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Soziales

Arbeiterkammer fordert Reformen bei Pflege

Die Kärntner AK schlägt in Bezug auf die Pflegebranche Alarm. Die Registrierungspflicht für Beschäftigte in Gesundheitsberufen zeige, dass bis 2030 rund 2.500 Pflegekräfte in Pension gehen. Es brauche Nachwuchskräfte, bessere Arbeitsbedingungen und neue Organisationsstrukturen.

Aktuell gibt es 36.000 Pflegegeldbezieher im Land, in den nächsten zehn Jahren wird sich ihr Anteil mehr als verdoppeln. Ggleichzeitig werden 2.500 Pflegekräfte in Pension gehen und es fehlt an Nachwuchs. Ursula Heitzer, Arbeiterkammer-Vizepräsidentin über die alarmierende Situation: „Wir haben 2019 in Kärnten 292 Absolventinnen und Absolventen im Pflegebereich gehabt, die Tendenz ist leicht rückläufig.“

Immer mehr ältere Menschen

Der Bedarf werde aber wesentlich steigen. Bis 2030 wird es in Kärnten um 6,3 Prozent mehr Menschen über 65 geben und um 6,3 Prozent weniger arbeitende Menschen. Die Betreuung von pflegenden Angehörigen mit den zunehmenden Einpersonenhaushalten werde ebenfalls zurückgehen, prognostiziert die Arbeiterkammer, daher brauche es dringend mehr Personal im Pflegebereich. Arbeiterkammerpräsident Günther Goach sieht die neue Bundesregierung in der Pflicht, den Pflegeberuf entsprechend zu bewerben und auch für besser Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Studien zeigen, dass im Schnitt viele nach sechs bis sieben Jahren den Pflegebereich verlassen: „Weil sie ausgebrannt sind, weil der Druck im Pflegebereich derart groß ist, bekommen die Menschen ein Burn-Out oder steigen aus dem Beruf aus.“

Bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Allen voran müsse es bessere Arbeitsbedingungen geben wie verbindliche Dienstpläne für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nachtdienste dürften nicht mehr alleine gemacht werden. Aber auch an der Organisationsstrukur müsse sich etwas ändern, sagt Monika Hundsbichler, Referatsleiterin für Gesundheit und Pflege in der Arbeiterkammer und nannte ein Beispiel: "Der Sterbende wird vom Pflegeheim ins Krankenhaus mit der Rettung transportiert, das Krankenhaus verlegt zum Sterben oft ins Heim, weil man den Akutplatz dringend braucht. Da muss man sich andere Modelle überlegen.

Gefordert wird eine einheitliche bundesweite Personalbedarfsberechnung für die Betreuungseinrichtungen und mehr Unterstützung für Ausbildung. Die Arbeiterkammer investiert pro Jahr 660.000 Euro für Fortbildungsprogramme, die Zahl der angebotenen Kurse soll sich heuer erhöhen. Außerdem organisiert die Arbeiterkammer am 18. Jänner erstmals eine Messe für Beschäftigte in Pflege und Betreuung mit Fachvorträgen.

FPÖ und Team Kärnten für Pflegelehre

Die FPÖ wies in einer Reaktion darauf hin, dass eine Pflegelehre für 15- bis 17-Jährige von der SPÖ verhindert werde. Aufgrund gesetzlicher Altersgrenzen sind diese derzeit ausgeschlossen. „Es wäre wichtig, dass Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach diese Blockade durch seine eigene Partei endlich beendet“, so FPÖ-Obmann Gernot Darmann. In der Schweiz funktioniere der Lehrberuf Pflege seit Jahren gut. Zunächst komme die Theorie und Heimhilfe-Tätigkeiten. Im dritten Jahr folge der praktische Teil. Außerdem müssten Schüler der Caritasschule für Sozialberufe immer noch Schulgeld bezahlen, das sei absurd, so Darmann.

Auch das Team Kärnten tritt weiter für die Einführung der Pflegelehre ein. Die ÖVP habe sich gesprächsbereit gezeigt, nachdem auch das VP-nahe Hilfswerk für dieses Modell plädiere, sagte Team-Kärnten-Obmann Gerhard Köfer. Nachdem inzwischen auch SP-intern Stimmen pro Pflegelehre aufgekommen sind, besonders vom roten Pensionistenverband, erwartet er sich, dass die Umsetzung dieses Modells ernsthaft in Erwägung gezogen werde. Es gebe viele junge Menschen, die über eine soziale Ader verfügen und sich eine Tätigkeit in diesem Berufsfeld vorstellen können.