Gewitterwolke
ORF/Petra Haas
ORF/Petra Haas
Wetter

Das Wetter lesen lernen

An sonnigen Sommertagen zieht es viele für Aktivitäten ins Freie. Das Wetter kann aber rasch umschlagen. Worauf man achten sollte, um nicht in Gefahr zu geraten, verrät Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Klagenfurt.

Ein Blick in Richtung Himmel kann Aufschluss darüber geben, ob sich Wärmegewitter anbahnen, sagte Hohenwarter: „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich, wie hoch türmen sich die Wolken auf. Werden es riesengroße Türme, dann merke ich schon, oh, das wird gefährlich. Dann sollte ich das nicht nur einmal am Nachmittag machen, sondern mehrmals.“

Hagel erscheint oft gelblich

Auch die Farbe des Himmels birgt Hinweise, so der Experte: "Hagel zeichnet sich oftmals durch einen gelblichen Schleier ab. Man kennt das: Wenn die Gewitterwolke kommt, schaut das so gelblich aus. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass dieses Gewitter auch Hagel bringen wird.“ Auch Wetter-Apps am Handy können wertvolle Hinweise über herannahende Gewitter liefern – allerdings nicht immer oder überall, so Hohenwarter. Denn vor allem in den Bergen gebe es nicht immer guten Empfang. Daher sollte man sich nicht allein auf die Apps verlassen.

Wetter App
ORF
Wetter-App

Ausflüge lieber am Vormittag unternehmen

Besser sei es, schon vor dem Ausflug ins Grüne oder auf den Berg die Wetterlage genau zu überprüfen. Denn Vorsicht sei alles, wenn man auf Nummer sicher gehen wolle, so Hohenwarter: „Wichtig ist es, dass man schon rechtzeitig anfängt, zu reagieren. Wenn ich weiß, heute ist ein gefährlicher Tag, dann versuche ich, meinen Ausflug nach vorne zu verlegen, wenn Wärmegewitter für den Nachmittag angesagt sind. Wenn ich dann sehe, es entwickelt sich etwas, versuche ich, einen sicheren Hafen anzusteuern, wie eine Schutzhütte, ein Haus oder der Parkplatz, wo mein Auto steht oder der Bus." Man sollte immer darauf achten, sich nicht mitten in einem Gewitter im Freien zu befinden.

Gewitterwolken
ORF/Petra Haas
Gewitterwolken

Im Fall des Falles ruhig bleiben

Ist es schon kurz davor, zu krachen, sollte dennoch Ruhe bewahrt werden, sagt Hohenwarter: „Wenn ich anfange zu laufen besteht die Gefahr, dass ich stürze und mich dabei verletze. Diese Gefahr sei größer, als vom Blitz getroffen zu werden. Altbekannte Weisheiten kennt jeder, wie zum Beispiel: „Buchen sollst du suchen – Eichen sollst du weichen."
Ich sage: Weichen Sie jedem großen Baum aus. Man soll exponierte Punkte wirklich meiden. Ob man Buchen suchen soll oder nicht – wichtig ist, dass man vom Gipfel auf dem Berg wegkommt, dass man von den Seen wegkommt. Einzelne Bäume oder ein Gipfelkreuz soll man meiden."

Bei Gewitter Wälder verlassen

Ist man bei Gewitter im Wald unterwegs gilt: „Eher schauen, dass man aus dem Wald heraus kommt, denn wir haben leider immer wieder gesehen, mit dem Gewitter geht auch Sturm einher und Bäume können dann umknicken und sind dann eine große Gefahr.“ Fahrzeuge gelten als Faradaysche Käfige und sind ein idealer Schutz bei Gewittern, erinnert Hohenwarter an den Physikunterricht: „Wenn der Blitz einschlägt bin ich im Auto sicher. Da besteht für mich keine Gefahr.“

Sofort aus dem Wasser heraus

Beim Schwimmen im Meer oder auf dem See gilt bei Gewittergefahr: „Bitte aus dem Wasser heraus. Das Wasser meiden. Ganz wichtig, weil ein Blitz im Wasser ist auch etwas, was keiner von uns jemals erleben möchte.“ Sein Wissen gibt Hohenwarter regelmäßig auch in Seminaren weiter. Er will den Teilnehmern vermitteln, worauf sie achten müssen, wenn sie Aktivitäten im Freien planen: „Ich habe die Erfahrung gemacht als Meteorologe, dass es immer wieder in Medienberichten heißt: Plötzlicher unerwarteter Wetterumschwung hat zu einer alpinen Notsituation geführt. Für mich als Meteorologen gibt es den plötzlichen, unerwarteten Wetterumschwung nicht."

Gewitterwolke
ORF.at/Christian Öser
Gewittertürme

Wortwahl richtig deuten

Einerseits geht es darum, die unterschiedlichen Informationsquellen korrekt zu nutzen. Die Wortwahl der Wetterexperten richtig deuten zu können ist die eine Sache: „Je präziser und genauer ein Meteorologe formuliert, desto klarer ist es. Wenn er schreibt: Am Nachmittag – am späten Nachmittag – dann ist es klarer, wann es passieren wird. Wenn die Formulierung nur so schwammig ist – im Tagesverlauf – ist es vielleicht nicht ganz so sicher. Oder: Heute bleibt es trocken oder es bleibt eher trocken. Andere sind vorsichtig und sagen: Vereinzelt kann ein Regenschauer auftreten, was aber das Gleiche ist wie wenn es heißt, dass es trocken bleibt. Wichtig ist, wenn man draußen ist, dass man regelmäßig den Blick zum Himmel richtet.“

Blitz
ORF
Man sollte immer vermeiden, während eines Gewitters im Freien zu sein.

Kurse für Wetterfans

Es gibt aber auch direkt vor Ort ein paar Dinge, die es zu beachten gelte, so Hohenwarter: „Wie erkenne ich anhand von Wolken, ob die für mich gefährlich werden und woher weiß ich, wo die Wolke hin ziehen wird? Wie kann ich abschätzen, ob das Gewitter zu mir hin oder von mir weg zieht? Das macht natürlich einen großen Unterschied in meiner Einschätzung und meinen Handlungen dann auch.“

Die Kurse werden – aus gutem Grund – im Freien abgehalten: „Ich sitze nicht im Büro oder im Seminarraum, sondern draußen und bin mit den Menschen unterwegs, wo das Wetter passiert.“ Wenn man zum Beispiel in den Bergen unterwegs ist, sollte man die Richtung, aus der der Wind kommt, im Auge behalten bzw. sich am besten schon vorab, zum Beispiel auf der Internetseite der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, informieren.

Gerhard Hohenwarter
ORF
Gerhard Hohenwarter

Richtung des Gewitters beachten

„Beim Bergwetterbericht kann man herausfinden, wo der Wind herkommt. Aus welcher Richtung kommt der Wind? Und ich weiß dann, aus der Richtung, aus der der Wind kommt, wird auch das Gewitter zu mir kommen. Wenn also Südwind herrscht, dann zieht das Gewitter von Süden nach Norden. Das muss ich dementsprechend draußen in der Natur beachten. Dann kann ich auch für mich selbst eine sichere Einschätzung treffen“, sagte Meteorologe Hohenwarter.