Kontrollen in Hermagor
ORF/Lisa Natmessnig
ORF/Lisa Natmessnig
Coronavirus

Ausreisekontrollen in Hermagor begonnen

Dienstagmitternacht sind für den Bezirk Hermagor Ausreisebeschränkungen in Kraft getreten. Die Polizei informierte im Vorhinein über die Kontrollpunkte und die Ausreisebedingungen. Probleme gab es bis Dienstagnachmittag keine, so die Polizei. Große Staus blieben im Frühverkehr aus.

Mit Tempolimits wurden die Verkehrsteilnehmer auf der B111 Dienstagfrüh bei St. Paul heruntergebremst und dann jedes einzelne ausreisende Fahrzeug von den Beamten kontrolliert. Die Bilanz der ersten Stunden fiel positiv aus, lediglich eine Handvoll Verkehrsteilnehmer musste bis jetzt zurückgeschickt werden, so Bezirkspolizeikommandantin Kathrin Horn.

Ausreisekontrollen in Hermagor

Seit Dienstagfrüh wird im Kärntner Bezirk Hermagor kontrolliert, ob Ausreisende einen negativen Coronatest oder eine Bestätigung, dass sie bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, haben.

Rund 1.900 Fahrzeuge und 2.300 Personen wurden von Mitternacht bis Dienstagnachmittag an den sieben Kontrollstellen im Bezirk überprüft, lediglich 24 Personen mussten zurückgewiesen werden. „Wir sind positiv überrascht. Wir haben in der Früh eigentlich gedacht, dass es zu Staus kommen wird, aber ich muss sagen, dass die Hermagorer sehr kooperativ sind und bei der Ausreise die Testzeugnisse schon vorbereiten und bei der Kontrolle gleich vorweisen. Es hat auch keine negativen Äußerungen gegeben. Diejenigen, die zurückgewiesen wurden, sind zurückgefahren, haben einen Test abgelegt und dann ausgereist“, so Paul Schnabl vom Bezirkspolizeikommando.

Fahrgemeinschaft ohne Masken

Eine Übertretung habe es gegeben, die angezeigt wurde. Eine Fahrgemeinschaft hatte keinen Mund-Nasen-Schutz getragen, sagte Horn. Die Stimmung sei gut gewesen, die Pkw-Lenker und Insassen hätten die Dokumente griffbereit, daher seien die Kontrollen rasch vorüber, so Horn. Bei den anderen sechs Kontrollstellen sei nicht so viel los gewesen, es habe keine Probleme gegeben. Aber es gibt auch Menschen, die sich nicht testen lassen wollen, und Schleichwege suchen, um den Bezirk zu verlassen, sagten Autofahrer zum ORF. Einzelne hätten Feld- und Waldwege gesucht.

Auf die Frage, ob ausgeschlossen werden könne, dass einzelne doch einen Weg aus dem Bezirk ohne Test finden, sagte Polizeisprecher Rainer Dionisio, er könne das sicherstellen. Denn die Polizisten vor Orte kennen die Schleichwege.

Kontrolle eines Traktors bei Ausreise von Hermagor
ORF/Lisa Natmessnig
Auch der Bauer wird kontrolliert

Insgesamt sieben Checkpoints

Für die lückenlose Kontrolle stehen 70 Beamte im Einsatz. Das Bezirkspolizeikommando Hermagor meldete am Montag vorab, dass man an folgenden Straßenzügen und Zugsverbindungen ab Dienstag kontrollieren werde:

  • B111 – direkt an der Landesgrenze zu Osttirol
  • B110 – Gailbergsattel Verbindung Kötschach/Oberdrauburg
  • B87 – Kreuzbergsattel Verbindung Hermagor/Greifenburg
  • B111 – St. Paul/Gail Verbindung St. Paul/Nötsch
  • L33 – Windische Höhe Verbindung St. Stefan/Paternion
  • L36 – Tratten Bezirksgrenze Verbindung St. Stefan/Nötsch
  • L27 – Leichenhalle Vorderberg
  • Verbindung St. Stefan/Feistritz/Gail -Zugsverbindung Hermagor/Villach-Land an der Haltestelle St. Stefan-Vorderberg

Kimeswenger (ORF) aus dem Gailtal

Um Mitternacht sind für den Bezirk Hermagor Ausreisebeschränkungen in Kraft getreten. Die Polizei informierte im Vorhinein über die Kontrollpunkte und die Ausreisebedingungen. Probleme gab es bis Dienstagfrüh keine, so die Polizei. Große Staus blieben im Frühverkehr aus.

Testnachweis oder ärztliche Bestätigung

Die Ausreisekontrollen werden mit den eigenen Kräften der Landespolizeidirektion Kärnten abgedeckt. Zur Ausreise aus dem Bezirk ist ein negativer Antigen- bzw. PCR-Test erforderlich, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Anstelle von Tests berechtigt auch ein ärztliches Attest über eine Coronavirus-Erkrankung während der letzten sechs Monate zur Ausreise.

Wartende Autos bei Ausreise aus Hermagor
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Kontrollpunkt in St. Paul im Gailtal Dienstagfrüh

Ausweis immer mitführen

Zum zweifelsfreien Nachweis der Identität ist es für die Ausreisenden unbedingt erforderlich, ein Identitätsdokument (Führerschein, Personalausweis etc.) mitzuführen.

Laut Polizei ist zu erwarten, dass es an den genannten Kontrollpunkten, insbesondere in den Morgenstunden, zu Verzögerungen kommen wird. Allen Verkehrsteilnehmern werde angeraten, diese Verzögerungen bei der Fahrzeit vorab einzuplanen.

Durchreisende brauchen keinen Test, erlaubt sind aber nur „unerlässliche Unterbrechungen“, etwa das Aufsuchen eines WCs. Ausnahmen gelten auch für Sicherheitsdienste, Einsatzkräfte von Rettung und Feuerwehr, sowie für den Güterverkehr. Unklar ist noch, ob nicht doch – wie in Tirol – mobile Tests an den Kontrollpunkten eingerichtet werden.

Schüler von Abschlussklassen ausgenommen

Ausgenommen von der Testpflicht sind Kinder bis zehn Jahre. Seit Montag gilt in Hermagor das Distance Learning. Schüler verlassen demnach den Bezirk Hermagor nicht mehr. Ausgenommen von dieser Regelung sind die Schülerinnen und Schüler von Abschlussklassen, die aus dem Bezirk Hermagor auspendeln, oder in den Bezirk Hermagor einpendeln, weil sie dort eine Schule besuchen. Auch die Berufsschüler, die von 8. bis 18. März schulpflichtig sind, sind vom Distance Learning ausgenommen. Damit sollte der Schulabschluss sichergestellt werden können.

Hermagor: Ausreisekontrollen ab Mitternacht

Ab null Uhr wird der Bezirk Hermagor quasi abgeriegelt. Ausreisen darf nur wer einen negativen Test oder die Krankheit schon hatte. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in den vergangenen 24 Stunden wieder leicht gestiegen.

Um entsprechen vorzugehen, wurde die Pädagogische Leitung Tirol informiert und die beiden Bildungsdirektoren werden sich über die Vorgehensweise bezüglich der Schulen und Schüler in Lienz austauschen. Eine entsprechende Verordnung der Bildungsdirektion wurde am späten Montagnachmittag vorgelegt. In Summe sind rund 60 Schülerinnen und Schüler betroffen.

Kontrollen vorerst für zehn Tage

Vorerst soll diese Maßnahme für zehn Tage gelten, sagt Gert Kurath, Coronavirus-Sprecher des Landes. Von 18. auf 19. März soll sie auslaufen. Im Bescheid des Ministeriums stehe zwar, dass die Kontrollen darüber hinaus gehen sollen, räumte Kurath ein. Als Richtwert gelte eine Inzidenz von 200. Sie liegt derzeit bei 592,7. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) habe dies kritisiert. Er gehe davon aus, dass es weitere Verhandlungen und Gespräche diesbezüglich geben werde, sagte Kurath: „Am Montag findet wieder eine Runde mit Vertretern des Bundeskanzleramtes, der Ministerien, der Landeshauptleute und Experten statt.“

Änderungen bei Tests

Eine kurzzeitige Änderung gibt es bezüglich des Teststandortes in Hermagor. Weil in der Stadtgemeinde die Bürgermeisterstichwahl stattfindet, werden am Samstag, 13. März, und Sonntag, 14. März, die Antigen-Testungen nicht im Rathaus, sondern in der Musikschule Hermagor durchgeführt. An den übrigen Tagen bis voraussichtlich Donnerstag, 18. März, wird die Antigen-Teststation im Rathaus (Großer Rathaussaal, Wulfeniaplatz 1, 9620 Hermagor) von Montag bis Sonntag, jeweils von 8.00 bis 19.00 Uhr, betrieben.

Weitere Teststationen

Folgende weitere Teststationen in Oberkärnten sind bis voraussichtlich Donnerstag, 18. März, zu folgenden Zeiten geöffnet:

  • Antigen-Teststation im Rathaus Kötschach-Mauthen, Großer Veranstaltungssaal, Kötschach 390, 9640 Kötschach-Mauthen: Montag bis Sonntag, jeweils von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr
  • Antigen-Teststation im Kultursaal St. Lorenzen/Lesachtal, 9654 St. Lorenzen: Montag bis Sonntag, jeweils von 8.00 Uhr bis 19.30 Uhr
  • Antigen-Teststation im Kultur und Gemeindezentrum St. Stefan im Gailtal, Schmölzing 7, 9623 St. Stefan im Gailtal: Montag bis Sonntag jeweils von 8.00 Uhr bis 19.30 Uhr
  • Antigen-Teststation im Gemeindeamt Oberdrauburg (Bezirk Spittal), Marktplatz 1, 9781 Oberdrauburg: Montag bis Freitag, jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr
  • Antigen-Teststation in Winklern 229 (Bezirk Spittal), Firmengebäude Aschbacher GmbH, 9841 Winklern: Montag bis Freitag, jeweils von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Kritik von FPÖ

Die FPÖ kritisierte die Abriegelung als „staatliche Zwangsmaßnahme“. Für viele der 18.000 Bewohner des Bezirkes Hermagor bringe diese Ausnahmesituation enorme wirtschaftliche und soziale Härten. FPÖ-Landesparteichef Klubobmann Gernot Darmann sowie der FPÖ-Bezirksparteiobmann und Kirchbacher Bürgermeister Hermann Jantschgi forderten finanzielle Entschädigungen und die Ausreisesperre für SchülerInnen und Studierende sofort zu beenden.