Stift St. Georgen
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Gericht

Kirche gegen Buchhalterin: Vorerst Einigung

Im Zivilprozess zwischen einer gekündigten Buchhalterin und ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem Bistum Gurk, gibt es eine außergerichtliche Einigung. Demnach soll die Frau eine Entschädigung in der Höhe von drei, und nicht wie bisher gefordert, von sechs Monatsgehältern erhalten.

Über den Fall wurde schon im April berichtet, nachdem die Buchhalterin dem Visitator der Diözese erzählt hatte, dass er von einem ranghohen Geistlichen des Domkapitels, als alter Depp bezeichnet worden sein soll. Eine erste Verhandlung im Mai wurde abgebrochen – mehr dazu in Prozess um „Alter Depp“-Sager im Bistum (kaernten.ORF.at; 10.5.2019).

Zeugen konnten nach halber Stunde wieder gehen

Viele Zeugen brachten sich am Mittwochvormittag vor dem Gerichtssaal in Stellung, unter ihnen auch Ordinariatskanzler Jakob Ibounig. Die Zeugen konnten aber schon nach einer guten halben Stunde wieder das Haus verlassen, weil sich im Gerichtssaal wahrlich Unerwartetes abzeichnete.

Vor Gericht standen die gekündigte, und später entlassene Buchhalterin mit ihrem Rechtsvertreter, und auf der anderen Seite, Gerhard Kalidz, der Ökonom des Domkapitels, mit seinem Verteidiger. Kalidz soll es ja gewesen sein, der bei einer Unterredung in Anwesenheit der damaligen Buchhalterin, den Salzburger Erzbischof und Visitator Franz Lackner, als „alten Depp“ bezeichnet haben soll.

Gerhard Kalidz
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Gerhard Kalidz, Ökonom des Domkapitels

Richterin regte zu Ausgleich an

Richterin Daniela Bliem sagte zu Beginn der Verhandlung, sie habe seit dem letzten Termin Ende Mai, von keiner der beteiligten Parteien mehr etwas gehört. Sie habe es zwar gehofft, aber offensichtlich sei man sich in dieser Causa nicht näher gekommen. Sie regte an, sich bei bei der Diskussion über eine Abgangsentschädigung für die ehemalige Buchhalterin, über die Auszahlung von drei Gehältern zu unterhalten, weil es ja bei der Diskussion über sechs Gehältern zu keiner Einigung gekommen ist.

Nach kurzer Beratung vor dem Saal- stimmen dann beide Seiten – schweren Herzens wie sie sagten – dem Vorschlag von Richterin Daniela Bliem zu. Mit dem Verweis darauf, dass man nicht gescheiter sein soll, als das Gericht.

Drei Monate Zeit für endgültige Lösung

Völlig offen ist allerdings noch, ob diese Einigung, die im Gerichtssaal getroffen wurde, verbindlich wird oder nicht. Man habe sich auf ein einfaches Ruhen verständigt, damit haben beide Seiten noch drei Monate Zeit, um Details der außergerichtlichen Einigung auszuverhandeln.

Sollte in dieser Zeit keine Lösung gefunden werden, dann würde man sich eben nach drei Monaten wieder vor Gericht treffen, hieß es am Mittwoch. Dann hätten auch wieder sämtliche Zeugen die Möglichkeit, in diesem Entlassungsverfahren auszusagen. Das ebenfalls anhängige Kündigungsanfechtungsverfahren ist in der Zwischenzeit unterbrochen.