Milch wird aus Karaffe in Glas geleert
pixabay/Couleur
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Wirtschaft

Milchwirtschaft: „Härtetest bestanden“

Das Jahr 2020 war auch für die Milchwirtschaft außerordentlich. Einerseits fielen Tourismus- und Gastronomiesektor abrupt aus, gleichzeitig verschob sich die Nachfrage kurzfristig zum Lebensmitteleinzelhandel. Man habe den Härtetest bestanden, hieß es von der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter.

Derzeit leiden auch die Molkereien unter dem Ausfall der Wintersaison. Doch die Österreichische Milchwirtschaft habe auch in der Krise ihre Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards ausgebaut, so Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntnermilch und Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter. Er sagte, man brauche eine Herkunftskennzeichnung für die Milch- und Milchprodukte. Beim letzten Entwurf des Gesundheitsministeriums sei diese vergessen worden.

Ausbau von Bio- und Heumilch

Die Gesamtlieferung blieb im Vorjahr mit 3,38 Millionen Tonnen insgesamt stabil, wobei zu Beginn des Jahres eine höhere und in der zweiten Hälfte des Jahres eine geringere Anlieferung zu verzeichnen war. Der Anteil der Biomilch und der Heumilch konnte weiter gesteigert werden, so Petschar: „Wenn man etwas Positives aus der Coronavirus-Krise mitnehmen kann, dann, dass die Bedeutung von Regionalität und Bio deutlich gewonnen hat. 19 Prozent der angelieferten Milch ist Biomilch, in Deutschland sind es drei Prozent.“ Man bekomme immer wieder auch Anfragen aus Deutschland, so Petschar.

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter stiegen 2020 insgesamt um 3,2 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Die Zuwächse bei den Lieferungen im Lebensmitteleinzelhandel waren sowohl im In- als auch im Ausland zu verzeichnen. Wichtigstes Exportland ist weiterhin Deutschland, gefolgt von Italien, China, den Niederlanden, Griechenland und Slowenien.

Hoffen auf Hilfen

Bei Lieferungen an Gastronomie und Tourismus gab es deutliche Umsatzeinbußen. Hier gibt es Verluste bei den Deckungsbeiträgen, für die die Molkereien Coronavirus-Hilfen verlangen und mit dem Landwirtschafts- und Finanzministerium verhandeln. „Wir hoffen, dass es wenigstens heuer eine Hilfe für uns gibt“, sagte Petschar. Die direkten und indirekten Ausfälle wegen des Tourismuslockdowns betragen laut VÖM-Präsident 60 bis 80 Prozent.

In Geld heißt das laut Petschar, dass den Molkereien direkt 81,6 Mio. Euro entgingen. Hier brauche es eine Hilfe, die jener für die Schweinebranche ähnlich sein könne und die sich nicht auf Umsatzausfälle sondern auf die Deckungsbeiträge bezieht. Der Gesamtumsatz sei aber gestiegen, weil mehr Butter (plus 15 Prozent), Käse (plus 10 Prozent) und andere Milchprodukte für die Küche (Creme Fraiche, Sauerrahm) verkauft wurden, zum Teil um 30, 40 Prozent mehr, so Petschar.