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Gesundheit

Intensivmediziner-Appell pro Impfung

Nachdem die Zahl der Covid-19-Erkrankungen durch neue Varianten wieder „besorgniserregend steigt", wenden sich Kärntner Intensivmediziner und Anästhesisten mit einem Appell direkt an die Bevölkerung: „Lassen Sie sich impfen“. Eine Impfpflicht wird neben dem Gesundheitsbereich für weitere Berufsgruppen gefordert.

Die beiden Intensivmediziner Michael Zink und Rudolf Likar wissen, wovon sie reden. Beide haben mit ihren Teams täglich auf den Intensivstationen mit Covid-Patienten zu tun, die oft wochenlang mit dem Tod ringen. Die Ärzte warnen vor einer trügerischen Sicherheit und einem angeblichen Rückgang der grassierenden Epidemie. Denn die hochinfektiöse Delta-Variante lässt die Zahl der Neuinfektionen in Österreich weiter steigen. Am Donnerstag wurden 451 neue Fälle gemeldet – der höchste Wert seit Ende Mai. In Kärnten kamen 21 Infizierte hinzu.

„Nicht von Statistik und Sommerloch blenden lassen“

Primarius Michael Zink sagte: „Wir dürfen uns nicht von einigen statistischen Zahlen und dem Sommerloch blenden lassen.“ Die Impfung gegen „diese heimtückische Krankheit“ sei lebenswichtig, welcher Impfstoff verwendet werden, sei „egal“. Denn das Virus mache weder vor betagten Menschen noch vor Jugendlichen halt. „Von Langzeitfolgen ganz zu schweigen“, so Zink. Leider müssten behandelnde Ärzte seit Monaten miterleben, wie auch Menschen ohne schwere Vorerkrankung und mit sportlicher Natur später mit kaputten Organen „um ein wenig Luft“ kämpfen müssten.

Eine Impfung schützt den Medizinern zufolge „fast alle“ vor einer Ansteckung oder einer möglichen Weitergabe der Krankheit. Zumindest aber mildere sie, nach bisheriger Erfahrung, mit noch größerer Wahrscheinlichkeit einen sonst schweren Verlauf und verhindere damit den Aufenthalt im Krankenhaus oder auf einer Intensivstation.

Vierte Welle nur mit Impfung zu verhindern

Schließlich gehe es auch, so die erfahrenen Mediziner, bei der derzeitigen noch immer viel zu niedrigen Impfrate um das Verhindern einer so genannten „vierten Welle“, etwa durch die ansteckendere Delta-Variante und einem neuerlichen Lock-Down, der die Menschen wieder isoliert und der Wirtschaft Milliarden kostet.

Auch wenn nachvollziehbar sei, dass sich die Menschen endlich nach einem „normalen“ Lebensgefühl sehnen, sei weiterhin äußerste Vorsicht geboten, betonte Rudolf Likar. Ob auch die Verabreichung einer dritten Impfung notwendig sein werde, könne man – angesichts neuer Mutationen und Varianten wie der kolumbianischen Art in Kärntner Abwässern – noch nicht mit Bestimmtheit sagen.

„Unsichere“ Impfung versus häufige Langzeitschäden

Möglichen Impfgegnern und hartnäckigen Corona-Leugnern stellen die Ärzte die Rute ins Fenster. Denn sie würden mit ihrer Haltung nicht nur sich, sondern Familienmitglieder, Freunde und Kollegen gefährden, so Likar: „Wir müssen gemeinsam gegen diese Pandemie vorgehen. Viele argumentieren, dass es keine Langzeitergebnisse mit der Impfung gebe. Wir können jedoch sicher feststellen, dass die kurz- und mittelfristigen Erfahrungen mit der Erkrankung ein klares Bild zeichnen. Die Langzeitschäden der Erkrankung sind schlimm und füllen noch jetzt die Betten der Krankenhäuser mit Patientinnen der letzten CoVid-Wellen. Derartige Beobachtungen gibt es bei den Geimpften praktisch nicht.“

Wenn aber alle zusammenhielten und alle sich impfen ließen, werde diese Pandemie bald ihren Schrecken verlieren, so der Appell der beiden Ärzte.

Likar fordert Impfpflicht für viele Berufsgruppen

Heiß diskutiert wird momentan auch eine Impfpflicht für gewisse Berufssparten. Zuletzt haben sich die Lehrervertreter und die Wirtschaftskammer mit diesem Thema beschäftigt. Angedacht ist zum Beispiel eine Impfpflicht bei Neuanstellungen im Gesundheitsbereich. Für den Intensivmediziner und Anästhesisten am Klinikum Klagenfurt, Rudolf Likar, geht das zu wenig weit, er fordert eine Impfpflicht für viele Berufsgruppen: „Ich denke, für das Personal im Gesundheitswesen sollte man wirklich eine Impfpflicht einführen. Natürlich nicht nur für die neu Einzustellenden, sondern es sollte eine Impfpflicht für alle sein, die im Gesundheitswesen arbeiten. Aber auch Personal, das viel mit Menschen zu tun hat – das kann im Gastgewerbe sein, aber auch Lehrer. Das sollte man wirklich seriös diskutieren und für eine Impfpflicht eintreten, wenn wir andere Menschen beschützen können.“

Impfpflicht bedeutete Eingriff in Grundrechte

In Österreich gibt es keine generelle Impfpflicht, sondern nur Empfehlungen für bestimmte Impfungen. Eine solche Empfehlung wurde auch für die Coronavirus-Schutzimpfung ausgesprochen. Vor Einführung einer Impfpflicht müsste ein entsprechendes Gesetz erlassen werden, denn eine Impfpflicht würde mehrere Eingriffe in die Grundrechte bedeuten.