Chronik

Mangel an Gebärdensprach-Dolmetschern

In Kärnten sind nur zwei Gebärdensprach-Dolmetscherinnen aktiv. Mehr Dolmetscher wären gefragt, sind aber kaum zu bekommen. Es gibt in Kärnten keine Ausbildungsmöglichkeit, andere Bundesländer sind viel besser aufgestellt. Dolmetscher ermöglichen eine direkte Konversation von Gehörlosen und Hörenden in allen Lebensbereichen.

Eva Sacherer ist eine der zwei Dolmetscherinnen in Kärnten. Sie sagte, sie und ihre Kollegin müssten leider viele Anfragen absagen. Nur das Nötigste könnte abgedeckt werden. Es gehe über Elternabende in Kindergarten und Schule bis zu Führerscheinausbildung oder Begräbnisse, überall werden Gebärdensprach-Ddolmetscher benötigt. Auch Behördentermine oder Informationsveranstaltungen decke man ab.

Bezogen auf die Einwohnerzahl hat Kärnten besonders wenige Gebärdensprach-Dolmetscher. Anders als in Tirol, Salzburg oder Oberösterreich gibt es auch keine Ausbildungsmöglichkeit, so Sacherer. In den ausbildenden Bundesländern sei das Kontingent dann auch größer. Die Ausbildung dauert bis zu vier Jahre, da müsse man länger in dem Bundesland bleiben, die sie anbieten. Viele bleiben dann überhaupt dort.

Österreichische Gebärdenbuchstaben
ORF/Petra Haas

Auch im täglichen Leben gefragt

Für Veranstaltungen und Live-Streams – wie etwa bei Pressekonferenzen in der Landes – werden immer wieder Gebärdensprach-Dolmetscher aus anderen Bundesländern eingesetzt. Noch viel dringender bräuchten die rund 500 bis 600 Gehörlosen in Kärnten zusätzliche Gebärdensprach-Dolmetscher im täglichen Leben, so Sacherer. Derzeit sind es vor allem Verwandte oder Freunde, die diese Aufgabe übernehmen. „Das birgt die Gefahr, dass man nicht selbst kommuniziert, sondern dass über einen geredet wird und man selbst im Gespräch oft nicht mit dabei ist. Wir stellen aber die Brücke der Kommunikation her, damit beide Seiten direkt kommunizieren können.“

Österreichweit gibt nach Angaben des Dachverbandes der Gebärdensprach-Dolmetscher und Übersetzter rund 120 geprüfte Dolmetscher. In den Skandinavischen Ländern sind es bei gleicher Einwohnerzahl fünf- bis achtmal mehr.