Geteilte Kirche Totale
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„Kennst du Kärnten“

Die geteilte Kirche am Kreuzbichl

Im Liesertal bei Gmünd befindet sich ein außergewöhnliches Bauwerk. Durch die geteilte Kirche am Kreuzbichl führt eine Straße. Auf der einen Seite befindet sich der Altarraum, auf der anderen die Betstühle für die Gläubigen.

Die zwei geteilte Kirche nordöstlich von Gmünd steht direkt an der ehemaligen Römerstraße, die über den Katschberg und die Tauern nach Salzburg führte. Alles begann mit einer kleinen Kapelle, einem Marterl, so Kärnten Guide Elisabeth Pernul: „Das ursprüngliche Marterl wurde 1588 erstmals urkundlich erwähnt. Dieser Kreuzbichl befand sich an der ehemaligen Römerstraße in der Mitte zwischen dem nördlichen Stadttor der Lieserstadt Gmünd und dem etwa einen Kilometer entfernten Galgenbichl, der Richtstätte der Stadt Gmünd.“

Rückansicht geteilte Kirche
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Die geteilte Kirche bei Gmünd

Erstmals 1588 urkundlich erwähnt

Das bedeutete, dass dort nicht nur Fußgänger und Fuhrwerksleute vorbeikamen um zu beten, sondern auch immer wieder zu Tode verurteilte Delinquenten auf ihrem Gang zum Galgenbichl. 1754 wurde aus dem Marterl, das auf der Ostseite des Straße stand, eine kleine Kapelle mit einem aufgesetzten Glockentürmchen errichtet: „Für mehr war zwischen Weg und Abhang kein Platz vorhanden. Über einen überdeckten Stiegenaufgang gelangt man in die Kapelle, wo der Priester agierte.“

Bild über dem Altar
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Gemalte Kreuzabnahme an der Altarwand

Die Kunstwerke an den Wänden aus dem 19. Jahrhundert stammen von Josef Messner: „An der Altarwand sehen wir eine gemalte Kreuzabnahme, an der Westwand den heiligen Florian und an der Ostwand die heilige Barbara.“ Dieser besondere Altarraum wurde zwei Meter über dem Fahrbahnboden errichtet und lediglich durch einen schmiedeeisernen Zaun abgesichert, so Elisabeth Pernul: „Weil aber Andachten und Gottesdienste ohne Gläubige nur eine halbe Sache sind erbaute man später auf der gegenüber liegenden Straßenseite als Vervollständigung der abgeschnittenen Kapelle ein zweigeschoßiges Gebäude mit Platz für die Kirchenbesucher, mit Betstühlen und Sitzbänken.“

Schmiedeeiserne Gitter schützen Besucher

Und auch dieser zweite Teil der Kirche ist auf der Straßenseite vollkommen offen, auch hier schützen nur schmiedeeiserne Gitter die Gläubigen davor, hinunter zu stürzen. Die Sicht der Gläubigen auf den Altarraum war jedenfalls gegeben. Und man konnte von dort aus dem Pfarrer bei seiner Predigt zuhören: „Es sei denn, es knatterte gerade ein Fuhrwerk durch die Kirche. Auf diese Weise entstand ein einzigartiges Gotteshaus, das wie in zwei Teile gespalten aussieht und durch das der ursprüngliche Weg zum Katschberg führt.“

Seiteneingang Kirche
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Eingang zum Altarraum

Heutzutage gibt es nur noch zu besonderen Anlässen Gottesdienste in der geteilten Kirche von Gmünd, besonders beliebt ist die Kirche für Taufen und Hochzeiten. Die Straße durch die Kirche gibt es heute noch, sie ist öffentlich und wird fallweise vom lokalen Verkehr und von landwirtschaftlichen Fahrzeugen benutzt. Und das macht diese Kirche weiterhin so einzigartig. Nicht nur hierzulande, so Pernul: „Diese Art von Gotteshaus ist in Kärnten und wohl über unser Bundesland hinaus einzigartig und jedenfalls einen Besuch wert.“

Eine ähnliche Kirche gibt es auch in Arnoldstein – die Kreuzkapelle wird ebenfalls durch eine Straße getrennt.