Auto auf dem Zug der Tauernschleuse
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Verkehr

Ärger um lang gesperrte Tauernschleuse

Obwohl der ÖBB-Personenverkehr seit 1. April auf der Tauernstrecke wieder läuft, bleibt die Autoschleuse zwischen Mallnitz und Böckstein bis 4. Mai geschlossen. Die ÖBB sagten, der Auto-Huckepackzug sei nicht wirtschaftlich, was den Bürgermeister von Mallnitz auf die Barrikaden trieb.

Bis zur Einstellung der Tauernschleuse nutzten etliche Pendler pro Tag den Zug mit ihren Autos, um in Salzburg zu arbeiten und umgekehrt. Aktuell auch mehrere Holzschlägerungsunternehmen aus Salzburg, die mit ihrem schweren Gerät mit dem Zug nach Kärnten kamen, um hier beim Aufarbeiten der Windwürfe zu helfen.

Betriebe warten auf ihre Mitarbeiter

Diese Verbindung gibt es seit mehr als einem Monat nicht mehr, die Pendler müssen seitdem auf Personenzüge ausweichen. Die fahren aber deutlich später, was eine Belastung für die Betriebe ist, die auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast drei Stunden lang warten müssen. Das Argument der ÖBB, dass die Tauernschleuse nicht wirtschaftlich sei, sei völlig indiskutabel, sagte der Bürgermeister von Mallnitz, Günther Novak (SPÖ) vor Bekanntwerden der Öffnung am 4. Mai.

„Wir haben 1.200 Jahreskarten, es sind rund 180.000 Fahrzeuge pro Jahr und der Alpen-Adria-Radweg hat im Vorjahr 13.500 Räder und Personen befördert. Die werden jetzt ja auch kommen und müssen befördert werden.“

Kaiser will sich in Wien einsetzen

Erst Mittwochfrüh habe er noch einmal mit Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) telefoniert, sagte Novak. Dieser habe ihm zugesichert, beim Verkehrsministerium dafür zu sorgen, dass die Tauernschleuse am Mai wieder fahre. Nun kam aus dem Ministerium die Zusage, dass der Autozug ab 4. Mai wieder rollen werde. Und zwar im gewohnten Takt, sagte eine Sprecherin zur APA.

Im Juni hätte man die große Jubiläumsfeier 100 Jahre Tauernschleuse gefeiert, so Novak. Diese werde jetzt erst im kommenden Jahr stattfinden. 20 Millionen Fahrzeuge und 60 Millionen Gäste seien mit der Tauernschleuse bis jetzt transportiert worden.

Regierung: Verbindung bleibt künftig gesichert

Die Verbindung von Mallnitz nach Böckstein bleibe vertraglich zwischen dem Land und der ÖBB langfristig gesichert, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der Kärntner Landesregierung. „Eine Schließung ist und bleibt keine Option“, sagten Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Verkehrs- und Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP). Nach Intervention der Länder Salzburg und Kärnten bei Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gehe die Tauernschleuse Anfang Mai wieder in Betrieb.

Viele Pendler zwischen dem Mölltal und dem Gasteinertal mussten den Umweg über die Tauernautobahn nehmen und das bedeutete eine Fahrzeit von über einer Stunde statt 15 Minuten. Die Abfahrten werden künftig wieder in der gewohnten Taktung erfolgen. Immerhin werden zu Spitzenzeiten fast 1.500 Kraftfahrzeuge in jede Richtung befördert. Die Autoschleuse Tauernbahn verbindet das Mölltal und das Gasteinertal seit 1920 durch den 8.370 Meter langen Tauerntunnel.

Opposition: Schleuse sofort aufsperren

Vom Team Kärnten hieß es, es sei völlig unverständlich, warum die Tauernschleuse seit Wochen außer Betrieb ist. „Viele Bürger aus dem Mölltal sind auf die Schleuse angewiesen“, sagte Team Kärnten Chef Gerhard Köfer in einer Aussendung. Außerdem forderte Köfer, dass die Tauernschleuse bereits in dieser Woche wieder den Betrieb aufnehmen solle.

Auch von der FPÖ hieß es, die Tauernschleuse solle so schnell wie möglich wieder aufgesperrt werden.