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RWE und Kelag weiterhin gute Partner

Dienstag und Mittwoch war Markus Krebber, der neue Vorstandsvorsitzende des deutschen Energiekonzerns RWE, auf Antrittsbesuch in Kärnten. RWE hält seit 20 Jahren durchgerechnet 38 Prozent am Kärntner Energieversorger Kelag. Krebber sprach über grüne Energie und die Zukunft des Kärntner Stromversorgers.

Die Kelag ist so etwas wie die grüne Perle im Portfolio von RWE. Der deutsche Konzern setzt immer noch zu einem Großteil auf Gas, Kohle und Atomenergie. Nur 20 Prozent sind bisher erneuerbar. Der Ausbau läuft, versicherte der frühere RWE Finanzchef und neue Vorstandsvorsitzende Markus Krebber bei seinem Antrittsbesuch in Kärnten.

Auf Kelag kommen Herausforderungen zu

Die Kraftwerksgruppe Fragant in den Tauern begeistere ihn, sagte Krebber:„Wie man im Grunde jeden Tropfen mehrfach nutzt, mit der Flexibilität der Pumpspeicher dazwischen um Strom zu produzieren. Das ist schon ein beeindruckendes System." Bei der Kelag sind es bereits heute 100 Prozent grüner Strom. Das ist wohl ein Grund für die Partnerschaft, die erst im Herbst des vergangenen Jahres um zehn Jahre verlängert wurde.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Partnerschaft und haben derzeit überhaupt keinen Anlass daran etwas zu verändern“, so der RWE Vorstandsvorsitzende. Doch auch auf die Kelag sieht Krebber Herausforderungen zukommen. Die Energiewende werde den Strombedarf verdoppeln, schätzt er. Wachstumspotential ortet der Energieexperte vor allem bei Wind- und Solarenergie. In diesem Bereich stünden aber oft Anrainer oder Behörden auf der Bremse.

Auch grüner Strom braucht Anlagen

„Wir wollen eine Energieversorgung. Diese soll grün sein. Die Anlagen müssen dann aber auch irgendwo gebaut werden und dann kommt das Individualinteresse, das dem Kollektivinteresse entgegensteht und sagt, aber bitte nicht bei mir. Das kann nur politisch gelöst werden“, so Krebber.

Rechtliche Rahmenbedingungen, wie die Kärntner Windkraftstandorträume-Verordnung oder das Verbot für Sonnenenergie auf freien Flächen, sieht der RWE-Chef kritisch. „Ich frage mich da immer, was will man da erreichen, weil meistens sind es Einzelfälle, die da zu beurteilen sind und man schließt ja dann Sachen aus, die vielleicht Akzeptanz finden würden. Ich finde diese Ausschlusskriterien eher schwierig.“

Energie langfristig billiger?

Die Preisentwicklung am Strommarkt dürfte laut Krebber stabil bleiben. Langfristig könnte Energie für die Endkunden sogar wieder billiger werden, schätzt Krebber. Die Angst vor dem Schreckgespenst Blackout sei bei ihm nicht besonders ausgeprägt, eher vor einem Schrumpfen der Wirtschaft, weil die Versorger wegen enger politischer Rahmenbedingungen mit der Nachfrage nicht Schritt halten können.

Auch die Szenarien zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern im Verkehr werden immer konkreter. Immer mehr Automobilkonzerne kündigen das Ende der Diesel- und Benzinautos an. Dass es für die vielen neuen Elektroautos zu wenig Strom geben könnte, glaubt der RWE-Vorstandsvorsitzende nicht.

Individualverkehr zu 95 Prozent elektrisch

„Natürlich wird der Strombedarf ein bisschen nach oben gehen, aber das wird relativ gering. Das Hauptproblem wird im Netzausbau liegen, bei der Ladeinfrastruktur. Da sehe ich die großen Herausforderungen. Wie kriegt man vor allem in den Innenstädten, das Netz aufgebaut für diese ungeheure zusätzliche Kapazität“, fragte Krebber.

Elektro-Mobilität dürfte künftig etwa 20 Prozent des Gesamtstromverbrauchs ausmachen, schätzt der Strom-Manager. Wasserstoff sieht er nicht als die Zukunftstechnologie für die breite Masse. „Beim Individualverkehr wird am Ende über 95 Prozent über Elektrifizierung abgedeckt werden. Beim Schwerlastverkehr bleibt es abzuwarten“.

Dafür könnte Wasserstoff interessant werden und RWE investiert auch in diese Technologie, vor allem um Industrie- und Wärmekunden zu versorgen. „Wir wissen, viele industrielle Prozesse, die nicht elektrifiziert werden können, haben im Grunde genommen langfristig nur Wasserstoff als Technologie um CO2-frei zu werden“, so der RWE-Chef.