Heizpaneel auf Wohnzimmerdecke
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Chronik

„Made in Austria“ aus Asien macht Probleme

Bei zwei Kärntner Familien haben in letzter Zeit Infrarotheizungen Kurzschlüsse ausgelöst und plötzlich zu schmoren und zu stinken begonnen. In beiden Fällen waren Kinder in unmittelbarer Nähe. Eine der Firmen, die asiatische Billigimporte als Ware „Made in Austria“ verkauft, entschuldigte sich.

Julia Koller, eine junge Mutter aus Völkermarkt, wollte sich eine gute und günstige Heizung zulegen. Als in einer Zeitungsannonce Infrarotpaneele zum halben Preis angeboten wurden, griff sie zu. „Man konnte praktisch nichts falsch machen, man musste sie einfach mit dem Thermostat auf die Wand hängen.“

Redakteurin Barbara Frank im Gespräch mit Julia Koller
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ORF Kärnten Redakteurin Barbara Frank im Gespräch mit Julia Koller

Nach etwa eineinhalb Jahren brannte die erste Heizung in unmittelbarer Nähe ihres dreijährigen Sohnes ab: „Sein Kinderzimmer ist zugleich mein Wohnzimmer. Damit er die Wärme spürt haben wir die Heizung hinter seinem Kopf aufgehängt. Als das Gerät plötzlich in der Nacht zu blitzen begann wurde mir natürlich total komisch. Bis ich gemerkt habe, dass es direkt aus dem Paneel blitzt, ist der FI-Schalter geflogen.“

Verschmortes Heizpaneel
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Schlecht verarbeitete Kabel auf Infrarotpaneel

Reklamation stieß zunächst auf wenig Verständnis

Julia Koller kontaktierte die oberösterreichische Firma, auf Verständnis für ihre Sorgen wegen der möglichen Gefahr stieß sie dort aber nicht: „Sie waren komplett unfreundlich und zeigten garkein Mitgefühl, dass man Angst hat um die Kinder, wenn das einfach so abfackelt.“

Auf den von der Firma angebotenen Garantieaustausch verzichtet Julia Koller – aus Sicherheitsgründen: „Wir haben es von einer anderen Firma anschauen lassen. Da waren die ganzen Kabel nicht richtig verarbeitet.“ Julia Koller bekam schließlich die Hälfte des Kaufpreises rückerstattet.

Defektes Heizpaneel in Kinderzimmer
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Defektes Heizelement

Heizelement in Kinderzimmer verschmort

Etwas ganz Ähnliches passierte vor kurzem auch Familie Ruhdorfer in Viktring mit anderen Billig-Infrarotpaneelen. Auch hier verschmorte nach monatelangen, unerklärlichen Stromausfällen ein Heizelement im Kinderzimmer.

Großmutter Olga Ruhdorfer erinnert sich an den intensiven Geruch: „Es war nicht auszuhalten. Zum Glück waren die Eltern da und konnten das Kind an sich nehmen. Sie entfernten die Paneele.“

Familie Ruhdorfer aus Viktring vor Wand wo Heizpaneel verschmorte
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Olga Ruhdorfer und ihr Mann vor der Wand, wo das Infrarotpaneel verschmorte

Material aus Asien in Österreich zusammengebaut

Auf der Rückseite des Paneels findet sich neben dem Hinweis „Made in Austria“ das Logo einer steirischen Firma. Eine Nachfrage des ORF Kärnten beim vermeintlichen Hersteller bestätigte dieser, dass das Infrarotpaneel ursprünglich aus Asien stamme. Es werde aber von einem österreichischen Subunternehmern zusammengebaut. Es dürfe deshalb „Made in Austria“ heißen. Eine mögliche Gefahr schließt der Unternehmer aus.

Die Firma entschuldigte sich in der Zwischenzeit schriftlich bei der betroffenen Familie und bot an, die Geräte auszutauschen und kostenlos zu ersetzen.

Logo „Made in Austria“ auf Infrarot Heizmatte
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Gütesiegel „Made in Austria“ auf Infrarotheizung

Experte ortet Problem mit Temperaturfühlern

Der Kärntner Infrarotexperte Johann Beurer untersuchte beide kaputten Heizungen. Seiner Einschätzung nach liege das Problem darin, dass die Matte so heiß werde, dass sich die eingebauten Temperaturfühler nicht abschalten." Dies sei bei 120 Grad vorgeschrieben.

Verschmorte Plastikmatte in Heizpaneel
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Angeschmorte Plastikmatte mit Karbonbahnen im Inneren einer Infrarotheizung

Der Experte geht davon aus, dass es früher oder später auch zu Bränden kommen werde.

Experte beim Begutachten von verschmortem Heizpaneel
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Bildheizung mit Schmorspuren

Generell gilt: Bei Plastik-Ware ist Vorsicht geboten. Auch Gütesiegel sind zu hinterfragen und dunkle Verfärbungen gelten als Alarmsignal.

Auf Prüfsiegel achten

Die IG Infrarot weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man sich mit Fragen zu Infrarotpaneelen jederzeit melden kann. Wichtig sei, dass das gekaufte Paneel Prüfzeichen europäischer Testhäuser aufweise (z.B.: TÜV Austria, ÖVE, VDE). Ein CE-Zeichen reiche nur bedingt, so der Vorsitzende der IG, Günther Hraby. Denn dies sei eine Selbsterklärung durch den Hersteller oder Inverkehrbringer.