Wanderfalke schaut in die Kamera
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Chronik

Vergifteter Wanderfalke kein Einzelfall

Am Wochenende ist bekannt geworden, dass ein Wanderfalke durch eine präparierte Taube vergiftet worden ist. In Verdacht steht ein Taubenzüchter aus Villach, für den die Unschuldsvermutung gilt. Für Andreas Kleewein von BirdLife ist dies nur die Spitze des Eisbergs.

Die tote beringte Taube wurde im April von einem Falkner gefunden, der auch gleich den richtigen Verdacht hatte. Er ließ sie untersuchen und brachte den Fall ins Rollen. Andreas Kleewein von BirdLife sagte, solche Fälle halte man immer geheim, um ganz sicher zu gehen, ob es sich wirklich um eine bewusste Vergiftung handle und auch, um rechtliche Schritte einleiten zu können.

Wanderfalke auf Hand von Falkner
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Wanderfalke Aslan von der Adlerwarte

„Unserer Ansicht nach ist das nur die Spitze des Eisberges, illegale Greifvogelverfolgung ist ein vielschichtiges Thema.“ Die Tauben werden oft farblich markiert, um für die Greifvögel noch attraktiver zu wirken, so Kleewein. In den letzten zwei Jahren habe es rund zehn Fälle gegeben. Dies seien aber nur jene, die bekannt geworden seien.

Die tote Taube
R. Thuile
Die tote Taube war farblich markiert, das macht sie für Greifvögel attraktiver

Ein Fall auf Adlerwarte bekannt

Der Leiter der Adlerwarte Landskron, Franz Schüttelkopf, sagte gegenüber dem ORF, er habe von so etwas schon gehört: „Ich kenne das selbst konkret von einem Fall. Ein Wanderfalkenweibchen ist bei uns damals abgegeben worden und zu Schaden gekommen. Der Vogel hat genau dieses Gift abbekommen, war aber am nächsten Tag wieder fit.“ Der Tierarzt habe Infusionen verabreicht, dieses Tier dürfte nur eine kleine Menge des Gifts aufgenommen haben, so Schüttelkopf. Sonst kenne er solche Fälle nur aus den Medien, so der Greifvogelexperte, man verfolge sie aber natürlich interessiert. Seeadler oder auch Kaiseradler seien dadurch schon zu Schaden gekommen, beides streng geschützte Tiere.

Franz Schüttelkopf im Interview mit Peter Matha
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Franz Schüttelkopf wird von Peter Matha interviewt, auf seinem Arm ein Wanderfalke

Greifvogel schnell gelähmt

Das Insektizid wirke laut Schüttelkopf schnell: „Wenn der Vogel mit dem Gift in Kontakt kommt, dürft schon eine geringe Menge ausreichen. Der Falke beißt seiner Beute das Genick durch. Wenn eine solche Taube tot gebissen wird, hat er das Gift im Rachen. Das wirkt sehr rasch, der Vogel ist kurze Zeit später gelähmt und hat Atemnot.“

Brieftaube mit Gift präpariert

In Kärnten hat ein Unbekannter eine Brieftaube mit einem hochgiftigen Insektizid präpariert, um einen Falken, der das Tier frisst, zu vergiften.

Anton Kluge ist Funktionär im Brieftaubenzüchterverband aus Spittal und hält 150 Tauben. Die Tiere mit dem seit 2007 verbotenen Insektizid Corbuforan zu „Kamikazetauben“ zu machen um Greifvögel zu töten, sei für ihn unverständlich: „Im ersten Moment war ich überrascht, dass es eine Brieftaube war, weil wir alle wissen, dass das strengstens verboten ist. Von meiner Seite verurteile ich das natürlich.“

Brieftaube
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Beringte Brieftaube

Man habe seit Jahren Probleme mit Greifvögeln, viele Züchter hören daher mit dem Sport auf. Denn ein Vogel fresse gut 20 bis 30 Tauben, das gehe ins Geld. Die einzige Möglichkeit sei es, die Tauben nicht den ganzen Tag fliegen zu lassen, sondern nur zeitweise zum Training und zeitversetzt. So könne sich ein Raubvogel nicht auf einen Taubenschlag spezialisieren, so Kluge. Der verdächtigte Züchter bestreitet die Vorwürfe, er wird angezeigt.