Der Türmer bläst in sein Signalhorn
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„Kennst Du Kärnten“

Der Türmer zu Villach

Im Mittelalter haben sie auf den Türmen der Städte Wache gehalten und die Leute vor Feuer und Banditen gewarnt. Heute ist der Beruf des Türmers eine touristische Attraktion: In Villach ist der 80 Jahre alte Raimund „Mundi“ Rainer Türmer auf dem höchsten Kirchturm Kärntens in Villach.

Der Arbeitsplatz des 80-Jährigen ist der 94 Meter hohe Stadtpfarrturm in Villach. 239 Stufen führen nach oben, manche sind aus Holz, andere aus Stein. Die Stufen sind durchgetreten und krumm, für Besucher winden sie sich halsbrecherisch empor. Seit 26 Jahren ist das der beschwerliche Arbeitsweg für Raimund Rainer.

Türmer Raimund Rainer in seiner Dienstkleidung mit Hellebarde und Laterne
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Türmer Raimund Rainer in seiner Dienstkleidung auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz

Spezielle Türmerkleidung

Tritt er seinen Arbeitstag als Türmer an, trägt er eine spezielle Dienstkleidung und ist mit Hellebarde und Laterne unterwegs. „Türmer wird man eigentlich dann, wenn man gefragt wird. Unser Turm wurde begehbar gemacht und revitalisiert. Der Bürgermeister Manzenreiter ist dann zu mir gekommen und hat gesagt, dass ein Türmer gebraucht wird“, so Rainer.

Der Stadtpfarrturm in Villach
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Der 94 Meter hohe Stadtpfarrturm ist der Arbeitsplatz des 80-Jährigen

Im Turm gibt es auch eine Türmer-Wohnung. „In der Küche hat der Türmer seine Mahlzeiten vorbereitet und es gibt ein Plumpsklo mit einem Kübel. Dieser Kübel wurde dann am Vormittag zum Viertelputzer hinunter auf die Straße gelassen und ausgeleert und für den Türmer wieder frisch hergerichtet“, so Rainer. Heutzutage bleibt die Toilettentüre verschlossen.

Tradition des Mittelalters

Türmer Raimund Rainer ist einer der letzten seiner Art, seine Arbeit fußt auf Traditionen des Mittelalters. „Der Türmer aus dem Mittelalter war eine wichtige Person, die vom Turm aus auf die Stadt hinunter geschaut hat, ob irgendwo Gefahr droht, Feuer ausbricht oder sonstiges. Er wurde dann mit seiner Trompete aktiv. Der Türmer von heute hat repräsentative Aufgaben“, sagt Türmer Raimund Rainer. Das Signalhorn ertönt heutzutage nur mehr bei Veranstaltungen.

Der Türmer bläst in sein Signalhorn
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Der Türmer hat heute nur mehr repräsentative Aufgaben, im Mittelalter war er eine wichtige Person

Konditorei in 5. Generation

Wenn Raimund Rainer nicht gerade als Türmer unterwegs ist, dann trifft man ihn in seiner Konditorei, die seit 160 Jahren von der Familie Rainer und das bereits in 5. Generation, geführt wird. „Schon als kleines Mädchen im Kindergarten und in der Volksschule bin ich mit meinem Papa vor allem am Wochenende in der Backstube gestanden und habe ihm über die Schulter geschaut. Ich bin da so mit reingewachsen und mache das bis heute sehr gerne“, so Katharina Rainer-Valtiner. Und die sechste Generation wartet schon auf ihren Einsatz.