Julia Wutte beim Spazieren
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Chronik

Kärntnerin nach Coronavirus-Odyssee daheim

Nach einer langen Odyssee ist die Kärntnerin Julia Wutte wieder wohlbehalten daheim. Die Akrobatin des „Cirque du soleil“ war wegen der Coronaviruskrise rund zwei Monate lang auf einem Kreuzfahrtschiff in Dubai festgesessen. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat zeigte sie sich erleichtert und dankbar.

Sie habe sich nach ihrer Ankunft in den Garten ihrer Eltern gesetzt, einen Kaffee getrunken und einfach nur die Blumen beobachtet, erzählt Julia Wutte. „Dann sind meine Nichten und meine Schwester bei uns in der Türe gestanden und mich umarmt – das geht ja zum Glück jetzt“. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich musste sie kurz in Heimquarantäne, aber ein Test ergab, das das Virus nicht mehr nachweisbar sei.

Sie genieße es, nun wieder bei ihrer Familie zu sein. „Das alles zeigt einem erst, wie gut es uns in Österreich und Kärnten geht“, sagte Julia Wutte nach ihrer Ankunft in Klagenfurt.

Julia Wutte sitzt auf Parkbank und sieht auf Handy
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Julia Wutte genießt ausgedehnte Spaziergänge in der Natur derzeit besonders

Die letzten Wochen und Monate seien hart gewesen. Mitte März zog die weltweite Coronaviruskrise Kreise. Julia Wutte blieb vorerst auf der MSC Bellissima, weil man ihr das riet. Am 11. April hätte die 26 Jahre alte Tänzerin und Lufakrobatin – nach Wochen auf dem stehenden Schiff – nach Hause fliegen können, aber ihr Covid-19-Test war positiv. Sie musste zurück in ihre wenige Quadratmeter große Kabine, die für sie – eigenen Angaben zufolge – zum Gefängnis wurde. „Ich habe maximal fünf oder zehn Schritte am Tag gemacht. Ich habe mich gedehnt und versucht, einen Handstand zu machen – was halt gegangen ist.“

Julia Wutte
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Julia Wutte ist erleichtert und glücklich, alles überstanden zu haben

„Zwischendurch fällt einem Decke auf den Kopf“

Sie habe die meiste Zeit über alleine verbracht: „Man sieht ja niemanden, außer zwei, drei Mal am Tag einen Arzt, der aber nur zum Temperaturmessen kommt in voller Schutzkleidung. Es macht psychisch viel mit einem, wenn man 24 Stunden lang in so einem engen Raum ist. Man wird dann schon irgendwie kreativ und produktiv und lernt neue Sachen.“

So habe sie die Zeit damit verbracht, sich pro Tag zehn neue Worte auf Spanisch beizubringen oder sich mit ihren Büchern, zum Beispiel über Psychologie, zu beschäftigen. An den Nachmittagen habe sie versucht, ein bisschen Bewegung zu machen, aber es habe auch Tage gegeben, an denen sie einfach nur fünf Filme angesehen habe. „Aber zwischendurch fällt einem schon die Decke auf den Kopf“, so Julia Wutte.

Kärntnerin Hilferuf
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Ihr verzweifelter Hilferuf über soziale Medien sorgte für Aufsehen

Drei Mal am Tag gab es einfaches Essen, wie Reis und Nudeln, das ihr vor die Tür gestellt wurde. Kontakt zur Außenwelt konnte sie nur mit dem Handy oder über das Internet halten. Verzweifelt hatte sie auch über soziale Medien versucht, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die meiste Zeit über sei sie aber ihren eigenen Gedanken überlassen gewesen, erinnert sich die Heimkehrerin.

Anfänglich Angst über Rückkehr aus „Schiffsblase“

Vor wenigen Tagen wurde Julia Wutte negativ auf das Coronavirus getestet. „Es ist mir ein unfassbarer Stein vom Herzen gefallen. Dann, Stunden später, hatte ich Angst, was passieren werde, wenn ich tatsächlich vom Schiff komme. Da waren viele Gedanken auf einmal, wie es ist, wenn ich von dieser ‚Schiffsblase‘ wieder in die richtige Welt komme.“

Zeit über ihre Zukunft nachzudenken hatte sie genug, sagt sie: „Cirque de soleil ist weiterhin eines meiner Ziele, aber nicht unbedingt am Schiff. Ich werde auch wieder online zu studieren beginnen, weil es mir gezeigt hat, wie es ist, wenn man einmal nicht mehr auf der Bühne stehen kann.“