Der Fußballplatz in Treffen ist von Schlamm bedeckt
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Chronik

Nach Unwettern: Finanzielle Hilfe zugesagt

Nach dem verheerenden Unwetter in der Nacht auf Mittwoch und den massiven Überschwemmungen in Treffen am Ossiacher See und Arriach gehen am Donnerstag die Aufräumarbeiten weiter. Die Schäden sind enorm, das Bundesheer hilft mit schwerem Gerät, das tonnenschwere Gestein zu entfernen. Die Politik sagte finanzielle Hilfe zu.

Fast 500 Feuerwehrleute, Bundesheer und Straßenbauabteilungen stehen seit Mittwoch im Einsatz. Ab Donnerstag unterstützt auch der Katastrophenhilfszug des Landes die lokalen Einsatzkräfte im Gegendtal. Auch 100 Feuerwehrleute aus den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg helfen mit. Ein weiterer Katastrophenzug kommt am Freitag aus Spittal. Viele Straßen in der Region bleiben weiterhin unpassierbar bzw. wurden zum Teil weggerissen. Der Zivilschutzalarm bleibt vorerst aufrecht, laut Bezirkshauptmann Bernd Riepan werde Freitagmorgen darüber beraten, ob der Zivilschutzalarm zu Mittag aufgehoben werden könne. Nachdem der Donnerstag weitestgehend trocken verlief, sind für Freitag wieder Gewitter angesagt.

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Man erkennt noch die Bande und ein Tor
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Fußballplatz Treffen unter Schlamm
Blick auf den Fußballplatz in Richtung Geröllhaufen
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Fußballplatz, im Hintergrund ein Bachbett mit tonnenschweren Geschiebemassen
Nur die Beleuchtung des Fußballplatzes steht noch
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Der Fußballplatz besteht nur noch aus Schlamm
Der Fußballplatz in Treffen ist von Schlamm bedeckt
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Baumstämme und Felsen wurden mitgespült
Eine alte Mauer am Fußballplatz wurde zerstört
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Ein alte Einfriedung beim Parkplatz des Fußballplatzes wurde zerstört
Parkplatz und Clubhaus des Fußballclubs
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Der Parkplatz und das Clubhaus
Treffner Bach in Töbring wird ausgebaggert
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Der Töbringer Bach wird ausgebaggert, auch schweres Gerät trieb mit
Riesiger angespülter Baumstumpf im Treffner Bach
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Ein großer Baumstamm stand mitten im Treffner Bach
Ein Container wurde angeschwemmt
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Vom Gewerbehof wurden Container mitgeschwemmt
Durch den Holzzaun bahnte sich der Bach ein neues Bett
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Der Bach bahnte sich einen neuen Weg quer über Wiesen, Gärten und durch Zäune
Ein völlig zerstörter Zaun im Ortsteil Töbring
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Der Zaun gegenüber wurde ebenfalls zerstört
Sammeln der Einsatzkräfte
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Sammeln des Katastrophenzugs vor der Diakonie
Zentrale bei der Diakonie
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Das Haus am Steinbruch der Diakonie wurde zum Hauptquartier

Auch zivile Helfer greifen im Gegendtal mit an. Manchmal braucht es nur einer Menschenkette, um etwas Normalität zurückzubringen. „Die Nachbarin hat VSV-Spieler organisiert, die haben auch mitgeholfen. Es ist echt schlimm, man muss wirklich danke für den Zusammenhalt sagen“, so Unwetteropfer Birgit Bacher.

Aufräumarbeiten gehen weiter

Nach dem verheerenden Unwetter in der Nacht auf Mittwoch und den massiven Überschwemmungen in Treffen am Ossiacher See und Arriach gehen am Donnerstag die Aufräumarbeiten weiter. Die Schäden sind enorm, das Bundesheer hilft mit schwerem Gerät, das tonnenschwere Gestein zu entfernen. Fast 500 Feuerwehrleute, Bundesheer und Straßenbauabteilungen stehen seit Mittwoch im Einsatz.

Eine Straße wurde frei gemacht

Noch am Mittwochabend gelangt es den Einsatzkräften in Treffen, ein Nadelöhr zu beseitigen. Die Bundesstraße konnte von den Gerölmassen des Pöllinger Baches frei gebaggert werden. Damit können die Einsatzfahrzeuge nun zu den entlegenen Seitengräben im Gegendtal und den teils abgeschlossenen Gehöften vordringen und helfen. Eine Öffnung der Straße für den Zivilverkehr wird aber wohl noch mehrere Tage dauern. Am Mittwoch bereits wurden Verklausungen gelöst, ganze weggeschwemmte Container vom Wertstoffhof aus dem Bach geholt und Geröllmassen weggeschafft.

Container im Treffner Bach

Ein Container verlegte die Brücke in Töbring und hatte sich zudem mit Schlamm und Steinen gefüllt. Der Bagger hatte gut zu tun, um den Stahlkoloss aus dem Wasser zu ziehen

Schlamm, Felsen und Holz überall

Die Felder und Gärten sind teilweise mehr als einen halben Meter hoch komplett verschlammt. Trocknet der Schlamm nun wird er bretthart. Der Fußballplatz in Treffen ist ebenso betroffen, alle Einrichtungen wurden zerstört, nur das Clubhaus überstand das Unwetter. Die drei Tennisplätze und die Eisbahn wurden ebenfalls komplett zerstört.

Unwetter: Viele Regionen betroffen

in vielen Kärntner Regionen haben die Unwetter schwere Schäden angerichtet. Betroffen waren etwa auch die Turrach, Bad Kleinkirchheim sowie der Großraum Villach.

Menschen aus Arriach ausgeflogen

Arriach bleibt, zumindest für zivile Fahrzeuge, derzeit unerreichbar. Vom Bundesheer wurde am Donnerstag der Durchstich Richtung Radenthein fertiggestellt. Einsatzkräfte könnten sich derzeit durchgängig entlang der Millstätter Straße (B98) bewegen. Derzeit sei man in der Lage Arriach mit Einsatzkräften und kleinen Heeresfahrzeugen zu erreichen, so Oberstleutnant Thomas Enenkel vom Militärkommando Kärnten.

Glantschnig (ORF) zu Unwetter in Kärnten

Christof Glantschnig (ORF) meldet sich aus Treffen in Kärnten und spricht über die Lage vor Ort. Schwere Unwetter sorgen in Teilen Österreichs für Hochwasser und Vermurungen. Besonders Kärnten ist stark betroffen.

Man plane ab Freitag die Weiterführung des Straßenbaus von Himmelberg nach Arriach. „Wir hoffen, dass wir diese Straße bis nächsten Donnerstag fertiggestellt haben. Parallel dazu arbeiten wir an der Verbindung Buchholz Richtung Treffen, um auch die Verkehrslinie Richtung Villach zu öffnen“. Hier rechne Enenkel mit einer Bauzeit von einer Woche. Wie viele Menschen in der Region durch vermurte Straßen zu Hause festsitzen, ist weiterhin unklar. Mit einem Hubschrauber-Pendeldienst von Bundesheer und Polizei wurden am Mittwoch neun Menschen von zwei Familien ausgeflogen und in Sicherheit gebracht – mehr dazu in Familie aus Gegendtal ausgeflogen.

Baggerarbeiten mitten im Ort
ORF/Lisa Natmessnig
Ortszentrum von Treffen

Außerdem wurden mit fünf Hubschraubern Versorgungs- und Einsatzflüge mit Helfern durchgeführt. Bis in die Nacht wurde geflogen, allein am Mittwoch kamen 18 Einsatzstunden zusammen. Zentrale für die Helfer ist der geschlossene Sparmarkt in Treffen und für die Hubschrauber das Feld vor der Werkstätte de La Tour am Steinbruch.

Unter dem Geröll befinden sich Bäche und Straßen
ORF/Lisa Natmessnig
Das Geröll liegt teilweise meterhoch

Immer noch Haushalte ohne Strom

Immer noch fehlt ein Überblick über das gesamte Schadensausmaß. Aktuell sind im Gegendtal noch rund 350 Haushalte ohne Strom, bis Donnerstagabend sollen es laut Kärnten Netz nur noch 150 sein. Dafür wurden rund 170 KELAG-Monteure mit Bundesheerhubschraubern zu den Störstellen im Tal geflogen werden. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) sagte, eine Bodenverbindung von und zu Arriach sei essentiell. Das habe Priorität. Außerdem müsse die Versorgung sichergestellt werden, sollte es zu medizinischen Notfällen kommen, so Kaiser.

Quelle: Österreichisches Bundesheer

Aus der Luft zeigt sich das Ausmaß der Zerstörung

Soforthilfe von Politik zugesagt

Kaiser sagte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Treffen, es sei eine der schlimmsten Katastrophen, die Kärnten je erlebt habe. Es zeige die Naturgewalten, die hier gewirkt hätten. So schlimm die Lage mit einem Todesopfer sei, grenze es an ein Wunder, dass nicht mehr Menschen zu Schaden gekommen seien. Die Bevölkerung zeige Geschlossenheit, die werde man auch in Politik und Krisenhelfern zeigen. Am Freitag sollen erste finanzielle Hilfspakete in einer außerordentlichen Sitzung der Landesregierung, zu der auch die Chefs der Oppositionsparteien im Landtag eingeladen sind, auf den Weg gebracht werden.

Pressekonferenz in Treffen
APA/Gerd Eggenberger
Pressekonferenz der Politiker in Treffen am Donnerstag

Neben den Geldern aus dem Nothilfswerk und dem Katastrophenfonds wird es für die betroffenen auch Geld aus dem Topf Hilfe in besonderen Lebenslagen geben, das den Menschen, die durch die Unwetterkatastrophe nahezu ihr ganzes Hab und Gut verloren haben, rasch und ohne bürokratischen Aufwand zur Verfügung gestellt werden soll, kündigt Finanzreferentin Gaby Schaunig an. „Wir können der Bevölkerung nur versichern, dass wir alles tun werden, um sowohl kurzfristig Hilfe zu schaffen, Liquidität zu sichern, aber auch langfristig entsprechende Pläne umzusetzen, um die Infrastruktur wieder so aufzubauen, wie sie die Menschen hier brauchen“, so Schaunig. Auch die Kreditsperren in den Referaten Straßenbau, Gemeinden und Katastrophenschutz werden aufgehoben, damit Geld, das jetzt dringend für die Behebung der Schäden gebraucht wird, zur Verfügung steht.

Landesstraße auf 2,5 Kilometer weg

Außerdem sollen Teile des Landesbudgets für diesen außergewöhnlichen Fall vorbehalten werden, um Menschen, die nicht in ihre Häuser zurückkönnen, zu unterstützen. Ein großer Anteil an Geldern muss auch in den Wiederaufbau von Infrastruktur fließen, etwa, was die Zufahrtswege nach Arriach betrifft. Straßenbaureferent Martin Gruber (ÖVP) sagte, die Teuchener Landesstraße von der Abzweigung der B98, die Hauptzufahrt nach Arriach sei nicht mehr existent. Sie sei auf 2,5 Kilometern weggeschwemmt, der Graben dort sei nur ein großes Loch. Das sei eine größere Herausforderung, so Gruber.

Unwetter Ausmaß der Zerstörung
Österreichisches Bundesheer

Wasser kommt mit Tankwagen

Auch die Wasserversorgung werde wieder hergestellt, in Treffen wird die Bevölkerung allerdings aufgefordert, das Wasser aus der Leitung vorerst abzukochen – hier vor allem in Treffen, Winklern und Einöde. Bürgermeister Klaus Glanznig (SPÖ) sagte, bis wieder sauberes Wasser verfügbar sei, werde man mit Tankwagen Wasser in die Hochbehälter bringen, um die Bevölkerung zu versorgen. Glanznig lobte auch den Zusammenhalt, alle helfen, die können. Man sei dankbar für alle, die der Gemeinde beistehen.

Mittlerweile haben auch bereits zahlreiche Organisationen und Vereine Hilfs- und Spendenaktionen für die Bewohner des Gegendtales ins Leben gerufen. Die Caritas öffnet ihren Soforthilfefonds und die Diakonie hat ebenfalls einen Spendenaufruf gestartet. Und am kommenden Dienstag plant Radio Kärnten einen Aktionstag für das Gegendtal. Den ganzen Tag über wird das Radio-Programm aus den vom Unwetter schwer getroffenen Gemeinden gesendet. Dabei werden auch Spenden für die Unwetteropfer gesammelt.