Landwirtschaft

Hilfe für Bauern in persönlichen Krisen

Der Fall von kranken und verletzten Schweinen in einem Mastbetrieb hat für Entsetzen gesorgt. Die AMA will nun viermal mehr Schweine in bessere Haltebedingungen bringen, als jetzt. Für überforderte Bauern und in Krisensituationen gibt es außerdem mehr Hilfe, als bekannt ist.

Für die Konsumenten habe durch die vernachlässigten, kranken Tiere eines Schweinemastbetriebes im Bezirk Klagenfurt-Land keine Gefahr bestanden. Das betonten offizielle Stellen nach dem Auffliegen der Missstände in einem AMA-Betrieb. Die kranken Tiere seien noch nicht zum Schlachten gebracht worden, dort wäre ihr Zustand aufgefallen.

Oft steckt menschliches Leid dahinter

Hinter dem Leid von vernachlässigten Tieren steckt meist auch menschliches Leid. Krankheit oder wirtschaftliche Probleme führen dazu, dass die Tierhalter mit dem Rücken zur Wand stehen, sagte Friederike Parz von der Landwirtschaftskammer Kärnten. Nicht Wegschauen, sondern Hinschauen sei angesagt: „Solche Menschen sind oft nicht mehr in der Lage, selbst Hilfe zu holen. Da ist das Umfeld gefordert, hinzuschauen und zu sagen, ruf dort an, sie können Dir helfen.“

Parz arbeitet mit zwei Psychologinnen der Kammer zusammen, die nach Hilferufen auch direkt auf die Höfe fahren. Es gibt aber noch mehr Angebot: „Wir arbeiten mit den Tierärzten sehr gut zusammen, aber auch mit dem psychiatrischen Not- und Krisendienst. Es gibt auch das bäuerliche Sorgentelefon, wo man anonym anrufen kann, die Caritas-Telefonberatung, es gibt viele Stellen, wo man hingehen kann. Man braucht nur einmal den Kontakt, dann funktioniert das.“

Notrufnummern

  • Bäuerliches Sorgentelefon 0810 676810
  • Caritas: 142
  • Psychologische Beratung Landwirtschaftskammer: 0463 5850 1394
  • Psychiatrischer Not- und Krisendienst: 0664 300 700 7

Positive Intervention möglich

Meist sei es eine Generationenfrage, ältere Bauern und Bäuerinnen seien es nicht gewohnt, über Probleme zu sprechen. Parz berichtet von einem Positivbeispiel. Sie erinnere sich an eine Bauernfamilie, wo eine Bäuerin überfordert war, weil sie glaube, alles allein machen zu müssen: „Die Jungen sind vom Hof weggegangen, weil sie es nicht ausgehalten haben. Die Schwester hat uns angerufen und gebeten, dort hinzugehen und mit ihr zu reden. Wir haben es geschafft, dass die Frau nicht mehr alles allein machen wollte und auch die Jungen sind zurückgekommen.“

Hilfe sei ohne Gesichtsverlust möglich, sie müsse nur angenommen werden, dann könne auch Tierleid vermieden werden.