Studienanwärterinnen für das Medizinstudium in der Messe Wien
APA/Roland Schlager
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Politik

Land will mehr Medizinstudenten zulassen

Die Landesregierung hat in ihrer Sitzung am Mittwoch eine Resolution an ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) eingebracht und fordert, die Zugangsbeschränkung für das Medizinstudium aufzuheben oder die Anzahl der Studienplätze zu erhöhen.

Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) machte das Problem deutlich: „Wir hatten heuer 17.823 Maturantinnen und Maturanten, die sich für ein Medizinstudium interessiert haben. Wissen Sie, wie viele wir nach Hause geschickt haben? 16.000 – wir haben 91 Prozent nach Hause geschickt.“ Offenbar halte man sich an eine magische Zahl, die nicht durchbrochen werden könne, das seien 1.740, die werden zum Studium zugelassen. Und das, obwohl jeder wisse, man brauche mehr Ärztinnen und Ärzte, so Prettner, selbst Ärztin.

Von den besagten Studienplätzen seien nur 75 Prozent für Studienwerbende mit einem Reifezeugnis aus Österreich vorgesehen. Daraus könne man schließen, dass die restlichen 25 Prozent nach ihrem Studium wohl wieder in ihr Heimatland zurückkehren und nicht in Österreich als Arzt tätig werden, sagte Prettner.

Auch Mangel in Facharztbereichen

Kärnten sei zumindest noch in der glücklichen Lage, alle hausärztlichen Kassenordinationen besetzen zu können – im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern. Aber es werde auch hier immer zäher, so Prettner. Zäh werde es auch in diversen Fachbereichen: Insbesondere in den Fachbereichen Allgemeinmedizin, Chirurgie, Radiologie, Anästhesiologie, Pathologie.

„Beschränkung oft soziale Selektion“

Die Situation derzeit sei untragbar, sagte Landeshauptmann Petera Kaiser (SPÖ). Einerseits wisse man gerade in der Pandemie um die Bedeutung von Gesundheit, was auch alle betonen. Andererseits fessle man sich selbst mit den Zugangsbeschränkungen: „Die auch oft in soziale Selektionen abzugleiten drohen. Daher ist es wichtig, dass wir dem demografischen Wandel folgen.“ Daher habe man die dringende Resolution verabschiedet, so Kaiser.

Landesrat Martin Gruber (ÖVP) sprach von der „dringenden Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung auch in ländlichen Regionen“, die Sorge darum sei in allen Workshops zum Masterplan Ländlicher Raum zum Ausdruck gebracht worden.

Team Kärnten unterstützt Resolution

Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer unterstützt die in der Regierungssitzung beschlossene Resolution „Anhebung der Zugangszahlen zum Medizinstudium“ und erinnerte in einer Aussendung daran, dass er bereits seit Jahren fordere, die Zugangsbeschränkungen zum Medizinstudium zu lockern. Die Zugangsbeschränkungen seien auch deshalb nicht mehr angebracht, weil in den kommenden Jahren rund 50 Prozent der Allgemeinmediziner in den Ruhestand treten werden, so Köfer.

FPÖ: SPÖ hat Mitschuld

In einer Aussendung der FPÖ sagte Landesparteichef Erwin Angerer, die Ablehnung einer Medizin-Privatuni vor acht Jahren durch die SPÖ sei ein fataler Fehler gewesen. 2013 habe die SPÖ das Projekt abgedreht und gemeint, eine Zusammenarbeit mit der Uni Graz würde genügen. Die FPÖ habe auch längst den Antrag im Landtag eingebracht, dass man Stipendien für Medizinstudenten einführt, die sich verpflichten, nach ihrer Promotion im Kärntner Gesundheitswesen z.B. als Hausärzte zu arbeiten. Der Antrag liege seit Monaten unbehandelt in den SPÖ-Schubladen.