Ob Wanderheuschrecken oder Mehlwürmer: Sie gelten nicht nur als nahrhaft und reich an Proteinen, sondern punkten auch mit einer nachhaltigeren Produktion als Fleisch. In Kärnten steckt die Insektenwirtschaft noch in den Kinderschuhen, aber die Szene wächst.
Als Futtermittel für Reptilien wurden Insektenzuchten vielerorts schon vor Jahren ins Leben gerufen. Dass sich Grillen, aber auch als Lebensmittel für den Menschen eignen, zeigt Lisa-Marie Schaden in ihrer Insektenerlebniswelt. Auf mehreren Stationen können die Besucher auf Tuchfühlung mit den Tieren gehen. Beim Mehlwurm-Sortiertisch lernen sie, wie man die Tiere selbst zu Hause züchten und auch essen kann.

Akzeptanz der Tiere gegenüber muss gegeben sein
Viele müssen sich dazu aber erst überwinden: „Wenn jemand das erste Mal damit in Kontakt kommt spielt natürlich der Kopf eine große Rolle. Man muss dem Insekt zuerst einmal näher kommen, um zu verstehen, wie ernährt es sich, wie wird es gefüttert und gezüchtet. Das ist schon einmal ein großer Schritt, damit man dann auch die Akzeptanz dem Tier gegenüber als Nahrungsmittel hat.“

Insekten sind Vegetarier
Der nächste Schritt sei die Überwindungm um sie zu kosten. Manche brauchen bis zu sieben Anläufe, so Schaden. Die Hemmschwelle in der Gruppe sei niedriger. Oft hört sie dann den Satz: „Oh, das schmeckt ja.“ Insekten, die hier als Lebensmittel gezüchtet werden, werden vegetarisch ernährt. Als Grundfutter bekommen sie eine Getreidemischung. Zusätzlich werden die Insekten mit saisonalem Obst und Gemüse aus den umliegenden Landwirtschaften gefüttert.

Mehlwurm, Heuschrecke und Grille
Zum Verzehr werden die Tiere schockgefroren und getrocknet. Nur bestimmte Arten sind in der EU als Lebensmittel zugelassen: „Das erste Insekt, das zugelassen wurde, war der Mehlwurm, der ist den meisten auch bekannt und da gibt es am Markt schon eine breite Produktpalette, sowie Kochworkshops, um zu lernen, wie man damit kochen kann.“ Weiters wurden Heuschrecken und Grillen zugelassen. In naher Zukunft sollen weiter Arten, wie der Buffalo- oder der Zophoba-Wurm folgen.
Insektenerlebniswelt in Lavamünd
Insekten erobern als nachhaltiger Fleischersatz zunehmend den heimischen Lebensmittelmarkt. Eine Mikrobiologin hat in Lavamünd nun eine Insektenerlebniswelt eröffnet – auch um Aufklärungsarbeit zu leisten.
Insekten als Haustiere
Aber auch andere Insekten, die als Haustiere gehalten werden, können in der Insektenerlebniswelt besichtigt werden, wie die Stab- oder Blattheuschrecke. Mitarbeiterin Maria Tömel kümmert sich liebevoll um alle Tiere hier. Sie hat bereits jahrzehntelange Erfahrung mit den Insekten. Es sind sehr flinke Tiere, sagte sie: „Man gewöhnt sich daran und weiß dann, wie man damit umgeht, um sie gut zu versorgen.“

Sollte doch einmal eine Grille oder eine Heuschrecke entwischen, wird in der Nacht ein besondere Putztrupp losgeschickt: afrikanische Weißbauchigel schnappen sich die Entlaufenen als Snacks.