Peter Handke
APA/Georg Hochmuth
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Kultur

Peter Handke erhält Literaturnobelpreis

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke erhält den Literaturnobelpreis 2019. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm bekannt und sprach davon, dass Handke „der Literaturszene seinen Stempel aufgedrückt hat“.

Handke erhält den Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“, so die Begründung der Akademie. Mehr dazu auch in Literaturnobelpreis für Peter Handke.

Zwei Literatur-Nobelpreise im heurigen Jahr

Erstmals wurden heuer zwei Literaturnobelpreisträger bekanntgegeben. Die doppelte Auszeichnung wurde notwendig, weil sich die Akademie nach Skandalen und Austritten im Vorjahr gegen eine Preisvergabe entschieden hat. Der damit bis dato letzte Empfänger des Literaturnobelpreises war Kazuo Ishiguro im Jahr 2017. Der Literaturnobelpreis 2018 geht an Olga Tokarczuk. Überreicht werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Die prestigeträchtige Auszeichnung ist mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen – circa 831.000 Euro – dotiert.

Handke hat „der Literaturszene Stempel aufgedrückt“

Die weitere Begründung der Schwedischen Akademie für die Zuerkennung des Preises lautete: „Die besondere Kunst von Handke ist die außergewöhnliche Aufmerksamkeit zu Landschaften und der materiellen Präsenz der Welt, die Kino und Malerei zu zwei seiner größten Quellen der Inspiration werden ließen". Handke habe sich als einer der einflussreichsten Autoren Europas nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert, nachdem er bereits mit seinem ersten Roman „Die Hornissen“ 1966 sowie mit dem Stück „Publikumsbeschimpfung“ aus 1969 „der Literaturszene seinen Stempel aufgedrückt hat“.

1. Kärntner Literaturnobelpreisträger

Kulturreferent Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) gratulierte Peter Handke. „Kärnten stellt erstmalig einen Literaturnobelpreisträger. Darüber freue nicht nur ich mich, sondern ganz Kärnten und Österreich. Die Erfolgsmeldung passt gerade am heutigen Landesfeiertag und ist das zweite historische Ereignis am 10. Oktober für ganz Kärnten. Dass sein Stück ‚Die Stunde da wir nichts voneinander wussten‘ noch dazu heute am Klagenfurter Stadttheater Premiere feiert, rundet einen Kärntner Handke-Tag ab. Ich freue mich, dass die Auszeichnung an ihn geht“, so Kaiser.

Auch die Universität Klagenfurt gratulierte ihrem Ehrendoktor zum Nobelpreis. In seiner legendären Festrede zur Ehrendoktor-Verleihung erinnerte Handke im Jahr 2002 an den hohen Wert der Zweisprachigkeit im Land Kärnten und die Verdienste des Widerstandskampfs im Zweiten Weltkrieg.

Literaten würdigen Handke

Erst der jüngste Wechsel im Nobelpreiskommitee dürfte den Ausschlag gegeben haben, Peter Handke den Literaturnobelpreis zuzuerkennen, so Literaturexperte Klaus Amann. Er ist seit Jahrzehnten Kenner seines Werks: „Ich denke, dass die politische Einschätzung auch die falsche politische Einschätzung teilweise hier eine Rolle gespielt hat. Nachdem der Modus nun offenbar etwas verändert wurde und auch externe Experten durch das Nobelpreiskomitee befragt werden hat er es geschafft. Ich hätte eigentlich nicht mehr daran geglaubt.“

Dass Handke den Literaturnobelpreis bekommt bezeichnet auch auch der Kärntner Verleger Lojze Wieser als nicht zu erwarten, aber seit Jahren überfällig: „Dass es erst jetzt gekommen ist ist eine wunderbare, große, glückliche Entscheidung.“

Mehr als 70 Bücher verfasste Peter Handke und 50 übersetzte er. Auch um die slowenische Sprache habe sich Handke große Verdienste erworben, sagt Handkes Schriftstellerkollegin, die Kärntner Slowenin Maja Haderlap. Es werde seine große Sensibilität für das Randständige bleiben: „Ich finde es sehr wichtig, dass er nicht immer das Populäre anschaut, das Laute und Vordergründige, die Oberflächen, sondern dass er die Wahrnehmung über die Sprache schärfen will.“

Zahlreiche Gratulanten auch in Geburtsort Griffen

Seit fast 30 Jahren lebt Peter Handke in Paris. Er wurde 1942 als Sohn einer zweisprachigen Kärntner Familie in Griffen geboren. Bürgermeister Josef Müller zeigte sich hoch erfreut: „Ganz Griffen ist wahnsinnig stolz auf ihn. Wir freuen uns auf Peter Handke. Er ist sehr tief mit unserer Marktgemeinde verankert. Er besucht uns zwei Mal im Jahr, der Kontakt wird intensiv gepflegt.“ Er habe mit Handkes Frau gesprochen. Sobald er erreichbar sei werde er Handke auch persönlich gratulieren.

Valentin Hauser ist seit 50 Jahren mit Peter Handke befreundet. Er sagte, er sei wahnsinnig stolz: „Als vor zwei Jahren der Nobelpreis vergeben wurde habe ich ihn gepflanzt und gesagt: ‚Wirst du noch mit mir reden, wenn du den Nobelpreis bekommst?‘. Er sagte dann: ‚Hör auf, das ist nicht der Preis für mich.‘ Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Das muss erst einmal in den Kopf hinein.“

Handke selbst soll sich beim Anruf des Nobelpreiskomitees sehr gerührt gezeigt haben. Den Literaturnobelpreis am 10. Dezember will er selbst entgegen nehmen.