Gesundheit

Weniger Suizide während CoV-Krise

Die Frage, ob die Coronavirus-Krise psychische Erkrankungen verstärkt und zu mehr Suizidversuchen führt, ist zentrales Thema einer Fachtagung zur Suizidprävention im Lakeside Park in Klagenfurt gewesen. Für Kärnten traf dies demnach nicht zu, die Zahl der Suizide sank um die Hälfte.

Kärnten hat seit Jahren gemeinsam mit der Steiermark die höchste Selbstmordrate aller Bundesländer. 110 Menschen pro Jahr sterben in Kärnten im Schnitt durch Suizid, 1.220 sind es in ganz Österreich. Drei Viertel der Betroffenen sind Männer. Ab dem 75. Lebensjahr ist das Suizidrisiko doppelt so hoch wie bei der Durchschnittsbevölkerung. Depressionen, soziale Isolation und Vereinsamung werden als Auslöser identifiziert.

Zahl der Suizide sank im Lockdown

Daher nahmen die Experten die Entwicklung während der Coronavirus-Krise und des Lockdowns genauer unter die Lupe. Doch anders, als man es hätte erwarten können, sank die Zahl der Suizide im ersten Halbjahr. Primarius Herwig Oberlerchner von der Abteilung für Psychiatrie am Klinikum Klagenfurt: „Wir wissen, dass bei der Krise die Suizidzahlen zurückgegangen sind, auch von Japan und Nordrhein-Westfalen, wo exakte Statistiken geführt werden. Dort um die 20 Prozent, bei uns um 50 Prozent. Wir haben auch im Lockdown die psychisch kranken Menschen nicht im Stich gegeben.“

In Deutschland habe es Kliniken gegeben, die geschlossen und keine Ambulanzen angeboten hätten. In Kärnten hingegen habe man Notfallambulanzen angeboten, so Oberlerchner.

Manche fanden Lockdown entspannend

Mit den ambulanten Einrichtungen, mobilen Betreuerteams und niedergelassenen Fachärzten habe man die Versorgung aufrecht erhalten. Vor allem psychisch stark belastete Menschen hätten den Lockdown sogar als positiv und entspannend empfunden, sagte Primaria Christa Rados von der psychiatrischen Abteilung am LKH Villach. Dazu komme, dass alte Menschen oft resilienter seien, durch ihre Lebenserfahrung.

Auch bei Kindern wenig Probleme

Auch die Kinder und Jugendlichen scheinen die Krise vorerst zumindest gut zu meistern, sagte Wolfang Wladika von der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Man habe weniger Nachfrage gehabt und weniger klinische Interventionen benötigt. In der Entspannung während des Sommers sei die Nachfrage nicht gestiegen. Kärnten sei bisher gut durch die Krise gekommen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, wie etwa Oberösterreich, wo es bei Jugendlichen größere Probleme gegeben habe, sagte Wladika.