Schlafender Weimaraner
OLI SCARFF / AFP / picturedesk.com
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„Tier und wir“

Vom Wildtier zum Haustier

Die Geschichte der Haustiere ist jahrtausendealt. Von der Zähmung des Wolfes bis hin zur Haltung von Nutztieren machten Menschen sich Tiere zu Diensten. Die einen, um gegessen zu werden, die anderen zur Bewachung und für die Jagd und andere wiederum als Begleiter und Gefährten.

Es gibt Haustiere, Heimtiere, Nutztiere und Wildtiere. Ein Reptil zum Beispiel, das in einem Terrarium gehalten wird, ist ein Heimtier. Allerdings kein domestiziertes Haustier. Ein Nutztier ist aber zugleich Haustier. Tierarzt Volker Moser über den tierischen Begriffsschungel: „Haustier ist ein Sammelbegriff für die Tiere, die man in die verschiedenen menschlichen Lebensbereichen aufnimmt. Wenn ein Nutzen in Hinsicht auf Arbeitsleistung oder Leistung in der Produktion von tierischen Lebensmitteln besteht, werden sie in einer eigenen Gruppe der Nutztiere zusammengefasst.“

Lebendrekonstruktion eines in Braunschweig gefundenen Auerochsenbullen
Irgendwann trauten sich die Menschen auch die Domestikation eines Auerochsen zu

Mehr Arbeit durch Haustiere

Haustiere entstanden durch die Domestikation von Wildtieren. Man habe Haustiere als lebende Nahrungslieferanten gesehen und gebraucht, der Mensch sei unabhängiger vom Jagderfolg geworden, so Moser. Aber die Domestikation habe für den Menschen auch mehr Arbeit bedeutet. Man musste ausbruchssichere Ställe und Gehege bauen und die Futter- und Wasserbeschaffung organisieren.

Auerochse war Urfahr heutiger Rinder

Der Beginn der Haustierhaltung war erst möglich, als sich die Lebensbedingungen verschiedener Völker änderten: „Man spricht hier von der neolithischen Revolution um 8.000 bis 9.000 vor Christus.“ Wahrscheinlich waren es Schafe und Ziegen, die die ersten domestizierten Tiere waren. Das sei auch naheliegend, denn die kleinen Wiederkäuer seien ja durch ihre geringe Größer leichter beherrschbar: „Darauf dürfte das Schwein gefolgt sein, das war auch nicht übermäßig groß und wurde in Koben gehalten. Ein andere Thema war es schon, den großen und starken Auerochsen zu domestizieren, den Vorfahren der heutigen Rinder.“

Erst viel später wurde das Pferd zum Haustier. Laut Moser gibt es Hinweise darauf, dass diese Domestikation in unterschiedlichen Regionen zur gleichen Zeit stattgefunden hat. „Die großen Entfernungen der Funde ließen nicht zu, dass es zu Wanderungen gekommen ist. Die frühesten Haustierfunde stammen aus den Berghängen bei Euphrat und Tigris. Man kennt die Region Israle, Libanon, Syrien, Irak und Iran. Es ist denkbar, dass sich Jäger und Sammler wegen der Trockenheit in das Hügelland begaben und mit dem Ackerbau auch die Viehzucht begannen.“

Herde von Schwarznasenschafen im Schnee
ORF
Schafe und Ziegen gehörten zu den ersten Nutztieren

Hornlose Rinder bevorzugt

Die Züchtung der Tiere war eine kulturelle Leistung des Menschen. Zu Beginn seien die domestizierten Tiere kleiner als die Wildform. Sie seien auch variantenreicher gewesen, die Rippen seien stärker gewölbt gewesen, die Beine seien kürzer geworden, dafür hatten sie mehr Muskeln. Auch die Kopfform habe sich verändert, so Moser: „Wenn wir hier an die Wiederkäuer denken, kamen plötzlich auch hornlose Varianten vor, die bevorzugt wurden. Denn die Verletzungsgefahr war geringer.“

Vom Wolf zum Schoßhund

Zu den ersten Haustieren der Menschen zählt der Hund. Sein Vorläufer, der Wolf, wurde domestiziert und diente zunächst einem bestimmten Zweck. Er wurde notwendig, als der Mensch begann, Nutztiere zu züchten und diese vor Raubtieren schützen musste. Durch die Zucht veränderte sich auch der Hund und als kleinere Hunderassen entstanden, entwickelte sich neben dem Herdenschutzhund und dem Jagdhund der so genannte Liebhaberhund.