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Gesundheit

CoV-Intensivpatienten leiden lange

In den Krankenhäusern werden derzeit 16 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Sie kämpfen um ihr Leben, müssen beatmet und in Tiefschlaf versetzt werden. Die Zeit danach ist schwierig, viele reagieren mit einem Delir, geistiger Verwirrung, auf das Aufwachen.

Es ist die lange Dauer der Beatmung, die die Zeit danach sehr schwierig mache, sagte Intensivmediziner und Coronavirus-Koordinator im Klinikum Klagenfurt, Rudolf Likar: „Normalpatienten, also nicht Covid-Patienten, haben eine Aufenthaltsdauer im Schnitt von vier bis fünf Tagen auf der Intensivstation. Die Patienten, die Covid haben, liegen oft zwei, drei Wochen auf der Intensivstation.“

Auch Lufthelme werden verwendet, das bedeutet dann, dass der Patient noch selbstständig atmen kann. In der ersten Welle der Pandemie wurden Patienten sehr rasch künstlich beatmet, so Likar. Mittlerweile schaue man, wie lange kann der Patient noch selbst atmen, ohne dass er sich erschöpft.

Aufwachphase bei langer Beatmung heikel

Wenn die Patienten länger beatmet werden und sich in einem künstlichen Tiefschlaf befinden, ist die Aufwachphase ein heikler Prozess, so Likar. Denn sie bekommen Medikamente gegen den Schmerz und zum Schlafen. Aufgrund der langen Dauer des künstlichen Tiefschlafes sei das Risiko eines Delirs (Zustand geistiger Verwirrung, der sich vor allem durch Störungen des Bewusstseins und Denkvermögens auszeichnet) besonders hoch.

„Die Patienten sind oft zeitlich, örtlich nicht orientiert, kognitiv beeinträchtigt, sie können das Ganze praktisch nicht wahrnehmen und wenn man ihnen gewisse Wörter vorsagt, können sie das nicht mehr richtig nachvollziehen. Das tritt natürlich, wenn Patienten lange in diesem Tiefschlaf sind, öfters auf. Da haben wir sicher über 50 Prozent der Patienten mit Covid, die haben das in der Phase, wenn sie aufwachen.“

Covid-Patienten bekommen starke Medikamente

Auch gegen Delir gibt es unterschiedliche Medikamente, dennoch kann diese Phase unterschiedlich lange dauern – von Tagen bis zu zwei Wochen. Dazu kommen noch die Schmerzmittel, an die sich der Patient gewöhnen könne, so Likar. Man setze Schmerzmittel nicht von heute auf morgen ab. Außerdem gebe es Medikamente gegen den Entzug, da habe man Erfahrung.

Covid-19 sei eine heimtückische Krankheit, das sollte allen bewusst sein, sagte Likar: „Das betrifft nicht nur Intensivpatienten, die von der Lungenfunktion her oft Monate brauchen, bis sie wieder in einen Normalzustand kommen. Sondern auch die Patienten, die auf der Normalstation liegen. Sie brauchen genauso lang, bis sie wieder für ihren alltäglichen Prozess fit sind. Ich denke, das sollte man wirklich im Kopf haben. Diese Krankheit ist nicht zu verharmlosen.“

Mehr Neuinfektionen, mehr Spitalspatienten

In den vergangenen 24 Stunden wurden in Kärnten 255 Neuinfektionen registriert, deutlich mehr als im Schnitt an den Tagen davor. Laut Landespressedienst werden aktuell 94 Patienten in den Krankenhäusern behandelt, um sieben mehr als am Tag davor, 16 davon müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Zwei weitere Menschen starben.