Eierschwammerl wachsen zwischen Blättern und Zweigen
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Gesundheit

Erste Pilzlandkarte Österreichs online

Das Land Kärnten hat am Montag die erste Cäsium-137-Pilzlandkarte online gestellt. Sie gibt einen digitalen Überblick über die Strahlenbelastung von heimischen Pilzarten. 196 Proben wurden in diesem Jahr gezogen. Bei jeder zehnten Probe wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt.

In Kärnten gibt es laufend Nachfragen, wie gefährlich es auch 33 Jahre nach Tschernobyl noch ist, Pilze zu essen. Denn während in landwirtschaftlich genutzten Böden das Cäsium 137 keine Rolle mehr spielt, ist es in Waldböden noch unterschiedlich hoch vorhanden, vor allem Pilze sind „Strahlen-Fresser“.

Deshalb starteten die Teams von Strahlenschutz und Lebensmittelsicherheit im Amt der Kärntner Landesregierung ein gemeinsames Projekt, nachdem im Vorjahr ein neues Testgerät angekauft wurde. „Es handelt sich um einen Geräte-Testlauf, von dem die gesamte Kärntner Bevölkerung profitiert. Es wurde eine digitale Pilz-Landkarte erstellt, auf die man mit einem Klick Zugriff hat“, so Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ).

Grenzwert um das Dreifache überschritten

Heuer wurden 196 Proben von 33 verschiedenen Pilzarten gemessen – etwa von Eierschwammerln, Maronenröhrlinge, Semmelstoppelpilze, Parasole und Steinpilze. Bei knapp zehn Prozent wurde eine Grenzwertüberschreitung registriert“, sagt Gunther Vogl vom Institut für Lebensmittelsicherheit, Veterinärmedizin und Umwelt. Der EU-Grenzwert ist bei 600 Becquerel (Bq) pro Kilogramm Frischgewicht. „Der höchste in Kärnten gemessene Wert bei den häufiger verzehrten Eierschwammerln lag bei unserer Testreihe bei 1.755 Bq/kg, der Grenzwert wurde also um das Dreifache überschritten“, so Vogl.

Statistik Pilze Verstrahlung
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Die Pilzlandkarte zeigt die Strahlenbelastung in Kärnten

Die meisten Überschreitungen auf der Koralm

Aus Sicht des Strahlenschutzes würde selbst diese dreifach höhere Belastung von Pilzen keine bedeutende Strahlendosis ergeben. Eine Dosisabschätzung zeigt, dass der jährliche Grenzwert für Personen aus der Bevölkerung erst nach zirka 178 Portionen oder 45 Kilogramm Pilzen erreicht werden würde. Entwarnung kommt auch vom Kärntner Strahlenschutzbeauftragten Rudolf Weissitsch: „Die meisten Grenzwertüberschreitungen wurden im Raum Koralpe registriert. Es muss aber festgehalten werden, dass auch bei einer deutlichen Überschreitung des Grenzwertes keine akute Gefährdung besteht.“

Geplant ist nunmehr, die Pilz-Landkarte auszuweiten und laufend zu aktualisieren. Vor allem aus den Bezirken Spittal und Villach-Land werden Proben benötigt. Bei den bis dato durchgeführten 196 Messungen wurde eng mit dem Naturwissenschaftlichen Verein/Fachgruppe Pilze zusammengearbeitet, aber auch Privatproben wurden herangezogen.