Demonstranten unter Regenschirmen
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Verkehr

Tauernautobahn: Stau wegen Demo

Auf der Tauernautobahn (A10) bei Seeboden (Bezirk Spittal/Drau) ist es am Freitagnachmittag wegen einer Demo zu einem kilometerlangen Stau gekommen. Hintergrund ist der geplante Ausbau eines großen Lkw-Parkplatzes. Eine Bürgerinitiative will das Projekt noch stoppen.

Die Demonstranten zogen in strömendem Regen von Seeboden aus hinauf zum Autobahn-Rastplatz, der massiv vergrößert werden soll. Helfried Unger, einer der Teilnehmer, wies darauf hin, dass sich der geplante Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Kurgebiet von Seeboden befinde. „Wir nennen uns Luftkurort und das wird hier kaputt gemacht. Seeboden ist die am stärksten belastete Gemeinde an der A 10.“

Demonstranten mit einem Plakat „Ohne Bäume keine Träume“
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Bei strömendem Regen wurde gegen den Ausbau der Raststation demonstriert

Gegen Schlägerung von Bäumen

Seit fünf Jahren kämpft die Bürgerinitiative „L(i)ebenswertes Seeboden“ gegen die Erweiterung des oberhalb des Luftkurorts gelegenen Autobahnrastplatzes. Unter anderem kritisieren die Anrainer, dass drei Hektar Wald geschlägert werden müssten, außerdem befürchten die Anrainer mehr Lärm und höhere Schadstoffbelastungen.

Rastplatz Seeboden mit abgestellten LKW
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So sieht der Rastplatz auf der A10 bei Seeboden in Fahrtrichtung Salzburg derzeit aus

Landtagsbeschluss von Regierung „nicht umgesetzt“

Die Bürgerinitiative fühlt sich allein gelassen im Kampf gegen den Rastplatz direkt ober ihren Häusern auf der Tauernautobahn, der viermal so groß werden soll, hieß es am Freitag. Die Politik wolle sich hier nicht die Finger verbrennen, vermuteten einige, obwohl es sogar einen Landtagsbeschluss dazu gebe, jegliche Schaden durch einen solchen Bau von der Seebodener Bevölkerung abzuhalten.

Der Jurist Arnold Riebenbauer kritisierte, die Landesregierung habe den Beschluss nicht umgesetzt. „Sie hat sich nicht darum gekümmert, dass ein Umweltmediziner feststellt, welcher Schaden für die Seebodener entsteht, in dieser Tourismusregion.“ „Wer hat den Nutzen von diesem Parkplatz und wer ist zuständig für diese Misere“, fragte Ingrid Pichler, die Obfrau der Bürgerinitiative. „Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.“

Demonstranten mit einem großen Transparent gegen den Rastplatz
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Mögliches Treffen in Landesregierung

Die Bürgerinitiative sprach davon, dass es noch im Dezember zu einem Gespräch mit Vertretern der Landesregierung kommen werde. Ob die Bagger aber noch aufgehalten werden können, ist fraglich.

Laut Asfinag sei der Baubeginn nur noch Formsache, sofern die Bezirkshauptmannschaft die Bescheide zustellt. Der Baustart für den Rastplatz, der vorwiegend als Lkw-Abstellplatz geplant ist, ist für 2021 geplant. Man habe die Verfahren nach Wasser-, Naturschutz- und Forstrecht schon im Mai 2016 eingereicht, so ein Sprecher der ASFINAG. Man gehe davon aus, dass das Verfahren Mitte 2020 abgeschlossen sein werde und der Baubeginn ein Jahr später sein werde.

Demonstranten mit Karte von Seeboden
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Mit einer Karte demonstrierte die Bürgerinitiative, wie knapp am Kurgebiet der rastplatz geplant sei

Es wurden auch alternative Standorte für einen Rastplatz geprüft, aber das Projekt nahe Seeboden sei von wirtschaftlicher Seite und von den infrastrukturellen Bedingungen die beste Variante, hieß es bei einer Informationsveranstaltung im Frühjahr.