für Unternehmen mit Gefahrenpotential. Das Land beruft sich in dem Schreiben auf den Bund.

Appell an die Politik

Der Präsident der Industriellenvereinigung, Timo Springer kritisierte, dass sich Land und Bund die Verantwortung gegenseitig zuschieben würden. Das berge ein großes wirtschaftspolitisches Risiko und Gefahrenpotenzial für das ganze Bundesland, sagte Springer.

Springer appellierte an die Politik, sich dringend zu überlegen, wie die Stromversorgung für die wichtigsten Betriebe im Land sichergestellt werden kann. Er warnte, dass manche Anlagen nach einem Herunterfahren gar nicht mehr gestartet werden könnten, brisante Beispiele nannte Springer aber nicht.

Strom gespart werden müsse nach einem Stufenplan, in der letzten Stufe sind Abschaltungen möglich. Nun gehe es um die Bewusstseinsbildung bei Betrieben, hießes beim Land Kärnten

„Keine Möglichkeit für Ausnahmen“

Robert Schmaranz von Kärnten Netz verneinte, dass es technisch möglich sei, Ausnahmen zu machen. „Was für uns technisch nicht möglich ist, ist, dass man das ganze Gebiet abschaltet, außer dem Haus dort, oder den Betrieb da und den anderen Betrieb hier“, so Schmaranz.

Wenn über Transformatoren abgeschaltet wird, dann seien die dahinterliegenden Betriebe vollkommen finster. Kärnten Netz betonte, man würde den Strom nicht aus eigenen Stücken abschalten, sondern nur auf behördliche Anordnung.

Wenige Betriebe deklarieren sich als betroffen

Wenige Betriebe seien bei diesem heiklen Thema bereit, sich als betroffen zu deklarieren. Als unabhängig, also nicht betroffen bezeichnete sich der Papierkonzern Mondi in einer schriftlichen Stellungnahme. Verständnis für die Notwendigkeit von Maßnahmen äußerte Lutz Weber vom Zementhersteller Wietersdorfer und Peggauer. Die Konsequenzen der Firma wären finanzieller Natur. „Das kann von einigen tausend Euro bis einige hunderttausend Euro, bis hin in die Millionen gehen“, so Weber. Drei Wasserkraftwerke entlang der Görtschitz decken derzeit ein Viertel des Energiebedarfes bei Wietersdorfer und Peggauer ab. Stromnetzunabhängig ist man daher nicht.

Weber forderte mehr Gespräche ein, sein Unternehmen könnte etwas beitragen, beispielsweise azyklisch arbeiten oder große Stromverbraucher dann aktivieren, wenn der generelle Stromverbrauch in der Region gerade niedrig ist. Auch KELAG Geschäftsführer Reinhard Draxl sagte, dass einige Betriebe ihre Leistung um 20-30 Prozent reduzieren könnten und für den Ausfall bezahlt werden könnten. Man müsse bestmöglich auf den Falls vorbereittet sein.