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Einkaufen wie in Urgroßmutters Zeit

Seit 26 Jahren gibt es in Thörl-Maglern ein Greißlermuseum. Das Geschäft Aprießnig, in dessen Räumen sich das Museum befindet, war von der Zeit Maria Theresias bis 1989 Nahversorger der Umgebung. Es liegt nur wenige Schritte von der Grenze zu Italien entfernt.

Mit viel Liebe richtete Diana Erath das alte Krämergeschäft her und machte es für die Öffentlichkeit zugänglich. Über 200 Jahre lang gab es dort Waren aller Art zu kaufen und viele dieser Originale sind heute noch erhalten. Auch die Einrichtung wurde bewahrt und steht noch im Originalzustand da: "Bei uns hat man zwar nicht Greißler gesagt, sondern nur gesagt, man geht ins Geschäft oder hat den Namen Aprießnig genannt, aber der Name Greißlermuseum hat sich durchgesetzt. Es ist im Urzustand geblieben, die Einrichtung ist über 100 Jahre alt.

Von Gewürzen bis Stoff

Alle Dinge, die sie im Haus fand, habe sie ins Museum integriert, einiges auch zugekauft, so Erath. „Dazu der große Gewürzschrank mit Alaun, Bärenzucker, Zimt, Anis, Piment, alles da.“

Verpackungen im Greißlermuseum
Greißlermuseum
Die alten Verpackungen sind noch erhalten

Im Greißlermuseum begibt man sich in die Vergangenheit und gewinnt Einblicke, wie und was zu Zeiten Maria Theresias alles eingekauft wurde: „Man muss sich das so vorstellen, damals und auch noch vor 50 Jahren, waren die Leute Selbstversorger. Milch, Eier und ein bisschen Fleisch hatten sie selbst, Stoffe und Wolle wurden gekauft und daraus machten sie selbst das Gewand. Das Gewandkaufen war nicht üblich. Auch Schürzen und Unterwäsche hat man selbst genäht.“

Auch Bier gab es schon zu kaufen

Auch Getränke aller Art konnte man damals schon kaufen: „Es hat schon Bier gegeben, ich habe ganz alte Tonflaschen, da war Mineralwasser drin, später vielleicht auch Most oder Schnaps. Man ist mit einem kleinem Flascherl gekommen und der Kaufmann hat zum Beispiel ein Achterl Rum abgefüllt. Zum Reindlingbacken hat man Rum gebraucht“, so Erath.

Ganz wichtig natürlich heute wie damals waren die Süßigkeiten: „Da habe ich schöne Glasbehälter, da waren die Zuckerln drin. Alle älteren Herrschaften, die zu Besuch kommen, erinnern sich an die Zuckerln in den Gläsern, das war etwas Besonderes. Und ganz etwas Besonderes war es, wenn der Kaufmann einmal ein Zuckerl verschenkt hat. Der Kaufmann hier, Herr Aprießnig, war da bis ca. 1923. Der hat immer den Kindern Zuckerln geschenkt. An das erinnern sie sich noch alle.“

Samen bekam man lose für den Gemüsegarten

Die Inhaber des Geschäfts besaßen den begehrten Maria Theresien Gewerbeschein, der es ermöglichte, Salz und Tabak anzubieten, worauf der Staat das Monopol hatte. Das Geschäft hatte auch einen Samenverkauf. Der alte Samenkasten ist immer noch erhalten: „Das ist ein großer Holzkasten, wie ein Setzkasten. Das war die Samenhandlung mit Samen für Buschbohnen oder Erbsen drin. Die wurden offen verkauft.“ Kassa und Stehpult des Kaufmanns sind auch noch erhalten. "Die Leute haben mit einem Büchel eingekauft. Niemand hat bar gezahlt. Ein kleines Buch hatte die Kundschaft und das große der Kaufmann.

Greißlermuseum mit alter Registrierkasse
Greißlermuseum
Die alte Kasse ist noch erhalten, samt den Kassenbüchern

Nicht jeder bezahlte seine ganzen Einkäufe

Unter der Kassa befinden sich auch noch Kassenbüchlein aus vergangenen Zeiten: „Im Juni 1929 wurden gekauft von einem Herrn Stefan Logar sechs Meter Hemdstoff, ein halber Kilo Speck, ein viertel Kilo Käse, Öl, Kaffee, Karobemehl. Vermutlich war Kirchtag.“

573 Schilling hätte der Herr damals bezahlen sollen. Hat er aber nicht, weil: „Ich habe gesehen, dass sehr oft am Monatsende nur ein Teil gezahlt worden ist. Die Leute hatten nicht soviel Geld, der Rest wurde weitergetragen in den nächsten Monat.“ Die Kunden waren ja aus dem Ort, sie seien dem Kaufmann ja nicht weggelaufen. Das habe jeder gemacht, so Erath.

Das Greißlermuseum in Thörl Maglern überrascht auch jedes Jahr mit einer Sonderschau. Heuer geht es um die Gailtaler Tracht. Jeden Freitag ab 15.00 Uhr ist das Museum offen, um 18.00 Uhr gebe es eine Führung. Nur Gruppen müssen sich für eine Führung an einem anderen Tag anmelden, so Museumsleiterin Eratz.