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Chronik

Land erlaubt wieder Abschuss von Wolf

Wie schon im Vorjahr genehmigt das Land auch heuer wieder den Abschuss eines Wolfes. Diesmal sorgt ein Tier in der Gemeinde Stall im Mölltal für Beunruhigung und Schäden. Der Wolf soll nun von den örtlichen Jagdausübungsberechtigten erlegt werden. Massive Kritik daran gibt es von Naturschützern.

Im Vorjahr wurde erstmals per Bescheid der Abschuss eines Problem-Wolfes erlaubt. Landesrat Martin Gruber (ÖVP) war der erste Kärntner Jagdreferent, der eine solche Abschussgenehmigung für einen Wolf erteilt hat. Die Genehmigung galt von Ende August bis in den Herbst für Almen im Gailtal und in Oberdrauburg – mehr dazu in Land erlaubt Wolfs-Abschuss auf drei Almen (kaernten.ORF.at; 24.8.2021). Im Oktober lief die Genehmigung dann aus. Wolf wurde bis dahin keiner geschossen, es wurden aber auch keine weiteren Wildrisse mehr gemeldet – mehr dazu in Wolfsabschuss: Genehmigung läuft aus (kaernten.ORF.at; 14.10.2021).

Genehmigung bis 11. Mai befristet

Nun wurde für die Gemeinde Stall im Mölltal eine Abschussgenehmigung erteilt. Nach Schafsrissen und einer Sichtung in Ortsnähe stieg die Beunruhigung zuletzt – mehr dazu in Wolf: In Stall formiert sich Widerstand (kaernten.ORF.at; 20.4.2022). Die Abschussgenehmigung sei nach zwei Vergrämungsversuchen am 13. sowie am 21. April erteilt worden, heißt es aus dem Büro von Jagdreferent Gruber.

Die Genehmigung sei bis 11. Mai befristet und setze voraus, dass sich der Wolf erneut in einem Umkreis von weniger als 200 Meter von vom Menschen genutzten Gebäuden, Stallungen und Viehweiden aufhält, heißt es in einer Mitteilung aus dem Büro des Jagdreferenten. Durch die Befristung und das Ziehen eines Zehn-Kilometer-Radius um den Ort der zwei Vergrämungsversuche sei ein zeitlicher und räumlicher Zusammenhang der Vorfälle gewährleistet und sichergestellt, dass der Risikowolf und kein anderes Exemplar erlegt wird.

WWF fordert sofortige Rücknahme

Die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) kritisierte die Abschusserlaubnis als „nicht nachvollziehbar und rechtswidrig“ und fordert deren sofortige Rücknahme. Der Wolf sei ein streng geschütztes Tier, sagt WWF-Experte Christian Pichler: „Während es weiterhin keine Förderungen für dringend nötigen Herdenschutz gibt, wird bei der ersten Gelegenheit zur Büchse gegriffen. Das ist fahrlässig und verantwortungslos gegenüber unserer Natur und widerspricht sowohl EU-Recht als auch dem bundesweiten Managementplan.“

Die Basis der aktuellen „Lizenz zum Töten“ sei eine neue Verordnung, die laut einer Analyse des WWF zahlreiche rechtswidrige Punkte enthalte. So fehle eine Einzelfallprüfung, die nach der europäischen Artenschutz-Richtlinie (FFH) zwingend erforderlich wäre, heißt es vom WWF. Zudem fehlen Beteiligungsrechte und Kontrollbefugnisse der Öffentlichkeit. So kann gegen die aktuelle Abschuss-Erlaubnis kein Rechtsmittel eingelegt werden, was ebenfalls EU-rechtswidrig ist, sagt der WWF.

Informationsveranstaltung am Donnerstag

Bei einer Informationsveranstaltung in Stall hatten am Donnerstagvormittag Gemeindevertreter, Jäger, betroffene Landwirte sowie die Bevölkerung von Stall die Möglichkeit offene Fragen zu klären. Das sei auch deshalb wichtig, weil der Wolf ein durch EU-Vorgaben streng geschütztes Tier ist und die Bevölkerung informiert werden muss, dass die Entnahme von Einzeltieren aufgrund des EU-Rechts nur in bestimmten Fällen und nach Einhaltung eines bestimmten Prozederes rechtlich zulässig ist, sagte Gruber. „Das muss immer berücksichtigt werden, auch wenn ich die Sorgen und die Verunsicherung bei den Betroffenen voll und ganz verstehe und daher jeden rechtlichen Spielraum nutze, damit wir die Bevölkerung sowie unsere Landwirtschaft und ihre Nutztiere rasch schützen können.“