Außenansicht Landesgericht
ORF
ORF
Chronik

Mit Unfalltrick 50.000 Euro erbeutet

Ein 24-jähriger Pole ist am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt zu 20 Monaten unbedingter Haft wegen gewerbsmäßigen, schweren Betrugs und krimineller Vereinigung verurteilt. Der Mann betrog mit dem Unfalltrick Pensionisten um mehr als 50.000 Euro.

Der Mann war vollinhaltlich geständig, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Mit dem Unfalltrick waren Betrüger vergangenen Sommer mehrere Male in Kärnten erfolgreich. Dabei werden ältere Menschen angerufen, ihnen wird von einem vermeintlichen Polizisten mitgeteilt, dass ein Sohn oder eine Tochter einen Verkehrsunfall ausgelöst hätten und nun hohe Geldsummen bezahlen müssten, um nicht ins Gefängnis zu müssen.

Der 24-jährige Angeklagte hatte die Aufgabe, das Geld von den Verwandten abzuholen. Einmal erbeutete er 10.000, einmal 17.600 und einmal 26.000 Euro – als er von einem weiteren Opfer mehr als 43.000 Euro übernehmen wollte, wurde er festgenommen.

Angeklagter war sich seiner Taten bewusst

Der Angeklagte beschönigte in seinen Aussagen nichts: „Mir war klar, dass ich dabei viel riskiere und dass Leute betrogen werden. Ich habe auch vermutet, dass ich vielleicht ins Gefängnis muss, wenn ich erwischt werde“, sagte der Angeklagte auf entsprechende Fragen des vorsitzenden Richters Manfred Herrnhofer.

Er habe aber nicht allein gehandelt, vielmehr habe er nur das Geld abgeholt und pro Tat 500 Euro bekommen. Die Anrufe hätten Komplizen getätigt, zu denen er aber, aus Angst um seine Familie, keine Angaben machen wollte. Wegen seine finanzielle Situation habe sich der 24-Jährige auf diese Taten eingelassen.

Professionelles Vorgehen

Wie professionell und perfide die Täter vorgingen, wurde durch die Aussagen der Opfer vor Gericht deutlich. Sie alle berichteten von einem Anrufer mit hochdeutscher Aussprache, der ihnen erklärt habe, dass ihre Tochter einen Unfall gehabt habe. Weil ihr Auto nicht versichert gewesen sei müsse sie nun eine hohe Kaution hinterlegen. Im Hintergrund hörten die Opfer eine Frau schluchzen.

Eine 74-jährige Frau erzählte, dass sie total betroffen war. Der Täter hätte sie richtig gedrängt, Geld aufzutreiben. Erst verlangte er mehr als 70.000 Euro, schließlich erklärte er sich bereit, auch weit weniger zu akzeptieren.

Cobra schritt bei Übergabe ein

Offensichtlich hatten die Täter für alle Situationen einen Plan, wie das Gespräch abzulaufen habe, meinte eines der Opfer. Es könne Geld von einem Nachbarn ausleihen, erklärte der vermeintliche Polizist, das wolle die Unfallverursacherin aber nicht. Außerdem hätte diese gesagt, dass ihre Eltern unter keinen Umständen anderen Leuten von dem Unfall erzählen sollten, lautete eine weitere Anweisung.

Der Geldbote war schließlich nur deshalb aufgeflogen, weil die Haushaltshilfe einer 86-jährigen Frau Alarm schlug, als diese von den Betrügern angerufen wurde. Das Einsatzkommando Cobra schritt direkt bei der Übergabe ein.

Tat ist Schwerkriminalität

Wie Richter Herrnhofer in seiner Urteilsbegründung sagte, würden eine Reihe von Erschwerungsgründen vorliegen. Die Betrüger hätten eine Notsituation geschaffen, seien besonders heimtückisch vorgegangen und hätten die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenützt, die alles tun wollten, um ihren Kindern zu helfen. Es handle sie hierbei um Schwerkriminalität und der 24-Jährige habe als Geldbote auch keine untergeordnete Rolle gespielt.

Das erbeutete Geld dürfte weg sein. Wie der Angeklagte angab, habe er es sofort nach den Taten nach Polen gebracht und seinen Komplizen übergeben. Von Verwandten habe er aber immerhin 5.000 Euro bekommen, die nun unter den Betrugsopfern aufgeteilt werden sollen.