Eichenborke in der Hellbrunner Allee
ORF.at/Georg Hummer
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Umwelt

Eichensaatgutplantagen für fitte Wälder

Eichenwälder gewinnen für die heimische Forstwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Die Laubbäume sind wärmeresistenter und weniger schädlingsanfällig. Weil es aber in Kärnten an Mutterbäumen fehlt, mit deren Samen standortangepasste Jungpflanzen gezüchtet werden könnten, will das Land heimische Eichensaatgutplantagen anlegen.

Die Basis für das Projekt dafür wird derzeit in der landwirtschaftlichen Fachschule Ehrental in Klagenfurt gelegt, wo junge Eichentriebe aus Kärnten veredelt werden.

Eichenverdelung Projekt: Eichenreiser
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Veredelte Eichenreiser

500 Stieleichen werden im Glashaus veredelt

Die Früchte ihrer Arbeit werden die Schülerinnen und Schüler der Gartenbauabteilung erst in zehn Jahren ernten. Das macht ihr Tun aber umso wichtiger. An die 500 Stieleichentriebe werden derzeit von den Jugendlichen im Glashaus der Schule vereldet. Die Reiser hat die Landesforstdirektion von rund 70 zertifizierten Stieleichenbeständen aus ganz Kärnten aus den Baumkronen geerntet.

Jetzt müssen die Edeltriebe mit der Unterlage, das sind zweijährige Stieleichenpflänzchen, zusammengefügt werden. Gartenbaulehrer Josef Pfeiler überwacht die Arbeiten. Die Eichenveredelungen „werden derzeit von unseren Schülern gemacht, kommen danach ins Folienhaus – bleiben dort bis nach den Eisheiligen und kommen dann auf Freilandflächen.“

Eichenverdelung Projekt: Ernte der Eichenreiser
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Hohe Ausfallsquote trotz hohen Aufwandes

Mit Bienenwachs wird ein vorzeitiges Austreiben verhindert. In zwei Wochen wird man sehen, ob die Veredelung geglückt ist. Die Ausfallsquoten sind hoch, sagte Pfeiler. „Wir liegen derzeit bei Eichenfehlung unter 50 Prozent Anwachsrate, das ist relativ wenig für diesen hohen Aufwand. Wir haben Reiser bereitgestellt, die wir dann in 14 Tagen zum Nachfädeln verwenden können.“

Eichenverdelung Projekt: Eichen in Töpfen
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Eichenreiser-Ernte

Erstes Projekt in Kärnten

Zwei Jahre dauert die Aufzucht in Ehrenthal, danach werden die Eichen auf Saatgutplantagen ausgepflanzt. Es ist das erste Projekt dieser Art in Kärnten, so der Gartenbaulehrer. „Es ist auch nicht üblich, dass man Eichen veredelt. Wir wollen damit klimafitte Mutterpflanzen schaffen, die dann später beerntet werden. Die Jungpflanzen werden dann als klimafeste, klimafitte Pflanzen ausgebracht.“

Auch die 18-jährige Anna Kollitsch ist mit großem Interesse dabei. „Wir haben zwar schon Obstsorten veredelt, aber es ist doch etwas Besonderes, wenn man an so einem großen Projekt mitarbeiten darf.“

Forstreferat: „Eiche ist Laubbaum der Zukunft“

Auch das Forstreferat des Landes unterstützt das Projekt finanziell, denn die Eiche gewinnt in der heimischen Forstwirtschaft zusehends an Bedeutung, sagt Landesforistdirektor Christian Matitz. „Es ist einfach die geeignestes Baumart, auch forstwirtschaftlich interessant weil das Holz sehr gut nachgefragt ist. Es ist ökologisch interessant, weil es an einigen Stadnorten sehr gut wächst und den Boden gut durchwurzelt und hat bis dato sehr wenig SChädlinge. Für uns ist es der Laubbaum der Zukunft.“

Eichenverdelung Projekt: Eichen mit Bienenwachs
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Veredelung beschleunigt natürlichen Blühprozess

Bis die Mutterbäume erstmals blühen und Kärntner Saatgut produzieren, wird es noch dauern. Eichen blühen in der freien Natur oft erst nach 40 Jahren. In der Plantage kann das durch die Veredelung zumindest schon nach zehn Jahren geschehen.