Strahlenmessbus Aufschrift Heck
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Chronik

Kärnten hat ersten Strahlenmessbus

Das Land Kärnten hat nun den ersten Strahlenmessbus in Österreich angeschafft. Damit will man permanent radioaktiven Bedrohungen schneller auf die Spur zu kommen. Die größte Gefahr geht vom Atomkraftwerk Krsko in Slowenen aus, aber es gibt auch kleinere radioaktive Quellen.

Sollte es im Atomkraftwerk in Krsko zu einem größeren Unfall kommen, sind die Auswirkungen 100 Kilometer weiter in Kärnten sofort spürbar. Das bereits bestehende Frühwarnsystem mit seinen 36 Messpunkten in ganzen Land würde sofort anschlagen. Der Bus soll nun zusätzliche Sicherheit bringen, hieß es bei einer Pressekonferenz der Landesregierung am Donnerstag.

Strahlenmessbus vor Landesregierung
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Der Strahlenmessbus vor der Landesregierung in Klagenfurt

Grünes Licht für Krsko-Ausbau

„Dieser Tage hat die slowenische Regierung noch dazu grünes Licht für einen weiteren Ausbau des Kernkraftwerkes gegeben“, sagte Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ). Zum Glück seien AKW-Unfälle Seltenheit.

Prettner: „Dennoch können sie passieren. Und sie passieren tatsächlich. Denken wir an Fukushima. Denken wir an Tschernobyl." Aber auch Transportunfälle, radioaktive Funde im Schrott, Schmuggel und ähnliches seien weitere Risikoherde. Kärnten sei nun das einzige Bundesland, das über ein solches Messlabor verfügt. „Wir nennen es den Kärntner Strahlenmessbus KÄRN:MESS“, sagte Prettner.

Gesundheitsreferentin Beate Prettner und Strahlenschutzexperte Rudolf Weissitsch
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Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) und Strahlenschutzexperte Rudolf Weissitsch am Heck des Strahlenmessbuses

Rasche Bestimmung der Gefahrenquelle vor Ort

Der Bus ist mit allen notwendigen Gerätschaften ausgerüstet, um eine rasche Bestimmung der Gefahrenquelle vor Ort zu gewährleisten. "Besonders bei einem AKW-Unfall sind weitreichende Messungen von Boden, Pflanzen, Wasser, Messungen der Lebensmittel und Messungen der Futtermittel erforderlich. Mit KÄRN:MESS können direkt vor Ort Messungen durchgeführt werden. „Schon nach wenigen Minuten erhalten wir die Auswertungen“, sagte der Strahlenschutzbeauftragte des Landes, Rudolf Weissitsch. Durch die rasche und korrekte Information sollen Angst, Stress und Panik – etwa durch Falschmeldungen auf Social Media – verhindert werden.

Gekostet hat der Bus rund 120.000 Euro. Jeweils die Hälfte entfallen auf den eigentlichen Bus und auf das Innenleben. „Dieses Equipment wird laufend weiterentwickelt. Denn Messsysteme entwickeln sich permanent und ebenso permanent folgen die Updates des Busses“, sagte der Strahlenschutzbeauftragte des Landes, Rudolf Weissitsch.

Cäsium-Belastung wird in Karten zusammengefasst

Damit der Bus nicht nur im Notfall eingesetzt wird, erstellt das Land Kärnten damit auch zwei „Landkarten“, die laufend vervollständigt und aktualisiert werden, sagte Prettner. Es handle sich dabei zum einen um eine Cäsium-Landkarte und zum anderen um eine Pilzlandkarte.

„Mit der Cäsium-Landkarte werden wir die erste flächendeckende Cäsium-Bestandsaufnahme eines Bundeslandes erstellen. Diese liefert uns Basiswerte, die im Fall eines ‚Strahlenereignisses‘ zum Vergleich herangezogen werden können. Mit der Pilzlandkarte haben wir cäsiumbelastete Pilze geographisch zuordenbar erfasst. Auch das dient uns bei einer Kontamination von Teilen unseres Bundeslandes als Vergleichswert“, sagte Weissitsch.

Kärnten hat ersten Strahlenmessbus

Das Land Kärnten hat nun den ersten Strahlenmessbus in Österreich angeschafft. Damit will man permanent radioaktiven Bedrohungen schneller auf die Spur kommen. Die größte Gefahr geht vom Atomkraftwerk Krsko in Slowenen aus, aber es gibt auch kleinere radioaktive Quellen.

Regelmäßige Notfallübungen

Im Gegensatz zu den Ereignissen der Vergangenheit, wie zum Beispiel Tschernobyl, gebe es heute eine aktive Informationspolitik, die durch bilaterale Verträge mit den Nachbarstaaten, dem Strahlenfrühwarnsystem und die enge Zusammenarbeit durch Informations- und Datenaustausch auf internationaler Ebene sichergestellt werde, hieß es bei der Pressekonferenz.

Die verschiedenen Szenarien werden national und international in Form von Notfallübungen regelmäßig getestet. „Selbst bei Worst-Case-Szenarien sind nach internationalen Standards Evakuierungen in Österreich auch für grenznahe Kernkraftwerk-Unfälle nicht erforderlich, weil die anderen vorgesehenen Schutzmaßnahmen – wie Aufenthalt in Gebäuden und Jodblockade durch Einnahme von Kaliumjodid-Tabletten – ausreichend sind“, sagte Weissitsch.