Biene auf Cercis Chinensis
Felix Schlatti
Felix Schlatti
Lifestyle

Liebesbaum mit Herzchenblättern

Am Valentinstag werden vor allem Blumen verschenkt. Ein Symbol der Wertschätzung für liebe Menschen aber auch Vorfreude auf den Frühling. Es gibt sogar einen Liebesbaum, der auch in Kärnten wächst und den Namen Cercis Chinensis trät. Er blüht Anfang Mai prachtvoll, seine Blätter erinnern an Herzchen.

„Der Liebesbaum sieht zur Blütezeit aus, als wäre er mit purpurroter Farbe übergossen. Er erinnert ein bisschen an einen Blumenstrauß in der Größe eines kleinen Baumes. Der Blütephase folgt der Austrieb der Blätter, die wie kleine Herzchen aussehen“, sagt Botaniker Felix Schlatti vom Kärntner Landesmuseum.

Bereits 1671 erwähnt

Der Liebesbaum wird deshalb auch manchmal Herzbaum genannt. Warum dieser üppig blühende Baum Liebesbaum genannt wird, weiß man nicht genau. Doch der Name „Liebesbaum“ ist nicht neu und ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Wenn man sich ältere Bücher ansieht, komme darin der Name durchaus schon vor, so Schlatti: „Bereits 1671 im Buch Theatri Botanici von Gaspard Bauhin. Da wird der Baum bereits arbos amoris genannt. Nicht genau beschrieben ist allerdings warum.“ Man könne davon ausgehen, dass der Name daher komme, dass der Baum herzförmige Blätter habe, dass er im Frühling wunderschön blühe und durch seine Schönheit vielleicht auch Frühlingsgefühle wecke, so der Experte.

Knospen auf dem Liebesbaum
Felix Schlatti
Knospen am Liebesbaum

Ursprünglich als Judasbaum bekannt

Der „Liebesbaum“ ist jedoch vor allem unter dem Namen „Judasbaum“ bekannt. Um diese Bezeichnung ranken sich einige Legenden: „Es heißt zum Beispiel, dass sich Judas Iscariot an einem Judasbaum erhängt haben soll.“

Auch in anderen Sprachen ist der Name „Judasbaum“ gebräuchlich. So heißt er zum Beispiel auf Englisch judas tree oder auf Französisch arbre de Judée: „Wenn man das allerdings ins Deutsche zurück übersetzt heißt das nicht mehr Judasbaum, sondern Baum aus Judäa. Darin steckt auch der Ursprung dieses Namens: Man dachte sich in früheren Zeiten, dass der Baum aus Judäa, also aus dem westlichen Mittelmeerraum, kommen würde. Es wurde dann in andere Sprachen falsch übersetzt.“

Weberschiffchen und Schotenfrucht namensprägend

Der wissenschaftliche Name des gewöhnlichen Liebesbaumes ist „Cercis siliquastrum“, so Botaniker Schlatti: „Beide Teile dieses Namens leiten sich von den Früchten der Pflanze ab. Cercis kommt von dem griechischen Wort Kerkis, das für Weberschiffchen steht. Die Früchte haben eine Ähnlichkeit mit einem kleinen Gerät, das man früher zum Weben von Teppichen brauchte.“

Der zweite Teil des Namens siliquastrum kommt von dem wissenschaftlichen Namen Siliqua, also Schotenfrucht. Die Früchte des Liebesbaumes sehen zwar aus wie Schoten, sind aber wissenschaftlich gesehen Hülsen, wie Erbsen oder Bohnen.

Acht bis neun verschiedene Arten gibt es auf der nördlichen Hemisphäre, so Schlatti. Fünf davon in China, zwei in Nordamerika, eine im Mittelmeerraum und in Westasien und noch eine in Zentralasien. „Sie ist allerdings der zuerst genannten so ähnlich, dass man sie häufig zu einer Art zusammenfasst, nämlich zum gewöhnlichen Judasbaum.“

Stammbürtige Blütenstände der Cercis Chinensis
Felix Schlatti

Kauliflorie: Blüten wachsen direkt aus Stamm

Markant sind die Blüten des Liebesbaumes. Wenn er blüht, sieht er aus wie ein riesiger Blumenstrauß. Der ganze Baum ist mit Blüten übersät, auch der Stamm und die Äste, erklärt Botaniker Felix Schlatti vom Kärntner Landesmuseum: „Über den ganzen Stamm verteilt, auch auf den Ästen, trägt er Blütenknospen. Daraus entwickeln sich dann im Mai die Blütenstände und dann im Laufe des Jahres bilden sich dann diese zu Knospen weiter. Es bleibt ein kurzer Trieb erhalten, der so kurz ist, dass er nicht weiter auffällt.“

So ein Trieb wächst ungefähr einen halben Millimeter pro Jahr, ähnlich wie der Stamm in die Dicke wächst und blüht jedes Jahr von neuem auf. Dass Blüten direkt auf dem Stamm entspringen ist ein Phänomen, das man eher von tropischen Bäumen kennt, sagt Schlatti: „Man nennt es Kauliflorie. Es tritt meistens bei Bäumen auf, die sehr große, schwere Früchte haben, wie der Kakao- oder der Kalebassenbaum.“ Im Unterschied dazu seien die Früchte des Liebesbaumes aber nicht besonders groß. Warum die Pflanze direkt Blüten aus dem Stamm macht, ist eigentlich nicht erklärbar. „Es ist einfach interessant und schön und wir erfreuen uns daran, aber einen wirklichen Nutzen erkennen wir nicht.“

Purpur- bis rosarote Blütenpracht

In den Tropen kommt die Kauliflorie oft vor. In der gemäßigten Zone allerdings nicht. Dort ist der Liebesbaum laut Schlatti mit Abstand das auffälligste Beispiel der kaulifloren Bäume. Die Blüten des Liebesbaumes sind relativ klein, dafür sind es ja dementsprechend viele. Jeder Blütenstand besteht aus vier bis zehn einzelnen Blüten. Tausende Blütenstände befinden sich auf einem ausgewachsenen Liebesbaum.

Die Farbe der Blüten ist purpur- bis rosarot. „Wir haben hier Blüten vorliegen, wie man sie vom Prinzip her von der Bohne kennt, also Schmetterlingsblüten. Sie sind in einen Kelch und eine Krone gegliedert. Beim Liebesbaum ist allerdings auch der Kelch nicht grün, sondern purpurrot gefärbt. Die Krone ist dann etwas heller gefärbt. Sie ist purpur- bis rosarot“, so der Botaniker.

Lila Blüten auf dem Liebesbaum
Felix Schlatti
Blühender Liebesbaum

In Kärnten blüht der Liebesbaum Anfang Mai. Im vorderen Orient, in Israel, wo der Baum häufig vorkommt, kann er auch schon im Februar blühen. In Istrien, wo es ebenfalls natürliche Vorkommen gibt, blüht er auch deutlich früher als hier, etwa Ende März, Anfang April.

Für kleine Gärten bestens geeignet

Immer häufiger ist der Liebesbaum auch in Kärntens Gärten zu finden, da er sehr genügsam ist. Er verträgt Trockenheit und Hitze. Laut Schlatti komme er mit nur geringer Pflege aus: „Die Pflanzen sind sehr robust gegen das Stadtklima und gegen Einflüsse von schlechter Luft. Sie müssen auch nicht gegossen werden.“

Liebesbäume werden zwischen vier bis acht Meter hoch. „Sie passen in einen kleinen Garten, ohne dass man sie speziell schneiden muss. Es leidet auch der Blütenreichtum nicht darunter. Es muss nicht die Blüte durch Schnitt angeregt werden, weil die Blüten aus dem Stamm und den Ästen heraus blühen“, so Schlatti. Da Liebesbäume Tiefwurzler sind kann man sie auch mit kleinen krautigen Pflanzen kombinieren: „Es sind keine bodennahen Wurzeln da. Man kann also rundherum graben und Zwiebelpflanzen aussetzen. Das ist sehr praktisch.“