Christiane Loinig
Christiane Loinig
Christiane Loinig
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Tausendsassa mit Härte und Herz

Sie ist ein Familienmensch, der sich immer in Männerdomänen durchzusetzen wusste, hat unfassbar viele Aufgaben, arbeitet, wenn es sein muss, 250 Stunden und ist als medizinische Leiterin des Olympiazentrum Kärnten auch Handball-Staatsmeisterin. In erster Linie ist Christiane Loinig aber eine Ärztin mit Herz.

Es ist eine Geschichte, die viel über den Charakter Christiane Loinigs verrät. Ganz zu Beginn ihrer Handballer-Karriere, im allerersten Jahr, lautete der Rat des Trainers an die unerfahrene und kleine Spielerin: "Christiane, schieß nicht, du triffst eh nicht.“

In einer Männerdomäne belächelt werden – ganz normal

Ihr Ehrgeiz war damit angestachelt. Und das mit dem „Eh nicht treffen“ änderte sich ganz schnell, nachdem Christiane Loinig begonnen hatte, gemeinsam mit den Burschen des BSK Klagenfurt zu trainieren. „Ich bin am Anfang, wie so oft als Frau in einer Männerdomäne, belächelt worden. Dann wurde es aber rasant besser, im Jahr darauf war ich dann schon beste Spielerin und wurde später Torschützenkönigin usw.“

Christiane Loinig beim Tennis
Christiane Loinig

Entsprungen ist die Sportleidenschaft der 50-jährigen Klagenfurterin der Familie, genauer gesagt war es wohl der Vater, der das Handballspiel liebte, aber selbst nicht dazu kam, diesen Sport aktiv auszuüben. „Die Leidenschaft für Handball entspricht meinem Charakter, es ist rasant und flott und abwechslungsreich und ‚mit Wucht‘, wie manche sagen würden“.

Krankheit der Mutter ließ Wunsch nach Arztberuf reifen

Mit dem Medizinstudium in Wien brach jedoch der Rückzug vom internationalen Handball-Parkett an. Loinigs Interesse an der Medizin hatte ebenfalls einen privaten Hintergrund. „Meine Mutter war sehr krank, als ich ein Kind war. Es war eine sehr schwere Zeit für die Familie. Sehr früh ist dann der Wunsch in mir gereift: Ich möchte meiner Mama helfen. Das hat sich dann bei mir festgesetzt, so dass ich es durchgezogen habe. Ich bin froh, dass es so ist.“

Als medizinische Leiterin des „Olympiazentrum Kärnten“ ist Loinig heute die Nachfolgerin von Karl „Charly“ Schnabl. Außerdem Mitarbeiterin der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA), Allgemeinmedizinerin, Fachärztin für Unfallchirurgie, Orthopädie und Traumatologie, dazu Sportmedizinerin sowie sportpsychologische Trainerin, Medical Supervisor beim Eishockey und jüngst ist sie auch zur Teamärztin beim SK Austria Klagenfurt ernannt worden.

Trotzdem Zeit nehmen – ein Erfolgsgeheimnis?

Auch wenn es bei dieser ganzen Aufgabenpalette fast ein wenig unwahrscheinlich klingt, aber nach dem Wichtigsten gefragt, antwortet die Medizinerin damit, sich viel Zeit für ihre Patienten zu nehmen. Und vielleicht ist ja gerade das ihr Erfolgsgeheimnis. Loinig: „Wenn ein Arzt sich ans Bett eines Patienten setzt, dessen Hand nimmt und die Zeit, mit demjenigen zu reden, – das war mir immer sehr wichtig. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es schwierig für Patienten. Natürlich ist es wichtig zu helfen, optimale Lösungen zu finden, aber auch, Zeit zu haben.“

Christiane Loinig mit Maskottchen von Lausanne
Christiane Loinig
Christiane Loinig ist medizinische Leiterin des Kärntner Olypiazentrums

Gerade als medizinische Leiterin des Olympiazentrum Kärnten und im Umgang mit verletzten Sportlern braucht es ein großes Maß an Fingerspitzengefühl. „Wir haben hauptsächlich Sportler, die zu uns kommen. Sportler sind sehr sensibel, hören auf ihren Körper und es ist sehr wichtig, dass sie dir auch vertrauen. Da ist es besonders wichtig, zuzuhören und wenn nötig rasch Lösungen zu finden.“

Normale Tage? Gibt es nicht

Auf die Frage, wie denn ein ganz normaler Tag in ihrem Leben aussieht, antwortet Loinig wie aus der Pistole geschossen: „Es gibt keine normalen Tage“ um dann doch bereitwillig zu erklären, dass sie schon „sehr früh, zwischen 4.30 Uhr und 4.45 Uhr“ aufsteht. Spätestens um 6.30 Uhr beginnt dann ihr Arbeitstag im Olympiazentrum. „Da habe ich dann Zeit, Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Patienten oder verletzte Sportler werden zwischen 7.00 und 8.00 Uhr angeschaut.“

Vor allem mit verletzten Sportlern gelte es, behutsam umzugehen. „Ich glaube es ist ganz gut, dass ich selbst einen sportlichen Background habe. Man versteht, dass derjenige zurück und so schnell wie möglich wieder seinen Sport ausüben will. Andererseits hat man den vernünftigen Mediziner im Ohr, um dem Sportler alles zu erklären aber auch zu versuchen, diesen möglichst schnell wieder fit zu bekommen.“

Härter arbeiten als andere – „das bringt schon etwas“

Als Frau habe sie immer wieder in Männerdomänen bestehen müssen. Sie gibt zu: „Es ist sehr schwierig. Weder die Unfallchirurgie noch die Orthopädie sind wirklich weibliche Berufe. Es sind schon auch Sätze gefallen wie: Naja, früher als es keine Frauen in der Orthopädie gab, war es schon noch klass’. Ich musste mir schon sehr viel anhören. Handball ist auch nicht der typische Mädchensport, Eishockey ebenso wenig."

Loinig hatte es also nicht einfach, sich durchzusetzen. Ein Rezept für Erfolg im herkömmlichen Sinne hat sie nicht. Aber: „Ich glaube, es ist Ehrgeiz und Konsequenz. Wenn ich etwas erreichen will, dann arbeite ich wahrscheinlich mehr als andere. Das bringt dann auch Erfolg. Es ist wie im Sport, wer mehr an sich arbeitet und trainiert, der kommt auch weiter. Auch wenn Talent dazu gehört – hart zu arbeiten bringt schon etwas.“

Dritter weiblicher „Medical Supervisor“ weltweit

Seit einiger Zeit ist Christine Loinig auch „Medical Supervisor“ bei der IHF, dem internationalem Eishockeyverband. Sie ist die einzige Österreicherin in dieser Position und die dritte Frau weltweit. Und für diese Aufgabe hat sie sich nicht beworben, nein – sie wurde gefragt. „Darauf bin ich auch sehr stolz. Es war bei der Weltmeisterschaft der Damen in Graz. Ich bin für einen Kollegen eingesprungen und habe dort anscheinend einen ganz passablen Job gemacht. Als die Weltmeisterschaften organisiert wurden, war ich im Organisations-Komitee und dann auch mit dem Damen-Nationalteam unterwegs. Irgendwann wurde man dann auf mich aufmerksam und ich wurde gefragt, ob ich nicht Lust hätte, „Medical Supervisor“ bei der IHF zu sein. Es hat mich sehr glücklich und stolz gemacht.“

Was tut ein Medical Supervisor? “Man schaut im Vorfeld einer Sportveranstaltung, wie viele Rettungen braucht man, wie weit ist es zum Krankenhaus, wie gut ist dort die Medizinische Versorgung, während der Veranstaltung ist man immer präsent, schreibt Protokolle und interagiert mit den dortigen Veranstaltern.“ Im April wäre es – ohne Corona – soweit gewesen, momentan wird die ganze Liga international wieder hochgefahren. „Man kann nur hoffen, dass die Weltmeisterschaften im nächsten Jahr wieder wie geplant stattfinden können.“

Als Cov kam freiwillig gemeldet

Gleich nach dem Lockdown habe sie sich beim Land gemeldet. „Als Medizinerin ist man doch eine gute Ressource, ich wurde als Epidemie-Ärztin in einer Bezirkshauptmannschaft eingesetzt“. In den letzten Wochen habe sie sich deshalb mit Contact Tracing beschäftigt. Bei positiven Fällen wurden die Kontaktpersonen von ihr informiert und getestet. Ihr Arbeitspensum sei noch einmal gestiegen. „Weil ich ja gleichzeitig im Homeoffice war und das Olympiazentrum nicht stillstand. Auch die Sportler hatten ihre Bedürfnisse, also war es so, dass ich im April an die 250 Stunden gearbeitet habe.“

Für die nächsten Wochen und Monate sei bereits wieder vieles verplant. Sie habe aber jetzt während der Corona-Zeit gelernt, kurzfristiger zu planen. Auch der Fußballverein SK Klagenfurt habe bei ihr angefragt, sie unterstütze den Verein jetzt als Teamarzt. „Es ist natürlich ganz was anderes, wenn man vom Handball und Eishockey kommt, dann ist Fußball etwas ganz anderes. Aber es ist eine tolle Arbeit.“ Auch bei den Special Olympics arbeitet Loinig als Ehren-Notfallärztin mit. „Das ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, weil man geerdet wird und es wichtig ist, für solche Dinge ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen.“

Christiane Loinig
Christiane Loinig

Medizinerin Christiane Loinig hat einen sehr vollen Terminkalender. Ob sie da als Ausgleich sportelt? Die Frage entlockt ihr kein Lächeln, sondern gleich einen ganzen Lachanfall. Es erinnert sie an frühere Zeiten. „Wie ich mich gequält habe, in der Südstadt, beim Training zwei Mal am Tag. Zurzeit passiert so viel in Sachen Arbeit." Aber gut, generell? "Man muss sich motivieren, auf etwas hinarbeiten. Ich bin der Typ, der sagt: Ich will fünf Kilometer laufen können. Oder bei einer Veranstaltung teilnehmen, das ist für mich der perfekte Motivator.“

Olympiazentrum: „Etwas Tolles gemeinsam schaffen“

Unterwegs sein, Freunde zu treffen – das ist ein wenig in der Hintergrund gerückt. Wichtig sei ihr die Familie, ihre Eltern. „Sie sind meine Basis, geben mir Ruhe und Ausgleich. Meine Freunde sind mir natürlich auch wichtig und mein tolles Team in der Arbeit. Auch wenn man um 4.30 Uhr aufsteht, freue ich mich auf meine Kollegen, auf die Arbeit, um etwas gemeinsam zu schaffen. Das Olympiazentrum ist etwas ganz Tolles.“