Chantal Bamgbala in der Klagenfurter Innenstadt
ORF
ORF
Chronik

Nach Prozess wieder rassistische Attacken

Ein 56-jähriger Pensionist ist im Oktober wegen rassistischer Beleidigung der 22-jährigen Chantal Bamgbala vor Gericht gestanden und bekam eine Diversion. Die junge Frau war bereit, sich zu einer Mediation mit ihm zu treffen, doch er erschien nicht. Er beschimpft sie weiterhin.

Es waren übelste Beschimpfungen, die sich die Studentin mit afrikanischen Wurzeln, die im Lavanttal geboren wurde, im Umfeld ihres Wohnhauses in Klagenfurt laufend anhören musste. Der Täter, ein 56-jähriger pensionierter Koch aus der Nachbarschaft, stand wegen der Beleidigungen Anfang Oktober vor Gericht – mehr dazu Diversion für rassistische Beleidigung.

„War für Diversion“

Im Rahmen der Diversion hätte er sich letzte Woche zu einem Mediationsgespräch mit Chantal Bamgbala beim Verein Neustart melden sollen. Er erschien aber nicht, auch nicht beim Ersatztermin diese Woche, so Bamgbala: „Ich habe mir gewünscht, dass er auftaucht, für ihn und für mich. Denn ich bin mit dem Gedanken an die Diversion drangegangen, dass die Person bei einer Strafe noch mehr Hass aufbaut gegen farbige Menschen oder mich.“

Verein: 80 Prozent nehmen Angebot an

Beim Verein Neustart glaubt man dennoch an die Methode der Mediation. 80 Prozent aller Täter würden das Angebot des Gerichts annehmen. Alfred Gschwendner vom Verein Neustart Kärnten kennt auch den Hauptgrund dafür, sich zu drücken: „Dass diese Maßnahme sehr anspruchsvoll ist, direkt mit dem Opfer in Kontakt zu kommen und sich in einem Ausgleichsverfahren mit der eigenen Schuld auseinander zu setzen. Das scheuen manche und erscheinen nicht. Das Ziel der Maßnahme ist, dass im Sinn des Opferschutzes die Täter ihre Tat einsehen und Wiedergutmachung leisten.“ Zum aktuellen Fall darf Neustart nichts sagen.

Anwalt: Erneut beschimpft und bedroht

Der Anwalt der Studentin, Philipp Tschernitz, bestätigte, dass der außergerichtliche Tatausgleich wegen des Fernbleibens des 56-Jährigen als gescheitert gilt: „Stattdessen hat er neuerliche Beschimpfungen gegen meine Mandantin gesetzt und sie auch bedroht. So geht nicht nur das bisherige Verfahren weiter, sondern es muss eine weitere Anzeige bei der Polizei erfolgen.“

Psychiatrisches Gutachten möglich

Im zuständigen Bezirksgericht Klagenfurt wartet man auf den Abschlussbericht vom Verein Neustart, dann werde erfahrungsgemäß eine neue Hauptverhandlung angesetzt, sagte Gerichtssprecherin Martina Löbel. Der zuständige Richter Joachim Riepl muss dann auch im Vorfeld entscheiden, ob ein psychiatrisches Gutachten über Geistes-Zustand des mutmaßlich neuerlich Angeklagten notwendig ist.

Die Anklägerin im ersten Verfahren, Bezirksanwältin Daniela Domenig, drohte ihm bereits im September, dass sie eine „Wischi-Waschi-Lösung“ des Tatausgleichs nicht akzeptieren werde. An diesem Punkt scheint die Causa nun angelangt zu sein.